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Gesundheit

Attraktiv für sich und die anderen

Die Haare grau, im Gesicht Falten, die Augenlider Opfer der Schwerkraft: Im Alter gelten einfach neue Maßstäbe für Schönheit.
Von Caroline Mayer, dpa

Wie attraktiv eine Frau wirkt, ist nicht ausschließlich eine Frage des Alters.Foto: Giorgio Fochesato/Westend61/dpa-tmn
Wie attraktiv eine Frau wirkt, ist nicht ausschließlich eine Frage des Alters.Foto: Giorgio Fochesato/Westend61/dpa-tmn

Erlangen.Jung und schön. Alt und hässlich. Die Begriffspaare scheinen unzertrennlich zusammenzugehören. Denn für viele Menschen ist Schönheit und Jugend gleichbedeutend. „Man verwechselt gerne das eine mit dem anderen“, sagt Frieder Lang, Gerontopsychologe an der Universität Erlangen. Dabei sind unser Bild vom Alter und unsere Vorstellung von Schönheit eigentlich ganz unterschiedliche Dinge.

Das Vorurteil, dass mit zunehmendem Alter die Schönheit kontinuierlich abnimmt, trifft vor allem Frauen. „Während bei Frauen das Altern als hässlich wahrgenommen wird, gilt es bei Männern zunächst als attraktivitätsfördernd.“ Das sei durch zahlreiche Studien belegt, sagt Lang. „Double Standard of Aging“ – doppelte Bewertung des Alterns – nennen Forscher dieses Phänomen.

Die Maßstäbe verschieben sich

Der Psychologe widerspricht allerdings der These, dass dies für alle Frauen ein echtes Problem darstellt. Die meisten sehen das Älterwerden eher als Herausforderung. Sie merken, dass sich ab einem gewissen Alter die Maßstäbe verschieben. „Attraktivität wird nicht mehr an einem möglichst jugendlichen Aussehen gemessen, sondern an der Gepflegtheit der äußeren Erscheinung“, sagt Lang. Kosmetik, Stil und Pflege treten in den Vordergrund.

Viele Frauen, die in ihrer Jugend nicht dem gängigen Schönheitsideal entsprachen, erleben diese neuen Maßstäbe sogar als befreiend. „Wir wissen aus zahlreichen Studien: Wer mit 20 oder 30 mit dem eigenen Aussehen unzufrieden war, kann sich mit 50 oder 60 dann auf einmal doch sehr attraktiv fühlen“, erklärt der Psychologe. Stilberater, Frauenzeitschriften und Beauty-Blogs haben die Zielgruppe „50 plus“ für sich entdeckt. Sie werben für einen selbstbewussten Umgang mit dem Älterwerden.

50 ist micht mehr der Angstfaktor

„Die Zahl 50 ist nicht mehr der Angstfaktor, wie er das noch vor zehn Jahren war“, sagt die Stil-Expertin Martina Berg, die den Mode- und Lifestyle-Blog „Lady 50plus“ betreibt. Ältere Frauen sollten nicht das Ziel haben, mit ihren Töchtern die Kleidung zu tauschen, sie dürften ihre eigenen Stärken betonen. Die habe jeder – egal ob Kleidergröße 38 oder 48. „Auch bei Rundungen oder kurzen Beinen kann man mit dem richtigen Schnitt viel erreichen“, sagt Berg.

Martina Berg betreibt den Lifestyle-Blog „Lady 50plus“. Sie empfiehlt älteren Frauen mehr Mut zur Farbe. Foto: www.lady50plus.de/dpa-tmn
Martina Berg betreibt den Lifestyle-Blog „Lady 50plus“. Sie empfiehlt älteren Frauen mehr Mut zur Farbe. Foto: www.lady50plus.de/dpa-tmn

Bei der Kleidung empfiehlt die Stilberaterin ganz allgemein mehr Mut zur Farbe. Auch die Lippen können ein kräftigeres Rot vertragen. Grundsätzlich solle man beim Schminken im Alltag aber nicht übertreiben. „Weniger ist hier mehr. Auf Glitzer und Glamour sollte man verzichten.“ Berg rät zu Lippenstift, Wimperntusche und Rouge. Wer kein Make-up mag, kann auch mit Bräunungspuder ein wenig Farbe ins Gesicht bringen. Ganz wichtig für die Styleberaterin: sich nicht gehen lassen. Eine gewisse körperliche Fitness und natürlich Gesundheit seien wichtige Voraussetzungen.

Der Umgang mit den Falten

Doch auch mit der besten Pflege kann man keine Falten zum Verschwinden bringen. Manchen Frauen gelingt es, sie als Zeichen von Reife zu akzeptieren. Andere haben damit Schwierigkeiten. Wer sich sehr an den eigenen Falten stört, dem bietet die modernde Medizin Möglichkeiten. Schönheits-Operationen sind heute viel selbstverständlicher als früher. „Die allgemeine Akzeptanz in der Bevölkerung hat sich gewandelt“, sagt Riccardo Giunta, Chefarzt für Plastische Chirurgie am Klinikum der Universität München.

Wer schon ein bisschen länger auf der Welt ist, sollte das Beste aus sich herausholen und nicht irgendeinem Jugendideal hinterherrennen.Foto: dpa-tmn
Wer schon ein bisschen länger auf der Welt ist, sollte das Beste aus sich herausholen und nicht irgendeinem Jugendideal hinterherrennen.Foto: dpa-tmn

Selbstbewusstere Patienten

Die Patienten kämen inzwischen sehr selbstbewusst und aufgeklärt in die Sprechstunde. Der Vizepräsident des Bundesverbandes der Plastischen Chirurgen warnt allerdings vor unrealistischen Erwartungen: „Mit ästhetischen Operationen kann man Alterungserscheinungen abmildern und ein deutlich frischeres Aussehen erreichen.“ Aus einer 70-Jährigen werde so aber sicherlich keine 20-Jährige.

Da der Begriff „Schönheitschirurg“ in Deutschland im Gegensatz zum „Plastischen Chirurgen“ keine geschützte Berufsbezeichnung ist, rät Giunta dringend, sich die Qualifikationen des behandelnden Arztes vorher genau anzusehen. Einen seriösen Operateur erkenne man daran, dass er eine mehrjährige Weiterbildung absolviert habe, genau über Chancen und Risiken aufkläre und den Eingriff nicht verharmlose. Denn: Jede Vollnarkose birgt ein gewisses Risiko. Wenn Schnitte gemacht werden, können Gefäße und Nerven verletzt werden, es kann zu Narbenbildungen und Wundinfektionen kommen.

Auch wer sich lediglich Hyaluronsäure unterspritzen lässt, um einzelne Gesichtspartien ein wenig aufzupolstern, muss wissen: Der Effekt verschwindet nach sechs bis sieben Monaten, da der Körper die Substanz aufnimmt. „Und wenn man zu viel ausfüllt, entstehen unnatürliche Gesichter, die aufgeblasen wie ein Ballon aussehen“, erklärt Giunta. Es gelte, ein gutes Gleichgewicht zwischen Auffüllen und Straffen zu finden. Sein Credo: „Ein alter Mensch kann schön sein, auch wenn er viele Falten hat.“

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