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ThyssenKrupp-Chef noch nicht am Ziel

Der angekündigte Strukturwandel bei ThyssenKrupp ist noch lange nicht vollzogen. Auch der Tod des Patriarchen Beitz traf das Traditionsunternehmen.
Uta Knapp und Erik Nebel, dpa.

Die ThyssenKrupp Stahlsparte kämpft in Europa mit rapide gesunkenen Gewinnen. Insgesamt streicht der Konzern 2000 Stellen in diesem Bereich, weitere 3000 sollen in der gesamten Verwaltung wegfallen. Foto: dpa

Essen.Für 2013 hatte sich ThyssenKrupp-Chef Heinrich Hiesinger viel vorgenommen. Alte Seilschaften sollten gekappt, fragwürdige Gewohnheiten über Bord geworfen und drängende Probleme endlich gelöst werden. „Alle Weichen sind gestellt“, versprach der Konzernlenker den Aktionären noch bei der Hauptversammlung zum Jahresbeginn.

Doch mit dem angekündigten Strukturwandel ist der 53-Jährige auch fast ein Jahr später noch nicht am Ziel, die Lage bei dem Traditionsunternehmen ist ernst. Bei der Bilanzvorlage Ende November musste der Manager nun allen Hoffnungen auf ein schnelles Ende der Krise eine klare Absage erteilen.

Bundeskartellamt stand vor der Tür

Schon 2012 hatte Hiesinger eingestanden, das Ausmaß der Probleme bei seinem Amtsantritt Anfang 2011 unterschätzt zu haben. „Ich gebe zu, dass mir damals nicht bewusst war, wie tiefgreifend dieser Veränderungsprozess sein würde“, sagte er. Auch 2013 musste sich der frühere Siemens-Manager auf unliebsame Überraschungen gefasst machen.

Im Februar standen wieder Ermittler des Bundeskartellamts bei ThyssenKrupp und anderen Stahlkochern vor der Tür. Diesmal ging es um den Verdacht illegaler Preisabsprachen bei Autoblechen – erneut kündigte der Vorstandschef ein hartes Vorgehen und „null Toleranz“ an. Ein wenig später ins Leben gerufenes Amnestie-Programm für reuige Mitarbeiter brachte allerdings keine neuen Hinweise.

Die Untersuchungen der Kartellbehörde sind noch nicht beendet. Die Auswirkungen könnten jedoch schwerwiegend sein, wie ThyssenKrupp selbst einräumt. Der Konzern ist Wiederholungstäter, er war bereits in Kartelle bei Edelstahl, Rolltreppen und Schienen verwickelt. Im November einigte sich ThyssenKrupp wegen des Schienenkartells mit der Bahn auf eine Schadenersatz-Zahlung in dreistelliger Millionenhöhe.

Spektakulär fiel der personelle Wandel im Konzern aus. Nachdem Chefaufseher Gerhard Cromme im Januar nach heftiger Aktionärskritik schließlich mit Unterstützung der mächtigen Krupp-Stiftung noch die Entlastung erteilt worden war, legte Cromme wenige Wochen später zum 31. März überraschend seinen Posten nieder. Bereits zum Jahresende 2012 hatten drei von sechs Vorständen das Unternehmen verlassen.

Mit dem Tod des 99-jährigen Krupp-Patriarchen Beitz traf den Konzern Ende Juli ein Schicksalsschlag. Als Chef der mächtigen Krupp-Stiftung, die mit einem Anteil von 25,3 Prozent wichtigste Aktionärin des Konzerns ist, hatte Beitz über Jahrzehnte hinweg die Fäden in der Unternehmensgruppe gezogen.

Hiesinger betonte bei der Trauerfeier den entstandenen Verlust. Beitz habe ihm bereits bei seinem ersten Gespräch Rückendeckung für die notwendigen Veränderungen zugesagt: „Er hat Wort gehalten.“

Vor seinem Tod hatte Beitz noch die Entflechtung von Stiftung und Konzern eingeleitet. Hiesinger hat damit weiteren Spielraum für den nötigen Neuanfang. Er will ThyssenKrupp vom Stahlunternehmen weg stärker auf die sogenannten Technologiebereiche ausrichten – und vor allem das Geschäft mit Aufzügen und Rolltreppen, mit dem Bau großer Industrieanlagen und mit Autoteilen ausweiten.

Kein Spielraum für große Investitionen

Doch bislang sind ihm die Hände für große Investitionen gebunden. Dem Konzern fehlt wegen des zum Debakel gewordenen Baus neuer Stahlwerke in Übersee das Geld für wichtige Zukunftsausgaben. Die Anlagen in Brasilien und den USA haben sich zu einem Dauerproblem entwickelt. Eigentlich wollte Hiesinger sie schon im Mai verkauft haben. Doch die Verhandlungen stockten.

Der Chef musste einräumen, den Zeitbedarf speziell für den Verkauf der Problem-Hütte in Brasilien unterschätzt zu haben. Eine Trennung vom US-Werk ist nun gelungen, doch die Problem-Hütte in Brasilien bleibt dem Konzern erhalten. Zuletzt stand das Übersee-Stahlgeschäft nach milliardenhohen Abschreibungen noch mit einem Wert von 3,1 Milliarden Euro in den Büchern.

Derweil kämpft ThyssenKrupps Stahlsparte auch in Europa mit rapide gesunkenen Gewinnen. Insgesamt streicht der Konzern 2000 Stellen in diesem Bereich, weitere 3000 sollen in der gesamten Verwaltung wegfallen. Proteste der Belegschaft blieben bislang weitgehend aus.

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