MyMz

Papst-Touren begeistern die Menschen

In Franziskus’ Heimatstadt Buenos Aires herrscht Papst-Manie. Und Touristen und Politiker pilgern nach Rom. Das lässt sogar alte Konflikte vergessen.
Juan Garff, dpa

Papst-Touren in Buenos Aires zu 24 Stationen, die eine Bedeutung im Leben des heutigen Papstes Franziskus haben, sind bei Touristen und Einheimischen sehr beliebt. Foto: Federico Hamilton/GCBA/dpa

Buenos Aires.Anfang 2013 hatte Jorge Bergoglio bereits ein kleines Appartement für seinen bevorstehenden Ruhestand ausgesucht. Der Erzbischof von Buenos Aires wollte in das Heim für ältere Priester in Flores ziehen, dem Stadtteil seiner Kindheit - sobald Papst Benedikt XVI. seinen Rücktritt angenommen hätte. Nach seinem 75. Geburtstag hatte er ihn mehrere Monate zuvor eingereicht. Aber dazu sollte es nicht kommen. Sein Weg führte ihn selbst nach Rom - als Papst Franziskus. Zu den Schauplätzen seines Lebens in Flores und anderen Stadtteilen der argentinischen Hauptstadt pilgern inzwischen die Touristen auf Papst-Tour.

Papst-Touren boomen bei Lateinamerikanern

Das Geburtshaus, seine Schulen und der Platz, auf dem Bergoglio als Kind Fußball spielte, gehören zu den Stationen einer der drei Touren, die das Tourismusamt der Stadtregierung bereits zwei Monate nach der Papstwahl auf die Beine gestellt hatte. Von der Kathedrale und dem Sitz des Erzbistums geht es auch zum Friseur Bergoglios und dem Zeitungskiosk, wo er bis zu seinem Umzug in den Vatikan persönlich die Sonntagslektüre abholte.

„Es nehmen sehr viele Touristen aus Lateinamerika an den Papst-Touren teil, vor allem Brasilianer“, sagt eine Sprecherin des Tourismusamtes. In Zeiten einer allgemeinen Flaute der Tourismusbranche hätten die neuen Angebote auch einen strategischen Wert, erklärte der zuständige Minister Hernán Lombardi.

Papst Franziskus begeistert Touristen und Politiker

Der argentinische Papst - der erste überhaupt aus Lateinamerika - hat aber auch die Reiselust seiner Landsleute beflügelt. Rund 40 000 Argentinier reisten im Juli zum Weltjugendtag mit Franziskus in Rio de Janeiro, so viele wie aus keinem anderen Land. Unter ihnen auch Staatschefin Cristina Fernández de Kirchner, die bis März noch - wie ihr Vorgänger und verstorbener Ehemann Néstor Kirchner - eine eher distanzierte Beziehung zum Erzbischof von Buenos Aires pflegte. Franziskus schenkte ihr in Brasilien ein Paar weiße Baby-Schuhe für ihren zwei Wochen zuvor geborenen ersten Enkel. Sie war entzückt.

Und die Entzückung hat alle erfasst. Politiker von links und rechts, Gewerkschafter, Unternehmer und Künstler pilgern nach Rom, um sich mit dem Papst fotografieren zu lassen. In Buenos Aires sang Edmundo „Muni“ Rivero mit dem bekannten Orchester von José Colángelo einen Tango, den er für den Papst komponiert hatte. Die Uraufführung fand nicht in einem Tango-Club statt, sondern in dem frommen Kloster Santa Catalina. In freier Übersetzung: „Mit Deinem edlen Geist wirst Du erreichen, dass es mehr Gläubige und weniger Arme gibt.“

Konservative Einstellung als Erzbischof

Als Erzbischof von Buenos Aires hatte Bergoglio es geschafft, seinen Einsatz für die Armen und die Menschen am Rand der Gesellschaft von dem Verdacht einer linken Gesinnung freizuhalten. Von einigen war ihm sogar eine konservative Ausrichtung unterstellt worden. Seine aktive Opposition gegen die Homo-Ehe, die er als „Teufelsplan“ bezeichnete, spitzte 2010 das Verhältnis zur Kirchner-Regierung zu. Einige Jahre zuvor, 2004, hatte er mit seiner scharfen Kritik gegen die antiklerikalen Werke des Künstlers León Ferrari derart heftige Angriffe gegen die Ausstellung ausgelöst, dass diese vorzeitig schließen musste. Ferrari bekam später den Goldenen Löwen auf der Biennale in Venedig, die Homo-Ehe wurde in Argentinien gesetzlich verankert.

Papst Franzsikus erfährt breite Zustimmung

Als Bergoglio Papst wurde, waren diese Zwischenfälle weitgehend in Vergessenheit geraten. Drei Bücher wurden 2013 in Argentinien in rascher Folge über den Papst veröffentlicht, eins von ihnen über Bergoglio als Fan des Fußballvereins mit dem Heiligennamen San Lorenzo. Mit dem Franziskus-Segen holte das Team am Sonntag seinen ersten Liga-Titel in sechs Jahren - was für den Papst nur noch mehr Begeisterung in seinem Heimatland bedeuten kann. Mit Kritik begegnen ihm nur mehr manche Katholiken am rechten Rand, die ihn als Reformisten abkanzeln, und einige linke Gruppierungen, die ihm eine unklare Haltung während der Militärdiktatur vorwerfen.

Marcelo Larraquy, Autor des Buches „Recen por él“ („Betet für ihn“), sieht bei Franziskus eine klare Suche nach Popularität, die er unter anderem seiner peronistischen Ausrichtung zuschreibt. „Ihm kommt zugute, dass er keine Schwäche für Geld hat“, sagt der Journalist der Nachrichtenagentur dpa. „Dies lässt ihn in seiner Beziehung zu den Mächtigen in einem guten Licht erscheinen.“

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht