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Verkehr

Äffle und Pferdle oder das Sams?

In Stuttgart ist ein Kampf um kreative regionale Ampelmotive entbrannt. Auch in anderen Städten macht man sich Gedanken.
Von Khang Nguyen, dpa

Ein Vorschlag für eine regionale Verkehrsampel in Stuttgart mit den Motiven „Pferdle und Äffle“. Die Mitglieder des „Pferdle und Äffle“-Fanclubs wollen in Stuttgart Fußgängerampeln mit den regional bekannten Trickfiguren sehen. Foto: Klaus Winter/Fanclub „Pferdle und Äffle“/dpa
Ein Vorschlag für eine regionale Verkehrsampel in Stuttgart mit den Motiven „Pferdle und Äffle“. Die Mitglieder des „Pferdle und Äffle“-Fanclubs wollen in Stuttgart Fußgängerampeln mit den regional bekannten Trickfiguren sehen. Foto: Klaus Winter/Fanclub „Pferdle und Äffle“/dpa

Stuttgart.Wie genau die Symbole auf der Ampel aussehen sollen, ist Klaus Winter egal. Ob rot oder grün, ob Äffle oder Pferdle oben oder unten zu sehen sind – das spielt für den Vorstand des Pferdle-und-Äffle-Fanclubs keine Rolle. „Hauptsache die Pferdle-und-Äffle-Ampel kommt nach Stuttgart.“ Winter will mindestens eine Lichtanlage in Stuttgart individuell gestalten – mit den SWR-Kultfiguren Äffle und Pferdle anstelle der herkömmlichen Männchen. In anderen Städten ist man bei den individuellen Ampeln schon weiter.

Die Idee kam auf, als im vergangenen November eine Mainzelmännchen-Ampel in der Mainzer Innenstadt aufgestellt wurde. Winter fragte sich, warum das nicht auch in Stuttgart möglich sei - und startete eine Online-Petition. Bis zum Ende am vergangenen Sonntag fanden sich mehr als 12 000 Unterstützer, rund 7300 allein aus Stuttgart.

„Die Idee ist charmant, aber bei der Verkehrssicherheit hört der Spaß auf.“

Stadtsprecher Sven Matis

Trotz der Unterstützung stehen die Zeichen für eine Pferdle-und Äffle-Ampel auf Rot. Im Januar hatte der Referent von Ordnungsbürgermeister Martin Schairer (CDU), Hermann Karpf, mitgeteilt, dass die Motive rechtlich nicht zulässig seien. Ähnlich sieht das Stadtsprecher Sven Matis. „Die Idee ist charmant, aber bei der Verkehrssicherheit hört der Spaß auf.“ Die Verkehrsregelung müsse für alle auf den ersten Blick zu erkennen sein – und das sei beim Motiv von Äffle und Pferdle nicht der Fall.

Auch anderenorts engagieren sich Bürger und Städte für eigene Motive: In Bamberg forderten Bürger und die CSU-Fraktion im vergangenen November eine Sams-Fußgängerampel. Eine Lichtanlage in einer Fußgängerzone unweit des Drehorts der Kinderserie soll umdekoriert werden. Mit der Sams-Ampel wolle man den in Bamberg lebenden Autor des gleichnamigen Kinderbuchs, Paul Maar, zu seinem 80. Geburtstag in diesem Jahr gratulieren. Allerdings könne man die Ampel aufgrund von Richtlinien maximal ein Jahr lang umdekorieren.

Ampfelfrau setzt sich durch

Ähnlich sieht es in Augsburg aus: Die Redaktion eines lokalen Fernsehsenders schlug den Kasperl aus der Augsburger Puppenkiste als Motiv vor. Josef Weber, Leiter des Tiefbauamtes, steht der Idee offen gegenüber. „Wir würden die Signalanlage gerne langfristig in Betrieb nehmen“, sagte Weber. Die Bedenken der Stuttgarter Behörden im Falle von Äffle und Pferdle kann er allerdings nachvollziehen: „Eigentlich entsprechen solche Ampeln nicht den Richtlinien.“

In vielen Städten sind die Ampelzeichen weiblich. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
In vielen Städten sind die Ampelzeichen weiblich. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Die Ampelfrau hingegen scheint mit den Richtlinien für Lichtsignalanlagen übereinzustimmen. Vor allem im Osten Deutschlands ist das weibliche Pendant zur Standardfigur stark vertreten: Unter anderem findet man sie in Magdeburg, Leipzig, Zwickau, Fürstenwalde und Erfurt. Erfurt gilt als besonders kreativ: Zehn individuelle Motive zählt Frank Rupprecht, Abteilungsleiter für Verkehr bei der Stadt Erfurt.

Neben der Ampelfrau und dem Ost-Ampelmännchen sind auf den Lichtanlagen unter anderem ein Bäckergeselle, ein Mann mit Regenschirm, ein Wanderer und eine Figur mit Zuckertüte in der Hand abgebildet. Die Motive sind Überbleibsel aus der Zeit vor der Wende. „Damals ging manches, was heute nicht mehr möglich ist“, sagt Rupprecht.

Die erste Ampel mit Mainzel-Ampelmännchen ist im November 2016 in Betrieb gegangen. Foto: Andreas Arnold/dpa
Die erste Ampel mit Mainzel-Ampelmännchen ist im November 2016 in Betrieb gegangen. Foto: Andreas Arnold/dpa

In den kommenden Tagen will Winter die Petition für die noch ungewisse Pferdle und Äffle-Ampel an die Stadt übergeben. Er hofft, dass die Stadt die vielen Vorteile einsieht. So könne Stuttgart die beiden Maskottchen vermarkten und den Tourismus ankurbeln. Damit wären Winter zufolge die geschätzten Kosten von rund 500 Euro für eine Ampel schnell wieder drin.

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