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ARD-Film „Käthe Kruse“: Kein Puppenleben

Viele Mädchen spielen mit Puppen, manche Jungs auch. Dabei wissen sie vermutlich oft gar nicht, wer sie gemacht hat.
Von Klaus Braeuer, dpa

Berlin.Stofftiere sind bei vielen Kindern sehr beliebt, und manche haben gar einen Knopf im Ohr und stammen von Margarete Steiff. Deren Leben ist bereits verfilmt worden (mit Heike Makatsch). Nun kommt ein Film über eine nicht minder bekannte Spielzeugfabrikantin ins Fernsehen: „Käthe Kruse“ ist an diesem Samstag (20.15 Uhr) in der ARD zu sehen.

Sie ist keine 18 Jahre, als Katharina Simon (Friederike Becht) am Berliner Lessing Theater mit beispiellosem Erfolg debütiert. Auf der Premierenfeier lernt die junge Schauspielerin den bekannten Bildhauer Max Kruse (Fritz Karl) kennen. Er ist fast 30 Jahre älter, sie bekommen drei Töchter und leben zunächst viele Jahre ohne Trauschein zusammen. Auch der junge Anwalt und Hobbyfotograf David (Franz Dinda) wirbt heftig um sie.

Um Ruhe zu finden, zieht Käthe für einige Zeit in die Künstlerkolonie Monte Verità im Tessin, am Lago Maggiore – wohin ihre Mutter Christiane (Ursula Strauss) sie begleitet und wo sie auch David wieder trifft. Doch schließlich taucht Max dort auf, und wenig später heiraten sie in Berlin und bekommen weitere fünf Kinder. Alsbald findet Käthe Gefallen am Basteln von Puppen und gründet ihre eigene Manufaktur, die sie später zu Weltruhm führen wird.

Käthe Kruse wollte ursprünglich Schauspielerin werden

Käthe Kruse (1883-1968) wurde in Breslau geboren und war die uneheliche Tochter der Näherin Christiane Simon, von der sie in großer Armut allein großgezogen worden ist. Die junge Frau wollte Schauspielerin werden und startete um 1900 eine Blitzkarriere. Zur selben Zeit lernte sie den Bildhauer Max Kruse (1854-1942) kennen, mit dem sie alsbald drei uneheliche Töchter hatte. Erst im Jahre 1909 fand die Hochzeit statt; insgesamt hatte das Paar drei Töchter und vier Söhne. Zwei davon starben im Zweiten Weltkrieg, ihr Mann starb im hohen Alter von 88 Jahren, ihr Sohn Max (heute 93) schrieb die Kinderbücher „Der Löwe ist los“ und „Urmel aus dem Eis“.

Durch ihren Mann kam Käthe Kruse auf das Puppenmachen und beendete ihre vielversprechende Schauspielkarriere. 1912 begann sie in Bad Kosen mit den handgefertigten Puppen, der Zeitgeist mit der Abkehr von Traditionen war günstig. Die kostbaren Puppen waren weich und schwer und besaßen entweder gemaltes Haar oder zu Perücken geknüpftes Echthaar, in manchen Fällen Mohair – vor allem aber einen natürlichen Gesichtsausdruck mit lebendiger Mimik. Eine Puppe war ja zum Liebhaben gedacht, und so sollte sie eben auch lieb aussehen. Später kamen zahlreiche Bekleidungsstücke, Accessoires und auch Schaufensterpuppen dazu; die Firma wurde 2013 von der Hape Holding AG übernommen.

Die Puppen von Käthe Kruse wurden weltberühmt. Für deren Produktion beendete Kruse sogar ihre Schauspielkarriere.
Die Puppen von Käthe Kruse wurden weltberühmt. Für deren Produktion beendete Kruse sogar ihre Schauspielkarriere. Foto: dpa

Becht verleiht Kruse einen zerbrechlichen Zauber

Friederike Becht (28) spielt gerade in dem Stück „Hexenjagd“ am Bochumer Schauspielhaus und ist bald in dem Kinofilm „Im Labyrinth des Schweigens“ zu sehen. Sie hat in TV-Filmen bereits die junge Hannah Arendt und auch die junge Cosima Wagner verkörpert. Der Figur der legendären Puppenmacherin verleiht sie einen zerbrechlichen Zauber, gepaart mit reichlich Überlebenswillen und einer fast überbordenden Lebensfreude, von der man nur hoffen kann, dass sie sie im wahren Leben auch gehabt hat.

Autorin Sharon von Wietersheim und Regisseurin Franziska Buch haben gut recherchiert und einen unterhaltsamen, aber doch eher konventionellen Film gedreht, der den Zuschauer nicht allzu sehr fordert und leider mit einer völlig unpassenden Musik überzogen ist. Natürlich ist vieles verkürzt und verdichtet – so hat es die Figur des David nie gegeben (Käthe Kruse war als reife Frau zweimal unglücklich in jüngere Männer verliebt). Man erfährt ein wenig über damalige Diskussionen über die freie Liebe, den Korsettzwang und politische Umtriebe; es gibt allenfalls ein paar Schlaglichter auf die bedrängten Nöte einer (erfolgreichen) Frau in der damaligen Zeit und den ersten Urheberrechtsprozess.

Dazu hätte man in einer nachfolgenden Dokumentation gerne mehr gesehen. So bleibt dem Zuschauer nichts anderes übrig, als selbst etwas über Käthe Kruse nachzulesen (zum Beispiel die Biografie von Gabriele Katz), und das lohnt sich wirklich. Denn ein Puppenleben hatte sie nun wahrlich nicht.

Die Biografie „Käthe Kruse“ läuft am 4. April um 20.15 Uhr in der ARD.

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