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Pole Dance – Muckis statt Puffmuttis

Stangentanz hat einen schlechten Ruf – zu unrecht. Denn Pole Dance ist eine anspruchsvolle Sportart. Artisten kämpfen, um das Image zu verbessern.
Von Katarina Cavar und Elfi Heinke

Stangentanz hat einen schlechten Ruf – zu unrecht. Denn Pole Dance ist eine anspruchsvolle Sportart. Foto: dpa

Passau.Halbnackte Frauen, die sich in Nachtclubs zu Striptease-Musik lasziv um eine Stange räkeln und sich nebenbei noch ihrer restlichen Kleidung entledigen. Das ist das Bild, das den meisten Menschen als erstes in den Kopf schießt, wenn sie das Wort Pole Dance hören. Auch in unserer Umfrage spiegeln sich diese Gedanken wider. Was Viele jedoch nicht wissen: Das erotische Pole Dancing in Clubs ist nur eine Form des Tanzes um die Stange. Das Pole Dancing hat sich in den letzten Jahren auch zu einem seriösen und vor allem immer beliebter werdenden Fitness-Sport entwickelt. Es gibt bereits etwa 100 Schulen in Deutschland, an denen Frauen – und sogar Männer und Kinder – lernen, wie sie ihre Körper richtig um die Stange schwingen, um möglichst effektive Trainingsergebnisse zu erzielen.

Um das Bild von Pole Dance in der Gesellschaft noch weiter zu verbessern, leistet der Deutsche Pole Sport Verband (DPSV) vor allem in den Medien viel Aufklärungsarbeit, wie Jeannine Wilkerling, dreifache deutsche Meisterin in Pole Dance Akrobatik und Präsidentin des DPSV, erklärt. „Zusätzlich macht jeder einzelne, der Pole Dance einmal ausprobiert und das für sich entdeckt hat, von sich aus schon Werbung für den Sport bei seinen Freunden und Bekannten. Das hat sicherlich geholfen, Pole Dance als Sportart bekannter zu machen.“ Zumba habe es durch die Mischung aus Medienpräsenz und Mundpropaganda vom belächelten Herumgehüpfe schließlich auch zum angesagten Fitnesstrend geschafft. Wilkerling hofft, dass sich so auch Pole Dance längerfristig als Sport durchsetzen kann.

Stangentanz gab es schon im 12. Jahrhundert

Zeit dazu wäre es allemal. Schließlich ist der Stangentanz keine Erfindung der letzten Jahrzehnte, sondern kann tatsächlich auf eine jahrhundertelange Tradition zurückblicken. Pole Dance, wie wir es heute kennen, hat seinen Ursprung im asiatischen Raum. Bereits im 12. Jahrhundert führten chinesische Zirkusakrobaten einstudierte Tänze an drei Stangen vor, die jeweils neun Meter hoch waren. Die Akrobaten präsentierten dabei jedoch lediglich aneinandergereihte Tricks und keine in einer Choreographie zusammengefassten Bewegungen. Auch gehörten zu den Auftritten im Gegensatz zum heutigen Pole Dance, bei dem man möglichst knappe Kleidung trägt für eine bessere Haftung an der glatten Stange, auffallende Ganzkörperkostüme.

In Indien nutzten indische Wrestler vor 800 Jahren schließlich das Hinaufklettern an Holzstangen als Trainingsmethode, um ihre Reflexe, Konzentration und Koordination zu verbessern. Bereits damals trugen sie dafür kaum Kleidung und keine Schuhe, um besser an den Stangen kleben zu bleiben. Bis heute wird in Indien diese Trainingsmethode praktiziert - jedoch nur von Männern.

Zusätzliche Einflüsse sammelte das heutige Pole Dancing von Tanzschritten aus dem weltberühmten Moulin Rouge sowie von Elementen aus Rumba, Tango und Bauchtanz. All diese verschiedenen Faktoren machen Pole Dance zu einer vielschichtigen und rhythmischen Sportart, die in erster Linie nichts mit Sex, sondern mit effektivem Training und Fitness zu tun hat.

Somit ist Pole Dance auch für jeden geeignet: Frauen und Männer, Jung und Alt, Dick und Dünn. Das Trainingspensum kann dabei jeder für sich selbst bestimmen. Wer Pole Dance nur in seiner Freizeit ausübt, um sich etwas fit zu halten, für den reicht ein bis zwei Mal Training pro Woche beispielsweise vollkommen aus. Trainiert jemand für seine erste Meisterschaft, hängt er schon einmal bis zu fünf Stunden täglich an der Stange.

Jeannine Wilkerling bietet in ihren Pole-Dance-Schulen sogar spezielle Kinderkurse an: „Wir wollen es den Kindern nicht vorenthalten, Pole Dance zu betreiben. Das ist schließlich ein super Sport.“ Natürlich gibt es laut Wilkerling auch einige Schulen, die keine kinder- und jugendfreundlichen Kurse anbieten, sondern eher auf die Erotikschiene einsteigen, „aber mit denen arbeitet der Deutsche Pole Sport Verband auch nicht zusammen.“

Männer bei Pole Dance zurückhaltend

Während bereits viele Kinder das Turnen am „senkrechten Reck“ für sich entdecken, lassen sich Männer eher nicht so schnell vom Pole Dance begeistern. Auf gerade mal einen Prozent schätzt Wilkerling den Anteil der männlichen Mitglieder im DPSV. Alles vergeudetes Potenzial, wenn man weiß, dass Männer dank ihrer stärker ausgeprägten Muskulatur eigentlich perfekt für den Pole Sport gemacht sind.

Ziel des DPSV für die nächste Zeit ist es nun, einen Dachverband zu finden, mit dessen Hilfe Pole Sport in den Deutschen Olympischen Sport Bund aufgenommen werden kann. „Ich hoffe, in den nächsten Jahren wird sich da einiges abzeichnen“, so Wilkerling. Die Verhandlungen laufen zumindest schon. Vielleicht hat bis dahin auch der letzte Pole-Dance-Skeptiker seine Bedenken abgelegt und wir schwingen bald alle fröhlich um unsere Stangen – Männer inklusive.

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