MyMz

Mit Luft und Liebe

Im Luftmuseum Amberg erhebt Wilhelm Koch das scheinbare Nichts zur Kunst / Besucherzahlen beweisen: Sein Konzept geht auf

Luftmuseum

Von Christine Schröpf, MZ

Luftikus oder Herr der Lüfte wird Wilhelm Koch oft genannt. Neulich in der Fußgängerzone begrüßte ihn ein Passant als „Mr. Luft“. Der 47-jährige Künstler hört es gern. „Das ist ja auch eine Anerkennung.“ Koch hat vor zwei Jahren das Amberger Luftmuseum gegründet und damit dem scheinbaren Nichts einen musealen Rahmen verschafft. Die Stadt hat das historische Klösterl mietfrei zur Verfügung gestellt, das im Volksmund passenderweise „Engelsburg“ heißt. Alle anderen Aufgaben und Ausgaben – das Budget lag vergangenes Jahr bei 55000 Euro – stemmt Koch mit vielen „Lufthelfern“ und Sponsoren. 2007 zählte man schon 10000 Besucher.

Das Luftmuseum entwickelt Sogwirkung: Die Besucher kommen sogar aus dem Ausland. Inder, Norweger, Franzosen und Polen haben sich im Gästebuch verewigt. Was alle anzieht, ist diese skurrile Mischung aus Kunst, interaktiven Skulpturen und schrägen Objekten, die Koch mit Luft und Liebe geschaffen hat und nun im Museum auf drei Stockwerken in 20 Räumen präsentiert. Der Pneu-Haufen aus 30 miteinander verknüpften, prall aufgeblasenen Lkw-Reifen symbolisiert mit seinen Rundungen eine „organische Urform“. Die Luftdusche pustet Besucher kräftig durch. Im Luftbrunnen blubbert eine zähe Masse. „Manchmal sage ich: Das ist Sperma. Aber das stimmt nicht“, sagt Koch und lässt dabei seinen ganz speziellen Humor aufblitzen. Auch für ein Stück Klamauk ist Platz: Eingekerkert in einer Glasvitrine lauert ein scheinbar gefährliches Tier: „Vorsicht Luftschlange“.

Luft ist der Stoff, aus dem Kunst gemacht wird – daran lässt Koch keinen Zweifel. „Lehm hat ja anfangs auch nichts mit Kunst zu tun. Steine ebensowenig. Es kommt darauf an, was man daraus macht.“ Die ersten Luftkünstler gab es Mitte des 20. Jahrhunderts, inspiriert vom Beginn der Weltraumfahrt. Koch näherte sich der Materie über den Umweg Gummi. Seine ersten Werke waren aus dem elastischen Material. „Und irgendwann habe ich gemerkt, dass Luft mein Medium ist.“ Was ihn nicht hindert, auch andere Kunstwelten zu erobern. Zuhause, in der 450-Einwohner-Gemeinde Etsdorf (Lkr. Amberg-Sulzbach), hat der Künstler mit Segen der Nachbarn eine Asphaltkapelle errichtet. Als Pendant plant er in Sichtweite einen Nachbau des Tempels von Ägina. 2009 soll das 14 mal 21 Meter große Gebäude fertig sein. Werkstoff: Beton.

Kochs Kreativität reicht für viele Konzepte. Auch aus seinem Museum ist noch lange nicht die Luft raus. Nächstes Jahr gibt es die Sonderausstellung „Der letzte Schnaufer“ mit afrikanischen Särgen, die Luxuslimousinen, Löwenstatuen, Coladosen oder Fotoapparaten ähneln – gerade so, wie es zum Leben des Verstorbenen passt. Koch will damit daran erinnern, wie überlebenswichtig Luft ist. „Zehn Minuten ohne? Da sehen Sie alt aus.“

Luftmuseum Amberg. Eichenforstgässchen 12, Tel. (09621) 420883. Am Museumstag: 14 bis 17 Uhr Live-Vorführungen der Ausstellung „Heißluftmotoren“ durch Friedrich Neudecker.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht