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Blutiger Mai: „Tatort“ wiederholt sich

Gefühlt gibt es fast keinen Tag, an dem kein „Tatort“ im TV läuft. Jetzt gibt es einen Rekordtag in Sachen Wiederholungen.
Von Gregor Tholl, dpa

  • Götz George in seiner Rolle als „Tatort“-Kommissar Schimanski bei Dreharbeiten im Hafen. Foto: Martin Athenstädt/dpa
  • Der „Tatort“-Experte Francois Werner steht in seiner Wohnung vor einem Plakat mit der Aufschrift „Tatort“. Foto: Uwe Anspach/dpa

Berlin. Das gab es noch nie, sagt ein Mann, der sich auskennt: Am Dienstag, den1. Mai, laufen im deutschen Fernsehen an einem einzigen Tag erstmals acht „Tatort“-Wiederholungen. Tage mit sieben Wiederholungen habe es schon mehrmals gegeben, sagt François Werner von der akribischen Experten-Seite „Tatort-Fundus“. Mit acht Wiederholungen an einem Abend - alle übrigens in Dritten Programmen - sei der diesjährige Maifeiertag bislang aber einzigartig.

Was vor allem für die Fülle sorgt: Im Fernsehen des Bayerischen Rundfunks (BR) laufen drei alte Folgen aus den 70er Jahren mit Gustl Bayrhammer als „Oberinspektor Veigl“, dem Ermittler mit dem Dackel. Anlass ist Bayrhammers 25. Todestag, der am 24. April war, sowie das thematische Programm „Bayern feiern Dialekt“.

Am Rekordtag - mancher mag vielleicht spöttisch von einem Höhepunkt der „Wiederholeritis“ bei der ARD sprechen - gibt es also nicht irgendwelche Krimis, sondern für Fans einen interessanten Querschnitt durch die bald 48-jährige „Tatort“-Geschichte. „An diesem Abend sind Filme aus allen Jahrzehnten zu sehen - außer aus den 90ern“, sagt François Werner. Neben den Veigl-Folgen beim BR werden etwa beim WDR der alte Haudegen Schimanski und im NDR-Fernsehen die beliebtesten Ermittler aus Münster gezeigt.

Gustl Bayrhammer als „Oberinspektor Veigl“ im Tatort-Krimi „Der Sturz“ Foto: Klaus Franke/dpa-Zentralbild

Die Zuschauer lieben die Kommissare

Vom Westdeutschen Rundfunk (WDR), bei dem auch der ARD-“Tatort“-Koordinator angesiedelt ist, heißt es ganz allgemein zum Thema Wiederholungen: Der „Tatort“ werde bekanntlich überdurchschnittlich gern gesehen. „Gerade jüngere Zuschauer sehen gerne ältere „Tatorte“, auch unter dem Aspekt der damaligen Mode, Haarschnitte, Autos.“ In der Regel seien jedoch Sonntagskrimis der letzten drei Jahre als Wiederholung fürs Publikum attraktiver als ältere.

Bei den Zuschauerinnen und Zuschauern gebe es außerdem deutliche regionale Präferenzen, so dass die Dritten stärker „ihre eigenen“ TV-Kommissare ins Programm nehmen. „Andererseits gibt es Ermittler, zum Beispiel die aus Münster, die republikweit überdurchschnittlich beliebt sind, was sich auch bei den Wiederholungen niederschlägt.“

Eine Rolle bei den Ausstrahlungen spielt natürlich auch das Geld, also die Wiederholungshonorare. Das ist eine Rechtefrage und recht kompliziert. Die Krimis werden nach verschiedenen Konditionen gedreht und bezahlt. Manche entstehen sogar nach dem sogenannten Buy-out-Verfahren („Ausverkauf“), das heißt, es werden pauschale Honorare bezahlt und die Macher veräußern alle Rechte am Werk, was solche Wiederholungen billiger macht als andere.

Im Schnitt kostet ein „Tatort“ heutzutage nach ARD-Angaben zwischen 1,5 und 1,7 Millionen Euro.

Götz George in seiner Rolle als „Tatort“-Kommissar Schimanski bei Dreharbeiten im Hafen. Foto: Martin Athenstädt/dpa

500 Mal pro Jahr wiederholt

Laut „Tatort-Fundus“ gibt es Tage mit bis zu drei Wiederholungen erst seit Mitte der 90er, mehr als vier Wiederholungen gab es erst ab 2005: „Man muss sich dabei vergegenwärtigen, dass es - seitdem auch die Dritten Vollprogramme sind - mehr Programmplätze gibt als in den 70er und 80er Jahren.“ In den vergangenen Jahren zählten die Experten von „Tatort-Fundus“ jeweils fast 500 Wiederholungen pro Jahr in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Um die Statistiken einordnen zu können, ist eine Erklärung der Fundus-Zählweise nötig: Gezählt werden nur sogenannte echte Wiederholungen, wie Experte Werner betont. Wiederhole ein Sender die identische Folge in kurzem Abstand nach der ersten Wiederholung - werde sie nicht noch einmal gezählt, sondern nur ein einziges Mal. Auch die Wiederholungen am Sonntagabend im ARD-Sender One (früher Einsfestival) direkt nach der Ausstrahlung eines neuen „Tatorts“ im Ersten werden nicht als „echte“ Wiederholung gezählt. Nach dieser Zählweise ist übrigens die deutsch-deutsche Folge „Unter Brüdern“ von 1990 die am häufigsten wiederholte. 35 Mal habe sie bis jetzt als Wiederholung im Fernsehprogramm gestanden. Hinter dieser Koproduktion von BRD-“Tatort“ und DDR-“Polizeiruf 110“ mit Götz George als Schimanski und Peter Borgelt als Kriminalhauptkommissar Fuchs liegt der „Tatort“-Klassiker „Reifezeugnis“ von 1977 mit 32 Sendeterminen. Dann folgt die österreichische Folge „Passion“ von 1999 mit 28 Wiederholungen.

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