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Riesige Bandbreite von Filmen

Eine Rekordzahl an Beiträgen wurde für den aktuellen Internationalen Wettbewerb eingereicht.
Von Michael Fleig und Bettina Reiter

Szene aus dem spanischen Film „Der rote Teppich“: Die 12-jährige Rubina lebt im Garib-Nagar-Slum im Bandra Viertel von Bombay und will Schauspielerin werden. Foto: Kurzfilmwoche

Regensburg.Was vor zwei Jahrzehnten als reine Herzensangelegenheit mit Experimentcharakter begann, hat sich als feste Größe in der Kurzfilmszene etabliert. Parallel zum Jubiläum kann die Kurzfilmwoche Regensburg den Rekord an internationalen Einreichungen feiern, womit sie ihrem neuen Namen, den sie um den Zusatz „International“ ergänzt hat, gerecht wird: 1076 Stunden Material, verteilt auf 4979 Kurzfilme, schickten Filmemacher aus aller Welt nach Regensburg. Die Sichter im Festivalteam haben sich die Augen viereckig geschaut, um die spannendsten Filme für das Herzstück des Festivals herauszupicken.

Die Wahl ist schwer gefallen. Wie soll man am besten vorgehen angesichts der Tatsache, dass es nur gut ein Prozent der Einreichungen in den Wettbewerb schafft? Auf die Fragen „Was ist schön?“, „Was ist ästhetisch?“ gibt es keine absolute Antwort. Bis ins 19. Jahrhundert wurde das Hässliche aus der Kunst ausgeschlossen, Kunst sollte „erhaben“ sein. Seit dem 20. Jahrhundert rückt vermehrt eine soziale Funktion von Kunst in den Fokus.

Soll Kunst uns leiden lassen?

Laut Adorno besteht die ästhetische Leistung eines Kunstwerks darin, „Leiden“ auszulösen, um gesellschaftliche Missstände zu reflektieren. Doch interessieren solche „modernen“ Ästhetik-Theorien noch, wo wir doch längst sowas von „post-“ sind?

Überlegungen zur postmodernen Erkenntnismisere scheinen auch die Filmemacher weltweit zu beschäftigen. Das schlägt sich in einigen Wettbewerbsbeiträgen nieder. So findet sich mit „Meu Amigo Nietzsche“ eine Hommage an den Vorreiter des postmodernen Wahrheitszweifels schlechthin, „To Become, Shift, Transfer, Copy and Erase Janet Leigh“ macht die Bedingtheit von Wirkung durch den Konstruktionsprozess transparent und „The Light Bulb“ zeigt auf amüsante Weise, dass die gepriesene Meinungsvielfalt nicht unbedingt zielführend ist.

Animation, Doku, Spielfilm

Auch die Kurzfilmwoche hat sich dem Vielfältigkeitsparadigma verschrieben. Deswegen präsentiert sie im Internationalen Wettbewerb ein größtmögliches Spektrum an Form, Stil und Inhalt. In den acht Programmen finden sich sämtliche Spielarten des Kurzfilms: Dokumentationen, Spiel- wie Experimentalfilme und Animationen. Die Werke dürfen uns belustigen, traurig machen, uns beängstigen und ja, sie dürfen uns sogar ärgern – Hauptsache, sie bewegen uns.

Einige heiße Kandidaten für dem Internationalen Wettbewerb sind über eine andere Schiene ins Programm gerutscht: Sie kommen dank des Horrorfilmprogramms, das diesmal passend zum Sonderprogramm „Herzensangelegenheiten“ unter dem Titel „Heart Attack Films“ firmiert, doch noch zu ihren Ehren auf dem Festival. Das Mitternachtsprogramm mit den Horrorstreifen bildet seit 2011 einen Festivalhöhepunkt.

Insgesamt 54 Filme aus dem Internationalen Wettbewerb gehen um den Kurzfilmpreis des Bayerischen Rundfunks ins Rennen. Wer den mit 5000 Euro dotierten Preis bekommt, darüber entscheidet die Internationale Fachjury. Sie besteht aus der Regisseurin, Schauspielerin und Dozentin Barbara Dukas, der Gründerin des Outbox International Short Film Festivals in Beirut, Sonia Hadchity und Sydney Neter, der das internationale Kurzfilmfestival „Go Short!“ in Nijmegen berät. Die „Jury der Jungen“ aus Wladimir Fuhrmann, Eva Haimerl, Rafael Herrmann, Veronika Zieglmeier und Anika Schiller entscheidet über die Vergabe des mit 1000 Euro dotierten Kurzfilmpreises der Stadt Regensburg. Der Publikumsliebling erhält den Kinokneipen-Preis (333 Euro).

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