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Charakter

Beschwipst, aber nie blau: Ich bin Dein Gummibär!

Was macht ein Gummibär, wenn er seine Hülle verlässt? Angelika Sauerer sammelte sieben Beispiele, was bei ihm in die Tüte kommt und was nicht.

Süße Bärilyn: Johannes Cordes klebte aus Gummibärchen ein Kunstwerk.Foto: dpa

01Er tanzt und singt und wird im Internet berühmt

Über den Schirm hüpft ein giftgrünes Bärli. Seine Mimik ist beschränkt: Mund auf, Mund zu, breites Grinsen. Das Hopsen wirkt auch recht unbeholfen. Nur mit dem Hintern wackeln kann es gut. „Ich bin Dein Gummibär. Ich bin Dein kleiner, süßer, bunter, dicker Gummibär.“ Mehr Worte braucht’s nicht. Zum künstlichen Micky-Maus-Gesang stampft ein eintöniger Euro-House-Beat. Trotzdem – oder deswegen? – wurde die deutsche Version des Clips über 25 Millionen Mal angeklickt. Es kursieren zahlreiche Remixes und Coverversionen in anderen Sprachen. Vom Stapel gelassen haben den tanzenden Gummibär die zwei Produzenten Major Bad Moritz und Christian André Schneider 2006. Ihr gemeinsames Musikprojekt trägt auch diesen Namen. Immerhin haben sie dem Bärchen ein gelbes Höschen angezogen. So kann es sich sehen lassen.

02Gummibären lassen sich psychologisch erforschen

Sie sind schwerhörig, träumen nachts vom schwerelosen Flug durchs All und gehen schnell ein, wenn sie einsam und allein in einer Tüte verblieben sind. Das sind nur einige der bahnbrechenden Erkenntnisse aus der Gummibären-Forschung, die federführend am Institut für Psychologie der Universität Bonn betrieben wird. Tütenweise haben sich die bunten Bären dort einliefern lassen, um künftig das Beste aus ihrem kurzen Leben herauszuholen. Ein Seelendoktor hat des weiteren herausgefunden, dass rote Bären eingebildet sind, gelbe aufsässig, grüne schnell verbittert (weil sie immer als letzte in der Tüte vertrocknen), orangene friedlich und lieb. Inachtnehmen sollte man sich vor farblosen Gummibärchen. Die seien „entweder krank (alle kranken Gummibärchen verlieren ihre Farbe) oder sie geben in der Tüte politisch den Ton an. Wie auch unsere Politiker sind sie glasklar, durchsichtig und haben nichts zu verbergen.“ Jedenfalls tun sie so, als ob...

www.gummibaeren-forschung.de

03Wenn der Gummibär

Party macht

Es ist kein Geheimnis, dass Gummibärchen gerne feiern. Kein Kindergeburtstag und kaum eine Party kommt ohne sie aus. Sie sind ja auch ein gern gesehener Gast, vor allem, weil sie sich viel besser benehmen als Schokolade, die das Sofa verschmiert, oder Chips mit ihren fettigen Bröseln. Bei unseren österreichischen Nachbarn ist ein hochprozentigerer Party-Bär beliebt: Dort mischt man das „Gummibärli“ aus zwei Stamperl Wodka und drei Stamperl Energy Drink (Red Bull) zusammen und garniert es mit aufgespießen Gummibären (die armen...). Achtung: Das flüssige „Gummibärli“ macht schnell beschwipst!

04Für die Chemie opfert ein Gummibär sein Leben

Was tut man nicht alles, damit die Kinder klug werden! Der Gummibär lässt sich da nicht lumpen. Unter Einsatz seines Lebens unterstützt er Chemielehrer dabei, ihren Schülern Redox-Reaktionen zu veranschaulichen. Dazu wird – sehr verkürzt dargestellt – Kaliumchlorat im Reagenzglas geschmolzen und ein Gummibärchen hineingeworfen. Bei der Reaktion des Kaliumchlorats mit dem Gummibärchen wird die eiweißhaltige Gelatine zu Kohlenstoffdioxid und Wasser oxidiert. Bei der Verbrennung entstehen Gase – Kohlenstoffdioxid, Stickoxide und Wasserdampf. Diese lassen das Bärchen brummen und tanzen – bevor es letztlich den Geist aufgibt. Vorsicht: Der Versuch ist sehr feurig und explosiv und die Zutaten sind, bis aufs Gummibärchen, giftig. Er darf daher nur unter fachkundiger Aufsicht in einem Chemielabor durchgeführt werden.

05Gummibeeren für die Gummibärenbande

Was keiner weiß, ist, dass die Gummibären im Mittelalter in Höhlen unter der Erde lebten. Sie waren sehr weit entwickelt, die bösen Menschen aber verfolgten sie bis aufs Blut. Alle Bärchen wurden vernichtet. Alle? Nein! Ein paar haben sich verstecken können. Ihr großer Traum ist es, ihre Wurzeln ausfindig zu machen. Bei der Suche erleben sie Abenteuer und lernen sogar ein paar nette Menschen kennen. Übrigens: Die enorme Hüpfkunst der Gummibären rührt von einem Zaubertrank aus Gummibeeren her, der Kräfte verleiht. Dieses Geheimnis muss die Gummibärenbande unbedingt schützen... Die Abenteuer von Cubbi, Grammi und den anderen Bären sind Thema einer US-amerikanische Disney-Zeichentrickserie. Sie lief in Deutschland zum ersten Mal 1988.

06Der Gummibär in der Kunst: Bärilyn & Co.

Johannes Cordes klebt aus Gummibären Bilder. Weil er ein Pop-Art-Fan ist, wählte er als erstes Motiv Andy Warhols Porträt von Marilyn Monroe. „Bärilyn“ nannte er das Werk. Inzwischen gehen seine Bilder weg wie warme Semmeln. Die Gummibären stiegen damit aus der Welt der Süßigkeiten in die Welt der Kunst auf. Das haben sie geschickt angestellt: Als Cordes, der früher ein Rahmengeschäft in Nürnberg hatte, einmal einen Rahmen zu groß herstellte, war er erst mal frustriert. In diesem Moment präsentierten sich die Gummibärchen als Seelentröster. Sie lagen auf dem Tisch herum und im Rahmen verstreut – und das brachte Cordes auf die ziemlich gute Idee, sie dort aufzukleben...

07Blaubär kommt

nicht in die Tüte

Wenn Johannes Cordes ein blaues Bärchen für sein Bild braucht, wie zum Beispiel für Bärilyns Lidschatten, muss er es einfärben. Denn auf normalem Weg kommt kein blauer Bär in die Tüte. Eins ist klar: Gummibären sind Naturburschen und als solche lehnen sie künstliche Farbstoffe ab. Ein blaues Bärchen auf natürlichem Weg zu färben, wäre aber viel zu aufwendig und zu teuer.

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