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Gedenktag

Alle zehn Minuten stirbt ein Mädchen

Vergewaltigungen, Verstümmelungen, Totschlag: Der Weltmädchentag ruft Gewalttaten gegen junge Frauen ins Gedächtnis.

Mädchen in Niger, die sich freuen, eine Schule besuchen zu dürfen, halten kleine Tafeln, auf denen „11. Oktober“ geschrieben steht, in ihrem Klassenzimmer hoch. Der Weltmädchentag soll auf die Benachteiligung von Mädchen hinweisen.
Mädchen in Niger, die sich freuen, eine Schule besuchen zu dürfen, halten kleine Tafeln, auf denen „11. Oktober“ geschrieben steht, in ihrem Klassenzimmer hoch. Der Weltmädchentag soll auf die Benachteiligung von Mädchen hinweisen. Foto: dpa

Hannover.Vergewaltigung, sexueller Missbrauch oder Genitalverstümmelung: Statistisch gesehen stirbt alle zehn Minuten irgendwo auf der Welt ein Mädchen als Opfer von Gewalt. Darauf hat am Freitag die Stiftung Weltbevölkerung anlässlich des Internationalen Mädchentages am 11. Oktober hingewiesen. „Schätzungsweise 120 Millionen Mädchen weltweit haben sexuelle Gewalt erfahren“, erklärte Geschäftsführerin Renate Bähr und forderte: „Die Rechte von Mädchen dürfen nicht länger mit Füßen getreten werden.“ Viele Mädchen litten ihr Leben lang an den körperlichen und psychischen Folgen von Gewalt.

Ein Beispiel ist Südafrika, wo laut der gerade veröffentlichten Kriminalstatistik in den zwölf Monaten bis einschließlich April jeden Tag 49 Menschen Opfer von Mord oder Totschlag wurden. Während die Polizei Vergewaltigungen angesichts der extrem hohen Zahl von Fällen seit 2008 nicht mehr einzeln, sondern zusammen mit vielen anderen Sexualstraftaten aufführt, kommt die Zeitung „Sunday Times“ auf 118 pro Tag. Dabei ist die Dunkelziffer hoch: Nach Ansicht des Instituts für Sicherheitsstudien wird nur jede 13. Vergewaltigung angezeigt. Viele Täter kommen aus dem Umfeld des Opfers.

Rund um den Weltmädchentag

  • Ziel

    Der „Weltmädchentag“ („International Day of the Girl Child“) am 11. Oktober wurde von den Vereinten Nationen eingerichtet. Ziel des internationalen Aktionstages ist es, auf die Diskriminierung und Benachteiligung von Mädchen in aller Welt – insbesondere in den Entwicklungsländern – aufmerksam zu machen.

  • Geschlechterrollen

    Zwar haben Jungen und Mädchen in Deutschland auf dem Papier die gleichen Chancen, tradierte Stereotypen führen jedoch dazu, dass diese nach wie vor unterschiedlich genutzt werden. Seit den 70er Jahren beschäftigen sich Forscher mit Geschlechter und Geschlechterrollen. Diese meist interdisziplinär ausgerichteten Studien bezeichnet man als Gender Studies.

  • Gender-Mainstreaming

    Unter dem Begriff „Gender“ versteht man in Abgrenzung zum biologischen Geschlecht eine sozial beziehungsweise psychologisch konstruierte Geschlechterrolle. „Gender-Mainstreaming“ bezeichnet die Bestrebung, die verschiedenen Lebenssituationen von Frauen und Männern bei allen Entscheidungen auf allen gesellschaftlichen Ebenen zu berücksichtigen, um so eine Gleichstellung der Geschlechter zu erreichen.

  • Forschung

    Es unterscheidet sich daher von expliziter Frauenpolitik. Zu den renommiertesten Forschern im Bereich der Gender Studies zählen die Amerikanerin Judith Butler und die Französin Hélène Cicous.

Die Stiftung Weltbevölkerung fordert die Regierungen auf, rigoroser gegen Täter vorgehen, intensivere Gewaltprävention zu betreiben und auch schädliche Praktiken wie Genitalverstümmelung und Kinderehen abzuschaffen. Mädchen bräuchten zudem bessere Bildung und müssten über ihre Rechte aufgeklärt werden.

Der Internationale Mädchentag wurde erstmals 2012 von den Vereinten Nationen begangen, um auf die weltweite Benachteiligung von Mädchen hinzuweisen. (dpa)

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