Auch mit DM-Bronze zufrieden
Wenn Aufregung im Wald von Süssenbach die Orientierungslauf-Goldchance killt

28.09.2023 | Stand 28.09.2023, 15:51 Uhr

Beim Sprint war Riccardo Casanova noch der Schnellste: Bei der Langstrecken-DM unterliefen dem Nationalläufer ein paar Anfangsfehler und er war mit Bronze nicht rundum happy. Fotos: Brüssel (2)

Manchmal kann der Heimvorteil ein emotionaler Nachteil werden. Riccardo Casanova kann ein Lied davon singen. „Das Wochenende war unglaublich schön“, sagt der 23-jährige Nationalläufer von der ausrichtenden Orientierungslauf-Gemeinschaft (OLG) Regensburg über die drei Wettkampftage an der Universität in Regensburg inklusive der DM im Wald von Süssenbach – und seinem Zwiespalt der Gefühle.

„Andererseits haben mich die Emotionen wohl ein bisschen den Fokus gekostet.“ Und so gewann der Youngster mit dem klangvollen Namen zwar die auf die deutsche Meisterschaft vorbereitende Uni-Sprintwertung, musste sich allerdings tags darauf mit Bronze begnügen, weil ihm die zuvor bezwungenen Kollegen Ole Henseler und Toby Scott mehr (5:45 Minuten) oder weniger (27 Sekunden) auf den 12.2 Kilometern enteilten.

Ausdruck von Aufregung und Fokusverlust: „Riccardo ist beim zweiten Posten an einem Stein von der falschen Seite vorbeigelaufen“, berichtet Mama Milena Grifoni vom wegweisenden Missgeschick des Sprösslings, der so wertvolle Zeit verlor und das trotz stetiger Verbesserung danach nicht wettmachen konnte. „Aber zu 90, ach 95 Prozent bin ich zufrieden“, sagt der Physik-Student, der liebäugelt, im Orientierungslauf-Wunderland Norwegen Hobby und Uni zu verbinden.

Teilnehmerurteil wichtig

Das Wichtigste für die OLG-Veranstalter war derweil das zufriedene Fazit der 750 Läufer aus ganz Deutschland und dem Ausland, die überwiegend in Regensburg Quartier gemacht hatten, wo an der Uni auch die Siegerehrung stattfand. „Das Wochenende war sehr vielfältig. Die Bahnen waren sehr, sehr anspruchsvoll und einer deutschen Meisterschaft würdig“, freute sich Grifoni, die selbst ihre Sprintwertung ihrer Altersklasse 55 gewann. „Regensburg und der bayerische Wald waren eine Reise wert. Das Urteil der Teilnehmer ist uns wichtig. Wir hatten ja schon deutsche Meisterschaften bei Mitteldistanz und Staffel – und die Leute wissen, was bei uns zu erwarten ist.“

Dass Orientierungslauf eine Sportart ist, die jung – es ging in den 12er-Altersklassen los – wie alt ausüben können, bewies ein bald 90-Jähriger: „Georg Reischl, Jahrgang 1934 und vom TV Osterhofen, hat seine 40. Goldmedaille bei uns gewonnen“, berichtet OLG-Organisationsleiter Clemens Hartung, der am Wettkampftag selbst mit seiner Arbeit „durch“ war. Mit 45 Helfern – nur die ambitionierten Topläufer des Vereins durften selbst starten – hatte der 60-jährige Orientierungslauf-Spätstarter („Ich bin ein Spätberufener und habe erst vor zehn jahren begonnen“) die Großveranstaltung ein Jahr vorbereitet und dabei auch gegen allerlei Vorurteile ankämpfen müssen.

Arbeit mit Genehmigungen

„Das erste halbe Jahr galt es erst einmal, die nötigen Genehmigungen zu bekommen. Und du musst Förstern und Jagdpächtern auch abringen, in den Wald zu dürfen. Wir sind aber sehr naturverträglich“, sagt Hartung, der auf auf die Unterstützung der Bayerischen Staatsforsten bauen konnte. „Der Wald soll ja auch ein Freizeitwald sein. Und bei uns sieht es danach nicht aus wie beim Metall-Festival in Wacken.“ Im Gegenteil: „Spuren im Gras waren schon ein paar Tage später trotz der über 700 Teilnehmer nicht mehr erkennbar.“

Auch interessant: Hartung und Co. lasen bei den Elite-Damen, wo Nationalläuferin Susen Lösch aus Jena nach fast 70 Minuten knapp um 30 Sekunden die Nase vorne hatte, den schnellsten Weg aus. „Auf guten Bahnen gibt es ja immer mehrere Wege: Links um den Berg, rechts um den Weg oder an der Bahntrasse entlang – und in diesem Fall hatten die ersten Drei alle eine andere Route.“

Die OLG Regensburg von Präsident Stephan Schneuwly, die 2026 ihr 20-Jähriges feiert und einer der beiden größten bayerischen Orientierungslaufvereine ist , wird sicher wieder irgebndwann einmal eine deutsche Meisterschaft ausrichten. „Wir machen das sicher“, sagt Hartung. „Aber jetzt wollen wir erstmal die Helferteams auch nicht überfordern.“



Ergebnisse:
Deutsche Meisterschaft: Damen-Elite (8,9 Kilometer): 1. Susen Lösch (Jena) 1:09:04 Stunden, 2. Paula Starke (Dresden) 1:09:34, 3. Hanna Müller (Gundelfingen) 1:12:27; Herren-Elite (12,2 km): 1. Ole Henseler (Seesen) 1:15:53, 2. Toby Scott (Steinberg) 1:21:11, 3. Riccardo Casanova (Regensburg) 1:21:38

Deutschland-Cup: Staffel: 1. Dresden 2:14:30; 14. OLG (Timo Lorenz, Sophie Kraus, Yannis Lauer, Juliane Burgmair, Casanova) 2:49:36; Regensburger Ergebnisse: D16 (4,4 km): 3. Juliane Burgmaier 47:00; H 80 (3,3 km): 3. Viktor Jarkov 1:00:19; Regensburger Sprintsieger: D12 (1,3 km): Olina Maskova 9:48; D14 (1,9 km): Nele Simon 12:08; D16 (2,5 km): Anne Pöhl 16:47; D35 (2,8 km): Tereza Maskova 17:37; D55 (2,3 km): Milena Grifoni 15:25; H12 (1,3 km): Quirin Meier 9:50; H19 (3,6): Riccardo Casanova 16:09