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Vor 20 Jahren kam das Aus für die WAA

Vor 20 Jahren kam das Aus für die geplante WAA in Wackersdorf / Hörbuch mit Interviews

Gläubige am Franziskusmarterl auf dem WAA-Gelände.Foto: Archiv

Wie war das eigentlich damals am Bauzaun? Wer war für und wer war gegen die WAA? Eine neue Publikation arbeitet erstmals die Zeit zwischen 1981 und 1989 authentisch auf.

Von Luise Frank

Regensburg/Wackersdorf. Es ist schon erstaunlich: Da ereignet sich etwas von historischer Tragweite; eine ganze Region übt sich jahrelang in erbittertem Widerstand gegen die Staatsgewalt – und danach verschwindet ein Großereignis dieser Dimension sang- und klanglos in den Archiven. Eine echte Aufarbeitung der WAA-Zeit in der Oberpfalz mit den Beteiligten hat nie stattgefunden.

Das könnte sich jetzt ändern. Das Aus für die geplante Wiederaufbereitungsanlage in Wackersdorf jährt sich im April zum 20. Mal, und erstmals kommen Beteiligte jeder Couleur – Demonstranten, Anwohner, Journalisten, Künstler, Politiker, Polizisten – zu Wort. Die Schriftsteller Angela Kreuz und Dieter Lohr aus Regensburg haben zahlreiche Interviews geführt und daraus ein Hörbuch zusammengestellt – bewusst ohne Erzähler oder wertende Kommentare.

Die Aussagen sprechen für sich. Helmut Wilhelm, damals Richter in Amberg, sagt: „Wie die bayerische Regierung das Projekt durchzusetzen versucht hat, hat nicht immer rechtsstaatlichen Gedanken entsprochen.“ Monika Hohlmeier, Tochter des damaligen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß, ist der Meinung, das Ende der geplanten WAA sei „schade, weil wir unsere energiepolitische Verantwortung nach außen abgeschoben haben“. Die unversöhnlichen Gegensätze sind bis heute offensichtlich.

Das Abtauchen in diese bewegte Vergangenheit war für Angela Kreuz und Dieter Lohr, beide keine gebürtigen Oberpfälzer, eine spannende Aufgabe. Bis auf wenige Ausnahmen rannten sie mit ihren Anfragen offene Türen ein. In den meisten Gesprächen habe sie einen enormen Stolz verspürt, dass das Projekt verhindert werden konnte, erzählt Angela Kreuz. Nicht selten hätten die Berichte einen „Touch gehabt, wie wenn Leute von der Front oder vom Krieg erzählen“.

Während Regensburg recht geschlossen gegen die WAA gewesen sei, habe sie in der Region um Wackersdorf und Schwandorf selbst die größte Zerrissenheit festgestellt. „Der Bauzaun lief quer durch die Familien. Es gab auch viele Scheidungen, Risse und Wunden in den Familien.“

Alltäglich für die Oberpfälzer damals, erschütternd für Zuhörer von heute: die Berichte der Demonstrationen. Es gab viel Gewalt auf beiden Seiten, aber auch ganz viele Menschen, die friedlich protestierten. Zum Beispiel Gläubige, die am eigens errichteten Franziskus-Marterl beteten, oder Oberpfälzer, die die Demonstranten im Hüttendorf mit Essen und warmen Decken versorgten – bodenständige Leute, die im sicheren Bewusstsein handelten, das Richtige zu tun.

Wie zum Beispiel die Gärtnerin Sieglinde Sobottka aus Pfreimd, die sagt: „Ich hab’ keine Angst gehabt. Ich hab’ für meine Heimat gekämpft und für meine Enkel.“

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