MyMz

Gesellschaft

Abenteurer lieben scharfes Essen

Amerikanische Wissenschaftler behaupten: Welche Geschmacksrichtungen wir lieben, sagt einiges über unsere Persönlichkeit aus.
Von Angelika Lensen

Gewürze beleben den Geschmack in unserem Essen. Der Mensch kann fünf Geschmacksrichtungen unterscheiden: süß, salzig, sauer, bitter und umami. Foto: George Dolgikh/Fotolia
Gewürze beleben den Geschmack in unserem Essen. Der Mensch kann fünf Geschmacksrichtungen unterscheiden: süß, salzig, sauer, bitter und umami. Foto: George Dolgikh/Fotolia

Regensburg.An Gaumen, Zunge und Kehldeckel besitzt jeder erwachsene Mensch etwa 2000 bis 5000 Geschmacksknospen. Ein Säugling verfügt sogar über etwa 10000 Geschmacksknospen. Der Mensch kann fünf Geschmacksrichtungen unterscheiden: süß, salzig, sauer, bitter und umami. Umami ist der sogenannte Fleischgeschmack und man weiß erst seit einiger Zeit, dass er proteinhaltige Nahrungsmittel charakterisiert. Es gibt seit 2011 Hinweise, dass wir einen sechsten Geschmackssinn für Fett besitzen, doch dies muss noch durch Forschungen bestätigt werden.

Jede Geschmacksrichtung reizt im Mund bestimmte Geschmacksrezeptoren. Doch Geschmack entsteht nicht alleine im Mund. Ein großer Teil unseres Geschmacksempfindens funktioniert nur im Zusammenspiel mit der Nase. Denn wir nehmen die Aromen in der Nahrung über Rachen und Nase auf. Dort reizen sie Riechrezeptoren und machen ein intensives Geschmackserlebnis möglich. Deshalb hat man beispielsweise bei einem Schnupfen mit verstopfter Nase auch deutlich weniger Geschmack. Die Zusammenarbeit von Geruch und Geschmack ist gestört. Eine Geschmacksrichtung aktiviert sogar das Schmerzsystem: Schärfe spricht nicht die Geschmacksknospen an, sondern sogenannte Nozizeptoren. Sie reagieren bei Verletzungen von Körpergewebe und lassen uns die Schärfe einer Chilischote ähnlich erfahren wie eine Verbrennung.

Geschmack sicherte unseren Vorfahren das Überleben

Die Vorlieben für bestimmte Geschmäcker sind teilweise angeboren und werden durch Lernprozesse im Laufe des Lebens ergänzt. Die Vorliebe für Süßes ist zum Beispiel genetisch verankert. Süße Nahrungsmittel weisen auf einen guten Energielieferanten durch Kohlenhydrate hin. Das war für unsere Vorfahren überlebenswichtig. Ebenso wichtig war die Warnung vor ungenießbaren und giftigen Nahrungsmitteln: Ein bitterer Geschmack signalisierte giftige Pflanzen. Für den Bittergeschmack stehen daher auch 25 Rezeptoren zur Verfügung, wohingegen für Süßes nur ein Rezeptor nachgewiesen werden konnte. Salziges benötigt der Mensch für die Regulierung seines Wasserhaushaltes, und Fett ist ebenso wie zuckerhaltige Kohlenhydrate ein ausgezeichneter Energielieferant. Gewisse Geschmacksvorlieben sorgten in der Evolution dafür, dass der Mensch als Jäger und Sammler auf die Suche nach Nahrung ging, die sein Überleben sicherte.

Unser Geschmack verändert sich im Laufe unseres Lebens. Ein Jugendlicher kann Geschmacksvarianten noch mit etwa 9000 Geschmacksknospen wahrnehmen. Die Senioren müssen dagegen mit 4000 auskommen. Das erklärt auch, warum alten Menschen zunehmend die Lust am Essen vergeht. Die Wahrnehmung des Geschmacks nimmt kontinuierlich ab und damit auch der Genuss.

In der Galerie – was der Geschmack über den Charakter verrät:

Was Geschmack über den Charakter verrät

Geschmack entwickelt sich schon im Mutterleib. Bereits in den ersten zehn Schwangerschaftswochen bilden sich beim Ungeborenen die ersten Geschmacksknospen. Über das Fruchtwasser kann der Embryo verschiedene Geschmacksrichtungen wahrnehmen. Über die Ernährung der Mutter werden zu diesem Zeitpunkt schon gewisse Vorlieben geprägt. Ein Neugeborenes kann süß, sauer und bitter unterscheiden, wobei Süßes bevorzugt wird, denn Muttermilch schmeckt durch den enthaltenen Milchzucker süßlich. Im Alter von vier Monaten kommt die Wahrnehmung für Salziges hinzu. Bis zum dritten Lebensjahr ist die Entwicklung der Geschmacksorgane und der dazugehörigen Nervenverbindungen so weit abgeschlossen, dass Geschmack in seiner ganzen Bandbreite registriert werden kann.

Durch Familie und Kultur beeinflusst

In den folgenden Jahren erfährt das Geschmacksempfinden aber noch viele Veränderungen durch tägliche Lernprozesse. Denn Geschmack wird durch familiäre und kulturelle Einflüsse auch erlernt. Dabei gilt: Was häufig gegessen wird, zählt meist irgendwann auch zu den bevorzugten Speisen. Auch wenn Kinder oft bestimmte Nahrungsmittel zunächst ablehnen, kann wiederholtes Probieren dazu führen, dass dieser Geschmack irgendwann gemocht wird. Denn Ernährungsvorlieben lassen sich lebenslang verändern und dem Faktor Gewohnheit fällt dabei eine entscheidende Rolle zu. Bleiben Sie als Eltern also beim Thema Obst und Gemüse hartnäckig: Auch ihre Kinder werden das irgendwann zu schätzen wissen.

Der Text ist eine Leseprobe aus der Sonntagszeitung, die die Mittelbayerische exklusiv für ePaper-Kunden auf den Markt gebracht hat. Ein Angebot für ein Testabo der Sonntagszeitung finden Sie in unserem Aboshop.

Aktuelles aus der Region und der Welt gibt es über WhatsApp direkt auf das Smartphone: www.mittelbayerische.de/whatsapp

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht