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Leserbriefe zum Thema Erhöhung der Verbrennungsmenge im Schwandorfer Müllkraftwerk

Mit dem Thema Erhöhung der Verbrennungsmenge im Schwandorfer Müllkraftwerk bzw. dem dagegen gerichteten Bürgerentscheid befasst sich folgender Leserbrief:

„Der in der Ausgabe vom Samstag veröffentlichte Leserbrief „Geschäft mit der Angst“ zeigt mir, dass die Verantwortlichen für das Bürgerbegehren weniger auf Argumente als auf Emotionen setzen. Das Müllkraftwerk Schwandorf versorgt die benachbarte Nabaltec AG mit Strom- und Prozessdampf und die Stadt Schwandorf mit Fernwärme. Die Nabaltec hat in den vergangenen Jahren kräftig in neue Arbeitsplätze in Schwandorf investiert und will neben den bisher produzierten flammhemmenden Füllstoffen auch Ersatzstoffe für die schwermetallbelasteten Füllstoffe in PVC-Produkten (z. B. Fußbodenbeläge, Kabel usw. ) herstellen. Die Anlagen stehen vor der Inbetriebnahme und erfordern weiteren Prozessdampf, den das Müllkraftwerk mit seiner genehmigten Kapazität von 450000 Tonnen/Jahr zur Verfügung stellen könnte, wenn die vertragliche Kapazitätsbeschränkung aufgehoben würde. Hiergegen wendet sich das Bürgerbegehren. Hätte dieses Erfolg, würde dies dazu führen, dass die Nabaltec in Schwandorf selbst ggf. ein Kraftwerk für Strom und Dampf bauen müsste, um sich mit Strom und Dampf zu versorgen.

Je nachdem, welche Leistung dieses Kraftwerk hätte, würden die Vorschriften der TA-Luft oder 13. BiSchV gelten. In diesen Vorschriften sind die Grenzwerte für die Belastungen im Abgas festgelegt.

Aus meiner mehr als 30-jährigen beruflichen Tätigkeit als Ingenieur auf allen Gebieten des Umweltschutzes weiß ich, dass die gesetzlich festgelegten Immissionsgrenzwerte für viele Stoffe für die Abfallverbrennung erheblich geringer sind als jene für andere Kraftwerke. So gilt für ein Kohlekraftwerk für Staub ein Grenzwert von ‹ 20 mg/cbm, für die Abfallverbrennung hingegen ein Grenzwert von ‹ 10 mg/cbm, im Müllkraftwerk Schwandorf werden tatsächlich 0,3 mg/cbm erreicht, also ein Wert, der um das 66-fache niedriger ist als der für ein Kohlekraftwerk zulässige.

Deshalb hat auch Prof. Dr.-Ing. Martin Faulstich, der auch Mitglied des Sachverständigenrats der Bundeskanzlerin ist, in seinem Gutachten an den Stadtrat diesem empfohlen, den künftig steigenden Energiebedarf der Nabaltec und der Fernwärmeversorgung Schwandorf durch Ausschöpfung der bereits genehmigten und technisch problemlos zu bewältigenden Verbrennungsmenge von 450000 Tonnen Müll pro Jahr sicher zu stellen, weil diese Variante im Hinblick auf die lokale Immissionssituation ökologisch am verträglichsten ist.

Wer für das Bürgerbegehren stimmt, sollte sich daher bewusst sein, dass dann der Neubau eines Kraftwerkes zu schlechteren ökologischen Bedingungen erfolgt als dies das Müllkraftwerk garantieren kann. Ohne einem verantwortungslosen Umgang mit der Umwelt oder der Gesundheit der Bürger das Wort reden zu wollen, sollte aber auch an die eventuell verloren gehenden oder nicht mehr entstehenden Arbeitsplätze gedacht werden und die Familien, die durch die produktive Arbeit ihren Lebensunterhalt verdienen. Dieser Gedanke, so scheint mir, ist einem Großteil der Initiatoren des Bürgerbegehrens verloren gegangen.“

Heinz Schönfelder

Karl-von-Drais-Straße 4

Schwandorf

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