mz_logo

Panorama
Dienstag, 21. August 2018 29° 3

Bewerbung im Netz: Dank Twitter zum „Tatort“?

  • Michael Jäger in Kommissar-Pose: Auch ein Fotoshooting gehört zu seiner Bewerbung. Den Münchner Fotografen hat er über Twitter kennengelernt (Foto: Mathias Vietmeier).
  • Michael Jäger in Kommissar-Pose: Auch ein Fotoshooting gehört zu seiner Bewerbung. Den Münchner Fotografen hat er über Twitter kennengelernt (Foto: Mathias Vietmeier).

Die meisten kennen ihn aus der ARD-Serie „Marienhof“, doch Michael Jäger hat einen ganz anderen Traum: Er will Tatort-Kommissar werden – und dafür mobilisiert er das ganze Internet. MZ-Redakteurin Christine Hegen sprach mit dem Schauspieler über seine „Bewerbung 2.0“.

Hegen: Der Hessische Rundfunk sucht einen neuen Ermittler für den Frankfurter „Tatort“. Du bist nicht der einzige, der öffentlich sagt, dass er den Job will. Den will zum Beispiel auch Cosma Shiva Hagen.

Jäger: Das kann sie gerne sagen.

Sie hat auch schon einen Wunschpartner, nämlich Jürgen Vogel.

Jäger: Aha. Na, auch das kann sie sagen.

Hast du auch schon einen Wunschpartner im Kopf?

Jäger: Ich glaube nicht, dass das geschickt ist, gleich paarweise anzutreten. Ich kämpfe erst einmal rein für mich.

Und Du kämpfst auf anderem Weg. Wieso schickst du nicht einfach eine Bewerbung an den HR?

Jäger: Mir war klar, dass sich alle deutschen Schauspieler zwischen 35 und 55 Jahren, die noch nicht Tatort-Kommissar sind, bewerben. Jeder packt Lebenslauf, Bilder und DVD in einen roten Umschlag, um aufzufallen. Der Schreibtisch beim HR ist also voll. Deswegen wollte ich das anders machen, nämlich übers Internet.

Du nennst das „Bewerbung 2.0“. Wie sieht das denn im Detail aus?

Jäger: Es gibt da meinen eigenen Blog, auf dem ich zu dem Thema schreibe. Dort sammle ich auch alle Empfehlungen von anderen, die mich unterstützen. Etliche Leute schreiben in ihren Blogs über mich und verlinken zu mir. Dann nutze ich Twitter, um mit Unterstützern zu reden oder neue Unterstützer zu finden. Es gibt außerdem Gruppen und Seiten bei sämtlichen Netzwerken – Facebook, Lokalisten, MeinVZ, MySpace und Wer-kennt-Wen.

Einer Deiner Fans hat beim Test-Portal ciao.de einen Testbericht über dich in der Rubrik „Tatort“ geschrieben.

Jäger: Ja, das ist spannend, auf was die Leute so alles kommen. In meiner Heimat, in der Pfalz, fahren auch Autos ’rum, auf deren Rückscheibe meine Internetadresse und ein Aufruf „Votet für Jäger“ kleben. In München hat jemand Zigaretten-Automaten und Laternen mit einem Aufruf beklebt. Zum Glück war ich da nicht in der Stadt und bin unverdächtig. Wieder andere haben sich einen Wettstreit geliefert und verschiedene Banner programmiert, die man auf Webseiten einbinden kann, um mich zu unterstützen.

Ist so eine Bewerbung im Netz nicht auch ein ziemliches Risiko?

Jäger: Klar. Das Netz ist schnelllebig und man kann nichts erzwingen. Was heute ein Hype ist, kann nächste Woche schon im Sande verlaufen. Bisher läuft es aber sehr gut. Seit dem Start der Aktion waren 80.000 Leute auf meiner Seite, ich hatte 170.000 Zugriffe.

Klingt nach Fulltime-Job.

Jäger: Ist es im Moment auch. Ich sitze ab acht Uhr vorm Rechner und arbeite bis Mitternacht. Ich schreibe, telefoniere, gebe Interviews, treffe mich mit Unterstützern. Mein Postfach ist permanent voll und ich versuche, alles möglichst schnell zu beantworten.

Was planst du als Nächstes?

Jäger: Alles kann ich da natürlich nicht verraten. Aber ich bin demnächst mit einer Kamera unterwegs und versuche, Schauspiel-Kollegen und Unterstützer vor die Linse zu kriegen, die mich empfehlen.

Schickst Du dem Hessischen Rundfunk irgendwann dann eine Liste, was alles im Netz gelaufen ist?

Jäger: Eigentlich ist das wirklich als Bewerbung 2.0 im Netz konzipiert. Es ist eine Aktion, die eine Reaktion herausfordert. Das klingt vielleicht vermessen und frech, aber irgendwann muss der HR ja mal was sagen – entweder „Glückwunsch, Herr Jäger, Sie sind der Neue“ oder „Netter Versuch, aber lassen Sie’s bitte leiben“. So lange ich nichts höre, mache ich weiter.

Nehmen wir mal an, Du kriegst den Job, ...

Jäger: Das hoffe ich.

... nehmen wir es mal an. Wie würdest Du deine Rolle gerne anlegen?

Jäger: Da wird oft der Schimanski-Vergleich genommen, auch wenn ich mir diesen großen Schuh nicht anziehen will. Aber ich finde, dass es wieder Zeit für einen echten Kerl ist, einen Typ mit Ecken und Kanten, auf gut Deutsch: ein charmantes Arschloch. Es muss nicht immer der analytische, intellektuelle Typ sein.

Die neueren Kommissare tragen im Film auch alle ein Päckchen private Probleme mit sich herum. Du auch?

Jäger: Der Tatort ist im Wechsel. Früher stand der Fall im Vordergrund. Heute gibt es auch immer noch die Umfeld-Geschichte des Ermittlers. Die könnte es natürlich auch bei mir geben: Ein paar Kilo zu viel, unrasiert, geschieden, viel Scheiße hinter sich, aber trotzdem die Zukunft vor sich.

Warum zieht Dich als Schauspieler ausgerechnet der „Tatort“ so an?

Jäger: Egal, was für einen Job ich mache, ich will immer die höchste Stufe erreichen. Für mich ist Tatort-Kommissar der höchste Reifegrad, den ich mir für den Moment und für mich vorstellen kann.

Vor zwei Jahren hast Du in einem Interview gesagt, dass Du erst noch Dein Soap-Darsteller-Image ablegen müsstest, um Deinem Ziel näher zu kommen.

Jäger: Es wäre falsch, eine Soap als Makel zu betrachten. Ich verdanke ihr einen Teil meiner Popularität. Fakt ist, dass man damit einfach mehr Geld verdient als mit Theaterspielen. Außerdem muss man in kurzer Zeit eine recht gute Leistung abliefern. Es wird ja jeden Tag eine ganze Folge gedreht. Soap-Darsteller sind deswegen an jedem anderen Set total entspannt, weil man dort für alles viel mehr Zeit hat.

Und was, wenn es am Ende nicht klappt mit Deiner „Bewerbung 2.0“?

Jäger: Daran will ich im Moment echt nicht denken. Ich will Tatort-Kommissar werden. Punkt.

Mehr zum Thema:

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht