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Musik

Andreas Gabalier bleibt sich treu

Auf seinem neuen Album vermischt der „Volks-Rock’n’Roller“ Country-Klänge aus Nashville, Poprock und Volksmusik.
Von Christiane Ludewig, dpa

 Andreas Gabalier ließ seine Fans drei Jahre auf sein fünftes Album warten. Foto: Felix Hörhager/dpa
Andreas Gabalier ließ seine Fans drei Jahre auf sein fünftes Album warten. Foto: Felix Hörhager/dpa

Wien.„Summertime in die 90er Joahr. Waast Du no wie scheen des woa?“ Nostalgisch beginnt das sechste Album „Vergiss mein nicht“ von Andreas Gabalier. Ein 33-Jähriger singt über die gute alte Zeit – wie passt das zusammen?

Mit „I sing a Liad für di“ wurde Andreas Gabalier 2010 bekannt. Auf der Bühne sieht man den Österreicher mit Elvis-Tolle auf dem Kopf und Lederhose. Seine Eigenkreation „Volks-Rock’n’Roll“ mischt Heimatlieder im steirischen Dialekt mit Poprock. „Daheim“ –das ist für Gabalier seine Geburtsstadt Graz mit Freunden und Familie. Ruhig war es in den drei Jahren seit der Veröffentlichung seines letzten Albums „Mountain Man“ nicht um den Musiker: eine „MTV Unplugged“-Tour, „Hulapalu“ wurde zwei Mal Wiesn-Hit, und Gabalier sang für die „Jim Knopf“-Neuverfilmung das „Lummerlandlied“ neu ein.

Die Herausforderung gemeistert

„Ich habe mir noch nie so viel Zeit für ein Album genommen“, sagt Gabalier. Es sei eine Herausforderung gewesen, nach fünf Alben etwas Neues zu schaffen. Produziert wurde teilweise in Nashville. „Einige Songs haben einfach nach Countryrock geschrien.“ Gabalier ist gerne in den USA.

„Ich mag diese Freundlichkeit –ob gespielt oder nicht. Die sind nicht so bockig wie hier.“

Andreas Gabalier

Musikalisch bleibt Gabalier seinem Stil auf dem neuen Album treu. Volksmusik trifft auf Poprock. Hemmungslos wechseln sich Streicher, E-Gitarre und Ziehharmoniker ab. Sprechgesang im steirischen Dialekt geht in englische Liedzeilen über. Bei so manchem Lied müssen die deutschen Fans sicher zwei Mal hinhören, um zu verstehen, dass „daham“ daheim bedeutet oder Franzl seiner Angebeteten etwas vorjodelt. „Mittlerweile verstehen mich die deutschen Fans besser, nachdem sie sich viel mit meiner Musik beschäftigt haben“, sagt Gabalier.

Lederhose und Elvistolle – so kennen Fans den 33-Jährigen auf der Bühne. Foto: Jens Niering/dpa
Lederhose und Elvistolle – so kennen Fans den 33-Jährigen auf der Bühne. Foto: Jens Niering/dpa

Der erste Song der neuen Platte heißt „Verdammt lang her“ und ist eine nostalgische Hommage an das unbeschwerte Leben, als man noch 16 war. Da fühlen sicher Viele mit. Die Liebeslieder sind mal langsam, mal schnell mit viel Funken, Licht und Sonnenschein („Ewig“). „Hinterm Horizont“ zeichnet ein sehr friedliches Bild vom Leben nach dem Tod, von einem ruhigen Ort, an dem man für das Leben belohnt wird. Mit dem Lied habe er den Tod seiner Oma verarbeitet, sagt Gabalier. Es sei nicht so traurig, positiver als „Amoi seg’ ma uns wieder“ von seinem ersten Album, in dem der Musiker von Vater und Schwester Abschied nahm.

Gabalier greift Politisches auf

Auch wenn Gabalier bei seinen Großeltern Volksmusik „inhaliert“ hat, sagt er: „Ich mach’ keinen Schlager.“ Gabaliers Musik ist neu, manche Aussage dagegen alt. So singt er, dass in einem christlichen Land ein Kreuz an die Wand gehöre („Kleine steile heile Welt“). Der Musiker sagt, dass er sicher auch ein bisschen konservativ sei, und fügt hinzu: „Ich muss es nicht jedem recht machen.“ Viele verstünden nicht, warum ein „junger Bub“ über so was wie Heimat singe. Aber der Erfolg gebe ihm Recht, die Fußballstadien seien voll.

Ein Grund für die gut besuchten Konzerte sei die Sehnsucht seiner Fans nach Begegnungen von Angesicht zu Angesicht in der heutigen vernetzten Welt, glaubt Gabalier. Auch er selbst zieht direkten Kontakt vor: „Got tsei Dank habe ich einen Freundeskreis, wo man sich noch trifft oder telefoniert, nicht so eine Scheinwelt auf Instagram.“

„Das ist die Intoleranz der anderen Seite, die Toleranz immer predigt, außer wenn jemand eine andere Meinung hat.“

Andreas Gabalier

Mit seiner Einstellung eckt Gabalier auch an. Zum Beispiel, wenn er die österreichische Nationalhymne in der alten Fassung nur mit Erwähnung der großen Söhne Österreichs – nicht der großen Töchter – singt. Zuletzt fühlte sich der Musiker durch den Chef des Wiener Konzerthauses, Matthias Naske, in die rechte Ecke gedrängt. Naske meinte in einem Interview, dass er Gabalier nicht in seinem Haus auftreten lassen würde, weil dies falsche Signale aussende. Gabalier reagierte mit einer Verleumdungsklage, die jedoch scheiterte. Rechts verortet zu werden, stört Gabalier: „Das ist die Intoleranz der anderen Seite, die Toleranz immer predigt, außer wenn jemand eine andere Meinung hat.“

Ein junger Mann aus der Steiermark mischt Volksmusik und Rock’n’Roll, singt von Heimat und der guten alten Zeit, macht etwas Neues auf der einen, ist konservativ auf der anderen Seite. Gabalier spielt dieses Kontrastprogramm ganz selbstverständlich auch auf seinem neuen Album und ist sehr zufrieden. Wonach er sich selbst sehnt? „Zurzeit nach nichts wirklich. Ich genieße eigentlich nur.“

Eine erste Hörprobe aus dem neuen Album hören Sie hier:

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