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Samstag, 24. Februar 2018 2

Technik

Auto: Öfter warten heißt auch sparen

Öle werden hochwertiger, viele Bauteile funktionieren verschleißfreier – regelmäßiger Service ist daher unerlässlich.
Von Claudius Lüder, dpa

Auf Herz und Nieren prüfen: Die Checkliste für eine große Inspektion umfasst zwischen 30 und 40 Prüfpunkte. Foto: Inga Kjer/dpa

Mannheim.Ob neues oder altes Auto: Um regelmäßige Inspektionen kommt keines herum. Früher war die Kilometerleistung der Gradmesser. Heute melden fast alle Autos ihren Inspektionsbedarf selbstständig über eine Anzeige im Cockpit an. „Ein wartungsfreies Auto gibt es nicht, und die regelmäßige Kontrolle ist schon deshalb wichtig, um die Fahrzeugsicherheit zu gewährleisten“, sagt Dietmar Clysters vom Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK). Deutliche Unterschiede aber gebe es durchaus bei den Servicedurchsichten, was vor allem auf die Vorgaben der Autohersteller zurückzuführen sei.

„Üblicherweise wird zwischen kleiner und großer Inspektion unterschieden“, erklärt Herbert Engelmohr vom Automobilclub von Deutschland (AvD). Die kleine Inspektion beinhalte eine Grundprüfung der Betriebsstoffe Motoröl, Bremsflüssigkeit und Wasser.

Checklisten werden abgearbeitet

Unter Umständen erfolge auch ein Ölwechsel. Daneben werde auch nach dem Luftfilter und den Reifen geschaut. „In der ausführlichen Variante werden zusätzlich auch Achsen, Karosserie, Motor und Getriebe überprüft“, sagt Engelmohr. „Durch die Möglichkeiten der elektronischen On-Board-Diagnose sind die Unterscheidungen nicht mehr starr, gelten aber noch immer.“ Je nach Hersteller umfassen die Checklisten für eine große Inspektion zwischen 30 und 40 Punkten – von der Kontrolle des Scheibenwischerblatts über eine Überprüfung der Servolenkungsflüssigkeit bis zum Austausch des Innenraumfilters.

Bei der Inspektion greifen die Werkstätten auch auf elektronische Diagnosesysteme zurück. Foto: Markus Scholz/dpa

Wann ein Auto tatsächlich zum Service muss, geben die Autohersteller vor. „Die Empfehlungen der Autobauer unterscheiden sich je nach Modell und Motorisierung“, sagt Clysters. Bei einem Dieselfahrzeug beispielsweise müsse auch der Dieselpartikelfilter berücksichtigt werden. „Wird der nicht rechtzeitig gewechselt, kann das größere Folgeschäden nach sich ziehen“, erklärt Clysters. Generell rufen demnach die meisten Hersteller die Fahrzeuge nach 30 000 Kilometern oder einem Jahr in die Werkstatt – je nachdem, was zuerst eintrifft: „Jede zweite Inspektion ist dann eine große.“

Während sich die Serviceintervalle früher rein an der Laufleistung orientierten, richten sich die Inspektionen heute oft nach der tatsächlichen Abnutzung. Audi etwa hat den notwendigen Motorölwechsel von der eigentlichen Inspektion getrennt, wodurch es zwei getrennte Servicekanäle gibt. „Das Wechselintervall für Motoröl ist sehr flexibel, weil es stark vom Fahrprofil abhängt, das über die Motorelektronik erfasst wird“, erklärt Sprecher Josef Schloßmacher.

Kurzstrecken sind belastender

Wer beispielsweise viele Kurzstrecken unter Volllast fährt, werde schneller zum Service gerufen als ein Autofahrer, der die gleiche Kilometerleistung nur auf der Langstrecke bei mittlerer Geschwindigkeit zurücklegt. Bei der normalen Inspektion des Fahrzeugs hingegen orientiert sich auch Audi an der Kilometerleistung und gibt hier ein Intervall von 30 000 Kilometern vor. Andere Hersteller wie BMW, Honda, Ford und Mazda verfahren ähnlich, vor allem bei Dieselmodellen. Denn speziell bei den Selbstzündern ist die Abnutzung des Motorenöls laut ADAC sehr stark von den Betriebsbedingungen abhängig.

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Ist die Inspektion fällig, hat der Autofahrer erst einmal die freie Werkstattwahl. „Die Kosten werden sich bei einem kleinen Service zwischen 150 und 300 Euro bewegen und bei der großen Inspektion zwischen 450 und 800 Euro“, sagt Clysters. Die Preisunterschiede ergäben sich aus dem erforderlichen Umfang, den der Hersteller vorgibt. Daneben aber seien freie Werkstätten in der Regel etwas günstiger als die Markenwerkstätten: „Grundsätzlich sollte der Kunde am besten vorher fragen, was die Inspektion kostet und was alles gemacht werden soll.“

Alter des Autos spielt eine Rolle

Unterschiede gibt es bei der Inspektion auch je nach Alter des Fahrzeugs. „Bei älteren Fahrzeugen ohne On-Board-Diagnose ist der Aufwand höher. Diese Schnittstelle ist aber auch schon bei Autos vorhanden, die älter als zehn Jahre sind“, sagt Engelmohr. Insgesamt habe sich die Servicearbeit etwas verschoben. Während bei neuen Fahrzeugmodellen bei Inspektionsterminen auch Updates aufgespielt werden müssen, ist bei älteren Modellen eher auch noch mal das Auswechseln einer Glühlampe erforderlich.

Unter dem Strich sei der Aufwand einer Inspektion aber in den vergangenen zehn Jahren nicht geringer geworden, schätzt auch Schloßmacher. Die Komplexität des Gesamtsystems Automobil habe eher zugenommen.

„Wer sich nicht an die vom Hersteller vorgegebenen Intervalle hält, riskiert den Verlust der Garantie“

Dietmar Clysters, Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK)

Nicht empfehlenswert ist der gänzliche Verzicht auf Inspektionen. „Wer sich nicht an die vom Hersteller vorgegebenen Intervalle hält, riskiert den Verlust der Garantie“, warnt Clysters. Speziell bei Leasingfahrzeugen gebe es hier eine feste Kilometergrenze, die nicht überschritten werden darf. Daneben trage ein gut gefülltes Serviceheft aber auch zum Werterhalt des Autos bei: „Soll der Wagen irgendwann wieder verkauft werden, ist ein lückenloses Checkheft ein gutes Argument für einen höheren Preis.“

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