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Rekordpreise

Superreiche liefern sich Jagd um Kunst

Kein Ende der Rekorde auf dem Kunstmarkt: Kunst ist heutzutage Trophäe, Geldanlage und Statussymbol. Die Auktionshäuser steigern ihre Umsätze rasant.
Dorothea Hülsmeier, dpa

Im November wurde das Triptychon „Drei Studien von Lucian Freud“ von Francis Bacon für 142 Millionen Dollar verkauft. 2013 gab es wieder einen Megarekord auf dem Kunstauktionsmarkt. Foto: epa/Christie‘s Handout

Düsseldorf/Köln/München.Es war zu erwarten, dass es auch in diesem Jahr wieder einen Megarekord auf dem internationalen Kunstauktionsmarkt geben würde. Diesmal sprengte ein Riesen-Triptychon von Francis Bacon alle bisher erreichten Marken und wurde bei der November-Auktion von Christie’s in New York für rund 142 Millionen Dollar (106 Millionen Euro) versteigert. Das 1969 entstandene Triptychon, das Bacons Freund Lucian Freud zeigt, ist das teuerste je bei einer Auktion verkaufte Bild. Es überholte mit 22 Millionen Euro locker den 2012 versteigerten „Schrei“ von Edvard Munch.

Kunst als Trophäe und Statussymbol

Die Rallye der Superreichen auf dem Kunstmarkt geht also weiter. „Die Kunst ist mehr und mehr eine Trophäe geworden“, sagt Henrik Hanstein, Inhaber des Kölner Kunsthauses Lempertz und Präsident des Europäischen Versteigererverbandes EFA. Bilder seien die „Opfer von Prestige, Anlage und Status“. Kunst sei auch ein „Geldsicherungssystem“, etwa für Chinesen, Russen, Araber.

Stehen solche Millionen-Preise eigentlich noch im Verhältnis zum Wert des Kunstwerks, fragt man sich. Hanstein meint: „Wenn wir so genau wüssten, was Kunst wert ist, gäbe es ja keine Auktionen.“ Dass aber sogar einer der quietschbunten „Balloon dogs“ von Jeff Koons, von denen es gleich fünf Anfertigungen in verschiedenen Farben gibt, bei Christie’s für fast 60 Millionen Dollar versteigert wurde und dass Koons damit Gerhard Richter als teuersten lebenden Künstler ablöste, mag auf den ersten Blick doch verwundern.

Der Düsseldorfer Kunstberater und -händler Helge Achenbach, durch dessen Hände der riesige stählerne Ballonpudel Mitte der 90er Jahre, noch für 375 000 Dollar ging, hat Erklärungen dafür. Koons zeichne sich durch ein überschaubares Werk, eine spannende Wiedererkennbarkeit und eine „hohe Qualität an Dekoration“ aus.

Schnellen die Preise aber relativ schnell nach oben, müsse man damit rechnen, „dass es auch schnell mal wieder runter geht“, sagt Auktionator Hanstein. Ein Beispiel sei Damien Hirst. Vor einigen Jahren war der Totenkopf-Künstler noch der letzte Schrei, jetzt werde es immer schwieriger, Hirst zu verkaufen.

Und nicht alles geht: „Es wird sehr viel Geld für sehr ausgewählte Kunstgegenstände gezahlt, aber noch lange nicht für alles, und das Geheimnis ist, zu wissen, was ist das Gelbe vom Ei“, sagt Hanstein. Die Rekordjagd in New York hat auch wenig mit dem Kunstmarkt im alten Europa zu tun. Das Durchschnittsobjekt in London etwa werde für 10 000 Euro versteigert, in Paris oder Deutschland seien es rund 4000 Euro. „Bei uns geht es bis zu zwei bis drei Millonen, dann ist Schluss.“

Junge ausländische Käufer investieren in Kunst

Auch bei alter Kunst verkaufe sich nur richtig gute Qualität, sagt Hanstein. Der „Mittelkram“ gehe nur mäßig. Alte Möbel kosteten heute die Hälfte weniger als vor 20 Jahren. Da könne man noch Schnäppchen machen.

Allgemein verzeichnen die Auktionshäuser den Trend, dass die Käufer jünger und internationaler werden. 50 Prozent des Umsatzes macht Lempertz mit ausländischen Käufern aus der ganzen Welt. „Habe ich einen koreanischen Künstler, dann sind auch gleich sechs oder sieben Internetbieter aus Korea dabei.“

„Es geht weiter nach oben“, sagt Achenbach. Milliardenschwere Käufer, ob in Katar, China oder Russland, seien „alle fasziniert von einer Rendite“, die in den letzten 30 Jahren trotz Wirtschaftskrisen generell immer weiter gestiegen seien. Aber auch ein Gerhard Richter werde manchmal angeboten „wie Sauerbier“. „Nicht jeder Richter bringt auch Wahnsinnsgeld, weil es auch um die Qualität der einzelnen Arbeiten geht.“ Das gleiche gelte auch für Arbeiten von Andy Warhol.

Auch der Münchner Auktionshauschef Robert Ketterer sagt: „Wenn etwas Ordentliches auf den Markt kommt, dann bringt es auch Superpreise.“ Der Run auf Kunst sei nicht nur durch die Inflationsangst und die Flucht in Sachwerte zu erklären. „Kunst ist auch salonfähig geworden.“ Immer mehr Mittelständler und Privatanleger investierten in Kunst. Ketterer begrüße bei seinen Auktionen moderner Kunst 30 bis 40 Prozent Neukäufer. Aber die sind auch wählerisch: „Es geht nur um die besonderen Objekte, nicht um die, die immer in jeder Auktion angeboten werden, dann am Schluss aber doch etwas zu teuer sind“, sagt Ketterer.

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