Russische Invasion
Krieg gegen die Ukraine: So ist die Lage

26.09.2023 | Stand 27.09.2023, 5:24 Uhr |

Klischtschijiwka - Ukrainische Soldaten zielen mit einer Flugabwehrrakete auf die Frontlinie bei Bachmut. - Foto: Alex Babenko/AP/dpa

Ein eher bizarrer Videoauftritt des Chefs der russischen Schwarzmeerflotte soll belegen, dass er einen Angriff überlebt hat - und die Türkei nennt Bedingungen für Schwedens Nato-Beitritt. Die News.

Das Schicksal des Chefs der russischen Schwarzmeerflotte Viktor Sokolow ist nach dem ukrainischen Angriff auf dessen Hauptquartier weiter ungewiss. Moskau bemühte sich heute um den Eindruck, Sokolow sei am Leben.

Das ukrainische Militär will seine Meldung über den angeblichen Tod Sokolows nach dem Auftauchen neuer Bilder überprüfen. Unterdessen wurden bei russischen Luft- und Drohnenangriffen mindestens zehn Menschen verletzt. Die Geschosse gingen in der Region Cherson und auf Odessa nieder. Die ukrainische Luftwaffe berichtete von insgesamt 38 Kamikaze-Drohnen, die Russland in der Nacht von der Halbinsel Krim aus in Richtung Ukraine gestartet habe. 26 davon seien abgeschossen worden.

Ist der Schwarzmeerflottenchef noch am Leben?

Mehrere heute vom russischen Verteidigungsministerium veröffentlichte Fotos und ein Video sollen zeigen, wie Sokolow an einer von Verteidigungsminister Sergej Schoigu geleiteten Sitzung teilnimmt. Zu sehen ist er allerdings lediglich als angeblich online zugeschalteter Teilnehmer auf einer schräg hinter Schoigu angebrachten Leinwand.

Auffällig ist, dass Sokolow in der kurzen Sequenz völlig starr wirkt. Auch dass die Bilder wirklich heute aufgenommen wurden, ließ sich zunächst nicht unabhängig überprüfen. Kremlsprecher Dmitri Peskow wollte Fragen zum Tod Sokolows derweil nicht kommentieren. Zuvor hatte das ukrainische Militär mitgeteilt, dass am vergangenen Freitag bei dem Angriff mit Marschflugkörpern 34 russische Offiziere getötet worden seien, darunter auch Sokolow.

Drohnenangriff auf Cherson und Odessa

Nach dem Angriff kämpften die Ärzte in Cherson um das Leben einer verwundeten 83-jährigen Frau, wie der Militärgouverneur von Cherson, Olexander Prokudin, auf Telegram schrieb. Ihm zufolge hat die Aktivität der russischen Luftwaffe über der Region in den vergangenen Tagen deutlich zugenommen.

Russland beschießt den ukrainisch kontrollierten Teil der umkämpften Region Cherson seit dem Rückzug Moskaus aus der gleichnamigen Regionshauptstadt im vergangenen Jahr regelmäßig. Allein am Montag starben nach Angaben Prokudins dort sechs Menschen, zehn weitere wurden verletzt. Im Gebiet Odessa unweit der Grenze zum EU-Land Rumänien wurden zwei Menschen verletzt.

London: Russische Schwarzmeerflotte kann Aufgaben weiter erfüllen

Die Ukraine hatte die russische Schwarzmeerflotte in den vergangenen Wochen mehrfach attackiert, darunter deren Hauptquartier in der Hafenstadt Sewastopol auf der von Moskau annektierten Halbinsel Krim. «Diese Angriffe haben mehr Schäden angerichtet und waren koordinierter als bisher im Krieg», schrieb das britische Verteidigungsministerium in seinem täglichen Update beim Kurznachrichtendienst X.

Der physische Schaden sei mit ziemlicher Gewissheit groß, aber örtlich begrenzt. «Die Flotte bleibt mit ziemlicher Sicherheit weiterhin in der Lage, ihre Kernaufgaben im Krieg - Angriffe mit Marschflugkörpern und örtliche Sicherheitspatrouillen - zu erfüllen», schrieb das Ministerium. Die Briten halten es aber für möglich, dass die Flotte nun weniger Kapazitäten hat, um weitergehende Patrouillen fortzusetzen und die Blockade ukrainischer Häfen aufrechtzuerhalten.

Blackout in sieben russischen Dörfern

In der russischen Grenzregion Kursk sind nach einem ukrainischen Drohnenangriff heute mindestens sieben Dörfer vom Stromnetz abgeschnitten worden. Eine Drohne habe morgens einen Sprengsatz auf ein Umspannwerk im Dorf Snagost etwa 15 Kilometer von der der ukrainischen Grenze entfernt abgeworfen. Das schrieb der Gouverneurs der Region, Roman Starowojt, auf Telegram. Verletzt wurde demnach niemand.

Der ukrainische Geheimdienst SBU bestätigte mehreren einheimischen Medien, darunter dem Portal Ukrajinska prawda, den Drohnenangriff. «Die Russen sollten sich darüber im Klaren sein, dass sie eine harte Reaktion erhalten werden, wenn sie weiterhin ukrainische Energieanlagen angreifen», wurde ein SBU-Mitarbeiter zitiert.

Ukraine will gegen russische Rüstungsindustrie vorgehen

Die Ukraine will nach Worten von Präsident Wolodymyr Selenskyj stärker gegen die russische Rüstungsindustrie vorgehen. Bei einer Beratung mit seiner Militärführung habe es einen Bericht zur Lage in Russlands militärisch-industriellem Komplex gegeben. Das sagte Selenskyj am Abend in seiner Videoansprache.

«Wir können deutlich erkennen, in welchen Bereichen der Druck auf Russland verstärkt werden muss, um zu verhindern, dass die terroristischen Fähigkeiten wachsen», sagte der Präsident. Ausländische Sanktionen gegen die russische Rüstungsbranche seien nicht genug. «Es wird mehr eigene, ukrainische Maßnahmen gegen den terroristischen Staat geben», sagte Selenskyj. Einzelheiten nannte er nicht. «Solange Russlands Aggression anhält, muss Russland seine Verluste spüren.»

Erdogan nennt Bedingungen für Nato-Beitritt Schwedens

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat die Zustimmung seines Landes zum Nato-Beitritt Schwedens an einen Kampfjet-Deal mit den USA geknüpft. «Wenn sie ihr Wort halten, hält auch unser Parlament sein gegebenes Wort», sagte Erdogan unter Bezug auf Gespräche mit US-Außenminister Antony Blinken.

Auch die USA würden die F-16-Kampfjets mit dem Nato-Beitritt Schwedens verbinden, so Erdogan. Damit Schweden in das Bündnis aufgenommen werden kann, benötigt es die Zustimmung aus der Türkei und auch aus Ungarn. Angesichts des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine hatte das Land im Mai 2022 mit Finnland die Nato-Mitgliedschaft beantragt. Finnland wurde bereits als 31. Mitglied willkommen geheißen.

Getreide-Transporter suchen Schutz am rumänischen Ufer

Aus Angst vor russischen Luftangriffen bringen die ukrainischen Getreide-Transporteure seit Wochen immer wieder nachts ihre Schiffe vorübergehend am rumänischen Ufer des Donau-Arms Chilia unter, der die Grenze zur Ukraine bildet.

Diese Schutzmöglichkeit hätten Diplomaten der EU und der USA im August mit rumänischen und ukrainischen Behörden ausgehandelt, sagte der Direktor des rumänischen Schwarzmeer-Hafens Constanta, Florian Vizan, der Deutschen Presse-Agentur. Er sei bei diesen Gesprächen dabei gewesen. Das Umladen von Getreide auf ukrainischer Seite von einem Schiff auf das andere müsse oft wegen drohender Angriffe unterbrochen werden.

Ein großer Teil der ukrainischen Getreideexporte läuft über den rumänischen Hafen Constanta, weil die ukrainischen Schwarzmeer-Häfen wegen der russischen Angriffe nicht zur Verfügung stehen.

© dpa-infocom, dpa:230926-99-333550/11