In Raum verschanzt
Frau (65) überwältigt: Viele offene Fragen nach Großeinsatz am Aachener Luisenhospital

04.03.2024 | Stand 05.03.2024, 6:45 Uhr

Die Polizei war wegen einer „möglichen Bedrohungssituation“ im Aachener Luisenkrankenhaus im Einsatz. − Foto: Henning Kaiser/dpa

Es brennt in einem Krankenhaus, eine 65-Jährige verschanzt sich in einem Raum des Luisenhospitals. Stundenlang bemühen sich Polizei und Feuerwehr, bis ein Zugriff die diffuse Lage beendet. Was sind die Hintergründe?



Eine 65-jährige Frau hat ein Großaufgebot von Polizei und Feuerwehr am Montagabend im Aachener Luisenhospital stundenlang in Atem gehalten. Dort hatte sie sich aus bislang noch ungeklärten Gründen in einem Raum verschanzt - ob zusammen mit möglichen Opfern oder bewaffnet, konnte die Polizei lange Zeit nicht beantworten.

Gegen 23 Uhr konnte ein Spezialeinsatzkommando (SEK) die 65-Jährige schließlich überwältigen. Bei dem Zugriff wurde sie verletzt, wie der Sprecher der Aachener Polizei, Andreas Müller, nach dem Einsatz berichtete. Weitere Personen seien nach ersten Erkenntnissen nicht zu Schaden gekommen, berichtete eine Sprecherin der Polizei Köln.

Reporter der Deutschen Presse-Agentur beobachteten, dass die Frau auf einer Krankenbahre aus der Klink gerollt wurde, zugedeckt mit einer Wärmefolie. Noch vor Ort wurde sie in einem Krankenwagen ärztlich behandelt.

Die Einsatzkräfte waren auf den Vorfall aufmerksam geworden, nachdem gegen 17 Uhr eine Nachricht über einen Brand im Luisenhospital bei der Aachener Feuerwehr eingegangen war. Erst am späten Abend meldete die Stadt Aachen, dass das Feuer im Bettenbereich der Klinik gelöscht werden konnte.

73 Personen aus dem Luisenhospital wurden betreut



Demnach sind insgesamt fast 400 Leute vor Ort gewesen. Die Notfallseelsorge sei mit elf Personen vertreten gewesen. 73 betroffene Personen aus dem Luisenhospital seien betreut worden. „Vier Personen aus der Intensivstation müssen in andere Krankenhäuser transportiert werden“, teilte die Stadt mit. 270 Patienten hätten im Krankenhaus bleiben können.

In den Stunden vor dem Zugriff war zu sehen, wie der Klinikbetrieb hinter dem schmiedeeisernen Gitter der weiträumig abgesperrten Klinik zumindest teilweise weiterlief. In Krankenhausfenstern brannte noch Licht; Personal in weißen Kitteln huschte über den Krankenhaus-Parkplatz. Blaue Blitze von Polizeiautos zuckten durch den nachtschwarzen Himmel.

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Der Klinikbereich im unmittelbaren Umfeld der Frau war sofort evakuiert worden. Patienten und auch das Personal seien in Sicherheit gebracht worden, berichtete Müller. Das SEK war schwer bewaffnet im Einsatz, zeitweise kreiste ein Hubschrauber über dem Hospital.

Immer wieder hatte es Spekulationen über eine mögliche Geiselnahme gegeben, die die Polizei aber nicht bestätigt hatte. Über das Motiv der Frau war zunächst nichts bekannt.

Geprüft werde, ob es einen Zusammenhang mit einem Wohnungsbrand am selben Tag in Eschweiler gebe, berichtete Müller. Dort hatte ein Feuer am Nachmittag eine Wohnung in einem Mehrfamilienhaus vernichtet. Personen kamen dabei nicht zu Schaden.

Straße und Bahnverkehr gesperrt



Die Kölner Polizei hatte am frühen Abend die Informationshoheit übernommen. „Es kommt zu Straßensperrungen und Einschränkungen des Bahnverkehrs. Meiden Sie den Bereich weitläufig“, warnte die Polizei via X (früher Twitter).

Im Westen der Stadt wurde am Montagabend vorsichtshalber ein Streckenabschnitt der Bahn gesperrt. „Züge warten an geeigneten Bahnhöfen“, teilte die DB Regio auf der Plattform X mit. Verspätungen, Teilausfälle und kurzfristige Änderungen im Zugverlauf seien möglich. Die Fahrgäste wurden aufgefordert, ihre Reiseverbindungen zu prüfen. Es sei unklar, wie lange der Einsatz dauern werde.

Das am Rand des Zentrums gelegene Krankenhaus wird von einem evangelischen Verein getragen. Nach eigenen Angaben werden in 15 Kliniken Patienten mit den unterschiedlichsten Krankheitsbildern behandelt.

− dpa