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Freyung.

Wahl-Posse in Niederbayern

Bürgermeister von Freyung spitzelte mit fragwürdigen Methoden Gegenkandidat aus.

Von Ulf Vogler, dpa

Posse beim Kommunalwahlkampf im Bayerischen Wald: In Freyung hat der Bürgermeister, ein früherer Polizist, auf fragwürdige Weise Nachforschungen über seinen Herausforderer angestellt und so Schlagzeilen produziert. Nun muss sich der niederbayerische Rathauschef gegen den Vorwurf mancher Kritiker wehren, politische Konkurrenten mit „Stasi-Methoden“ zu bespitzeln.

Im Mittelpunkt der Diskussionen steht der 56 Jahre alte Bürgermeister Peter Kaspar, der am 2. März seine zweite Amtszeit anstrebt. Sein einziger Gegenkandidat ist der 28 Jahre alte CSU-Bewerber Olaf Heinrich. Der Bürgermeister sagt, dass er seine Recherche nur im Interesse der Freyunger gestartet habe, nachdem einige der gut 7000 Einwohner Zweifel am Lebenslauf Heinrichs geäußert hätten. „Das sah ich als meine Pflicht an“, verteidigt sich Kaspar. Der CSU-Mann lässt das jedoch nicht gelten: „Er wollte einen Weg finden, mich zu beschädigen“, schimpft Heinrich. In der Vergangenheit hatte Kaspar bei der bayerischen Polizei Karriere gemacht und war Inspektionsleiter in Freyung, ehe er 2002 als Bewerber einer örtlichen Wählergemeinschaft Bürgermeister wurde. Der Geograf Heinrich auf der anderen Seite hat erst vor wenigen Monaten seine Doktorarbeit abgegeben und möchte nun direkt von der Hochschule auf den Chefsessel im Rathaus der Kreisstadt wechseln. Heinrichs bisherige wissenschaftliche Arbeit war auch Auslöser für den Skandal.

Denn der Akademiker verweist auf seiner Internetseite und in Werbeschriften darauf, dass er seit 2006 an der Universität Augsburg einer Lehrtätigkeit nachgegangen sei. Kaspar wollte diesem biografischen Detail auf den Grund gehen und richtete offiziell als „Erster Bürgermeister“ eine schriftliche Anfrage an die schwäbische Hochschule, ob sein Konkurrent dort tatsächlich „als Dozent tätig ist und in welcher Fakultät er beschäftigt ist“. Die Uni-Leitung ließ Kaspar wissen, dass ihr keinerlei Informationen über Heinrich vorliegen. Der Bürgermeister solle die Angelegenheit doch direkt mit dem Jungforscher klären, riet das Büro des Universitätspräsidenten.

Doch der Bürgermeister gab das Schreiben der Hochschulleitung an Journalisten weiter und heizte so Gerüchte um einen angeblichen Dozenten-Schwindel des Mitbewerbers an. Herausforderer Heinrich konnte später allerdings nachweisen, dass er tatsächlich Lehrveranstaltungen der Hochschule mitverantwortet hat. Sein Doktorvater Prof. Franz Schaffer, der frühere Inhaber des Augsburger Lehrstuhls für Sozial- und Wirtschaftsgeografie, bestätigte dies.

Der Rathauschef bezeichnet die Geschichte als „Wahlkampfgeplänkel“ – räumt aber ein, dass ihn seine eigenwillige Aktion beim Urnengang Stimmen kosten könnte. Der Bürger könne ja dann entscheiden, ob sein Vorgehen richtig oder falsch gewesen sei. „Es ist meine Art, geradlinig zu sein“, sagt Kaspar. „Was ich mache, dazu stehe ich auch.“ Die Stasi-Vorwürfe gegen ihn seien aber überhaupt nicht in Ordnung: „Das ist weit unter der Gürtellinie“, klagt der Bürgermeister.

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