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Bitte keine Kinder – dem Klima zuliebe

Verena Brunschweiger, Lehrerin am AAG Regensburg, rät zum Verzicht auf Nachwuchs – und entfacht eine heftige Debatte.
Von Marianne Sperb und dpa

Die Regensburger Autorin Verena Brunschweiger empfiehlt, auf Kinder zu verzichten. Foto: Juliane zitzlsperger/Büchner-Verlag
Die Regensburger Autorin Verena Brunschweiger empfiehlt, auf Kinder zu verzichten. Foto: Juliane zitzlsperger/Büchner-Verlag

Regensburg.„Ich hätt’ mir die Reaktionen nicht so krass gedacht“: Verena Brunschweiger hat mit ihrem Buch „Kinderfrei statt kinderlos“ (Büchner-Verlag) eine heftige Debatte entfacht. Bild, Focus, RTL, SWR – die Redaktionen rennen ihr sozusagen die Tür ein, seit am 6. März ihr Manifest erschienen ist. Die Lehrerin am Albrecht-Altdorfer-Gymnasium empfiehlt, auf Kinder zu verzichten – nicht nur, aber vor allem dem Klima zuliebe.

„Ein Kind ist eine ungeheuer große Belastung für das Klima“, sagt die 38-Jährige unserem Medienhaus. „Jedes eingesparte Kind spart pro Jahr 58 Tonnen CO2“, zitiert sie eine kanadische Studie – viel mehr als Recycling (0,2 Tonnen im Jahr) oder der Verzicht aufs Auto (1,4 Tonnen im Jahr). In Deutschland könnte der Verzicht auf Nachwuchs besonders kräftig auf die Öko-Bilanz durchschlagen: „Ein Kind in Deutschland verbraucht so viele Ressourcen wie 30 Kinder in Afrika.“

Die Kritiker entlarvten sich selbst als Menschen, „die nicht mitdenken und denen die Umwelt egal ist“.

Verena Brunschweiger

Aber auch philosophische Gründe führt die Autorin laut dpa an. In der SWR-Sendung „Nachtcafé“ sagte sie, sie vertrete die Sichtweise: „Wenn wir jemanden zur Welt bringen, dann fügen wir ihm immer Leid zu. Insofern ist es das beste für mein Kind, wenn ich es nicht bekomme.“

Einen „Zero Macho“ zur Seite

  • Bücher:

    In „Kinderfrei statt kinderlos – ein Manifest“ (Büchner, 2019) wirbt Verena Brunschweiger für den Verzicht auf Nachwuchs. In „Fuck Porn! Wider die Pornografisierung des Alltags“ (Tectum, 2013) schildert sie „die chronischen Skandale einer noch immer frauenfeindlichen Gesellschaft“.

  • Autorin:

    Verena Brunschweiger ist eine radikale Feministin. Sie studierte Germanistik, Anglistik und Philosophie/Ethik und promovierte 2007 in der Mittelalterforschung. 15 Jahre engagierte sie sich in der SPD, unter anderem als stellvertretende Vorsitzende des Stadtverbands Landshut. Wegen der Haltung im Prostituiertenschutzgesetz, trat sie aus der SPD aus.

  • Schönheit:

    Schimmernder Teint, voller Mund: Verena Brunschweiger ist eine schöne Frau, und sie hat auch nichts gegen ein Kompliment. „Im Gegenteil: das freut mich!“ Zu Radikal-Feministinnen, die in der MeToo-Debatte forderten, Frauen sollten aufhören, sich zu schminken, und anfangen, formlose Kleider anziehen, geht die 38-Jährige auf Distanz. „Frauen dürfen tragen, was sie wollen. Es ist Aufgabe der Herren, sich richtig zu verhalten.“

  • Mann:

    Die Feministin hat einen Feministen an ihrer Seite. Sie ist – „glücklich kinderfrei!“ – verheiratet mit Jörg Brunschweiger, der als Gymnasiallehrer in Kelheim Mathe, Physik und Ethik unterrichtet. Als Mitglied von „Zero Macho“, einer in Frankreich wurzelnden Bewegung, macht er sich stark gegen Prostitution und für Menschenrechte. Er war Landesvorsitzender von „Die Violetten“ in Bayern und trat für die Partei bei den Landtagswahlen 2008 als Direktkandidat an.

  • Eltern:

    Rückhalt geben Verena Brunschweiger auch die Eltern. „Meine Mutter – sie ist vor einigen Jahren gestorben – war Feministin. Das war super. Sonst hätte ich mir manche Dinge vielleicht bieten lassen. Aber sie hat mich immer ermutigt, meine Meinung zu sagen.“ Und der Vater findet das Manifest für Kinderfreiheit cool, schildert die Autorin, und lacht: „Er sagt, er wollte eigentlich auch keine Kinder. Blöderweise hat er das aber als Student kurzfristig aus den Augen verloren.“

Die überzeugte Nicht-Mutter bekommt heftige Reaktionen. Ein Nutzer in den sozialen Netzwerken schreibt etwa, es sei beruhigend, dass sie sich gegen Kinder entschieden habe. „Menschen wie sie sollten sich nicht vermehren.“ Andere nehmen die Lehrerin in Schutz: Frauen sein nicht nur da, um Mütter zu sein. Heinz-Peter Meidinger, Vorsitzender des Deutschen Lehrerverbandes, zeigt sich bei Bild „entsetzt über die Aussagen der Herzlos-Lehrerin“.

In den sozialen Netzwerken brodelt ein Shitstorm. „Das ist mir völlig wumpe“, kommentiert die Regensburgerin. Die Kritiker entlarvten sich selbst als Menschen, „die nicht mitdenken und denen die Umwelt egal ist“. In anderen Ländern sei die Debatte schon viel weiter.

Ausschnitt vom Cover des Buchs „Kinderfrei statt kinderlos – ein Manifest“ von Verena Brunschweiger. Die Autorin hat mit ihrer Haltung zu einem bewussten Leben ohne Kinder – etwa aus ökologischen Gründen – eine heftige Debatte entfacht. Foto: -/Büchner-Verlag/dpa
Ausschnitt vom Cover des Buchs „Kinderfrei statt kinderlos – ein Manifest“ von Verena Brunschweiger. Die Autorin hat mit ihrer Haltung zu einem bewussten Leben ohne Kinder – etwa aus ökologischen Gründen – eine heftige Debatte entfacht. Foto: -/Büchner-Verlag/dpa

Die promovierte Pädagogin – sie unterrichtet Deutsch, Englisch und Ethik – betont: „Ich mag meine Schüler. Ich unterrichte auch ein paar tolle Mädels, die ich gern unterstützen möchte.“ Aber sie sei gegen Nachwuchs ohne Rücksicht auf die Folgen für die Umwelt. „Und ich möchte auf Kinder verzichten können, ohne dafür gedisst zu werden.“ Im übrigen trete sie nur für weniger Nachwuchs ein, und nicht dafür, vollständig auf Fortpflanzung zu verzichten, wie es etwa die Bewegung Voluntary Human Extinction Movement tun, die sich für das freiwillige Aussterben der Menschheit stark macht.

Verena Brunschweigers Familie teilt ihre Haltung. „Mein Mann ist auch Feminist. Er hat die Entscheidung über Kinder mir überlassen und sagt, er ist ganz glücklich so.“ Ihr Vater finde ihre Haltung cool.

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