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Kultur

Bulle von Tölz streift nun durch Passau

Kabarettist Ottfried Fischer feiert seinen 65. Geburtstag. Mit dem Umzug nach Niederbayern krempelt er sein Leben um.
Von Ute Wessels

Ottfried Fischer arbeitet aktuell an einem neuen Buch. Foto: Armin Weigel/dpa
Ottfried Fischer arbeitet aktuell an einem neuen Buch. Foto: Armin Weigel/dpa

Passau.Ottfried Fischer hat viel vor: Der Kabarettist schreibt an einem neuen Buch, plant eine Talkreihe und schließt auch schauspielerische Auftritte nicht aus. Vor allem aber versucht er, nach seiner lebensbedrohlichen Blutvergiftung im vergangenen Jahr wieder auf die Beine zu kommen. Von München ist Fischer nach Passau umgezogen. Dort hat er das Stadthaus seiner Großeltern geerbt. Am Mittwoch wird der „Bulle von Tölz“ 65 – und flüchtet in den Urlaub an einen geheimen Ort, wie seine Lebensgefährtin Simone Brandlmeier verriet.

Eine Sammlung an Kurzgeschichten

Ein Oktobertag in Passau: Ottfried Fischer sitzt in seinem Arbeitszimmer am Schreibtisch. Durch die Fenster geht der Blick über den Inn. Auf dem Computerbildschirm hat er das Manuskript zu seinem neuen Buch, gerade ist der Lektor zu Besuch. Es soll eine Sammlung an Kurzgeschichten werden, „die Ansichten, Einsichten und Begebenheiten dieser Gegend teilweise in humoristischer, teilweise in philosophischer Attitüde zeigen“. Es herrscht Baustellenlärm. Fischer lässt das jahrhundertealte Haus sanieren, auch ein rollstuhltauglicher Lift musste eingebaut werden. Mehrere Wohnungen hat er an Studenten vermietet. Im Erdgeschoss lässt er sein Hochwassermuseum umbauen und einen Veranstaltungsraum einrichten. Hier will der Kabarettist eine Talkreihe etablieren. „Stammtisch-Gespräche mit Menschen, die etwas zu sagen haben.“

Zahlreiche Auszeichnungen

  • Karriere:

    Seine TV-Karriere startete Fischer, der im Bayerischen Wald aufwuchs, in den 80er Jahren. Franz Xaver Bogner engagierte ihn für die Serien „Irgendwie und Sowieso“ und „Zur Freiheit“. „Der Bulle von Tölz“ machte ihn bundesweit bekannt.

  • Ehrungen:

    Fischer wurde mit Goldener Romy, Bayerischem Kabarettpreis, dem Orden wider den tierischen Ernst und dem Deutschen Comedypreis geehrt. Hape Kerkeling unterstrich damals in seiner Laudatio, dass Fischer viele Künstler gefördert habe.

2008 hatte der Kabarettist seine „Parkinson“-Erkrankung öffentlich gemacht. Den Humor hat er sich nicht nehmen lassen. Ansonsten veränderte die Krankheit so einiges in Fischers Leben. 2009 musste er sich nach dem Tod seiner Filmmutter Ruth Drexel von seiner Paraderolle als „Bulle von Tölz“ verabschieden. Im November 2012 moderierte er letztmals seine Kult-Kabarettsendung „Ottis Schlachthof“, knapp ein Jahr später war es auch mit dem „Pfarrer Braun“ vorbei. 2017 sagte er in einem Interview, keine Rollen mehr angeboten zu bekommen.

Rückkehr ins Filmgeschäft?

Ausschließen will er nicht, noch einmal vor der Filmkamera zu stehen. Jedoch: „Das ist auch etwas, was ich festgestellt habe: Wenn so eine persönliche Ära erstmal vorbei ist, dann ist sie vorbei.“ Sein Highlight? „Irgendwie und Sowieso“. Das sei auch die Serie, auf die er am häufigsten angesprochen werde. Die Leute sagten ihm oft ganze Dialoge vor. „Der Sir Quickly taugt schon für eine kleine Unsterblichkeit.“

Erfolg und Prominenz brachten für Fischer auch private Schlagzeilen mit sich. Die Trennung von seiner Frau, mit der er zwei Töchter hat, beschäftigte die Klatschmedien genauso wie der Rechtsstreit um ein Sex-Video. Mit dem Wegzug aus München hat für Fischer ein neues Kapitel begonnen. Er selber ist auch froh, in Passau zu sein. Das sei eine gute Möglichkeit, sich nicht totzuarbeiten.

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