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Maßnahme

Coronavirus: China schottet Wuhan ab

Es ist eine beispiellose Aktion: China riegelt die Metropole und andere Städte ab. Auch bayerische Firmen sitzen fest.
Von Andreas Landwehr

Eine Frau telefoniert während paramilitärische Polizei an einem Eingang des geschlossenen Bahnhofs Hankou in Wuhan steht. Die chinesische Regierung hat die besonders schwer von der durch den Coronavirus ausgelösten neuen Lungenkrankheit betroffene Millionenmetropole Wuhan praktisch abgeriegelt. Foto: Thepaper/AP/dpa
Eine Frau telefoniert während paramilitärische Polizei an einem Eingang des geschlossenen Bahnhofs Hankou in Wuhan steht. Die chinesische Regierung hat die besonders schwer von der durch den Coronavirus ausgelösten neuen Lungenkrankheit betroffene Millionenmetropole Wuhan praktisch abgeriegelt. Foto: Thepaper/AP/dpa

Peking.Im Kampf gegen die neue Lungenkrankheit riegelt die chinesische Regierung besonders stark betroffene Großstädte ab. In der Elf-Millionen-Metropole Wuhan wurden schon am Donnerstagmorgen (Ortszeit) Flüge, Zügen, Fähren, Fernbusse und der öffentliche Nahverkehr gestoppt, die Ausfallstraßen wurden nach und nach gesperrt. Zudem sollen in der Öffentlichkeit Schutzmasken getragen werden – bei Nichteinhaltung drohen Strafen. Rasch waren Straßen, Märkte und Einkaufszentren wie leergefegt. Etliche Besucher konnten die Stadt vorerst nicht mehr verlassen.

Stunden später folgten Beschränkungen für zwei weitere Millionenstädte: In der 75 Kilometer östlich gelegenen 7-Millionen-Stadt Huanggang sollte der öffentliche Verkehr von Mitternacht an gestoppt werden, Menschen sollen die Stadt nicht mehr verlassen, wie die Stadtregierung mitteilte. Ähnliche Restriktionen gelten für die benachbarte Stadt Ezhou mit einer Million und für die Stadt Chibi mit einer halben Million Einwohnern. Alle Städte liegen in der Provinz Hubei.

Medizin

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Beschränkung gilt für rund 20 Millionen Menschen – und vier bayerische Unternehmen

Zusammen mit den Bewohnern der bereits abgeriegelten Metropole Wuhan gelten die Beschränkungen damit für rund 20 Millionen Menschen. Die Abschottung ist eine beispiellose Maßnahme. „Das ist einmalig in der neueren Geschichte, sagte Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM). Auch der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist nach Angaben eines Sprechers kein vergleichbarer Fall bekannt.

In der wegen des Coronavirus abgeriegelten chinesischen Millionenmetropole Wuhan sind auch mehrere bayerische Unternehmen vertreten: Siemens, die Autozulieferer Webasto, Brose und Schaeffler listet die Außenhandelskammer auf.

Produktion läuft ganz normal weiter

Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte erst vor fünf Monaten in Wuhan die Erweiterung des Webasto-Werks eröffnet – 500 Mitarbeiter bauen dort Autodächer und Elektro-Ladestationen. Eine Firmensprecherin sagte am Donnerstag: „Derzeit produzieren wir weiter wie bisher.“ Das Unternehmen halte sich an die Vorgaben der chinesischen Regierung und die Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts. Einen direkten Austausch mit anderen deutschen Firmen gebe es nicht. Der Kontakt zum Werk erfolge über Telefon und Videokonferenzen.

Siemens hat in Wuhan nach Aussage einer Sprecherin einen kleineren Standort. Die Maßnahmen der Regierung hätten deshalb keine größeren Auswirkungen für den Konzern. „Wir verfolgen die Entwicklung des Coronavirus aufmerksam und sind im Austausch mit den chinesischen Behörden“, sagte sie. „Zudem haben wir auch selbst eine Reihe von Maßnahmen zum Schutz der Gesundheit unserer Mitarbeiter ergriffen.“ Details zur Art der Maßnahmen und der Zahl der Mitarbeiter in Wuhan nannte sie nicht.

Schon mindestens 620 Menschen haben sich angesteckt

Die Region ist von dem auch schon in anderen Teilen Chinas und einigen Ländern wie Thailand und den USA nachgewiesenen neuen Coronavirus besonders stark betroffen. In Europa ist bisher kein Fall bekannt. Über die Abriegelung habe China ohne Rücksprache mit der WHO entschieden, hieß es von der Sonderorganisation der Vereinten Nationen mit Sitz in Genf. Die Aktion sei zu begrüßen, sagte WHO-Direktor Tedros Adhanom Ghebreyesus. Massenansammlungen seien ein Risikofaktor für die Verbreitung.

Bis Donnerstag wurde das Virus in China bei mindestens 620 Menschen nachgewiesen, wie das chinesische Staatsfernsehen berichtete. Dazu zählten rund 100 schwere Fälle, alle in der Provinz Hubei mit der besonders betroffenen Metropole Wuhan. Nachweisliche Todesursache war das Virus bisher bei 17 Menschen – zumeist ältere mit Vorerkrankungen.

Die WHO hat auch am Donnerstag keine „gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite“ ausgerufen. Der Expertenrat sah dazu keinen Anlass. Mit einer offiziellen „Notlage“ wären weitere konkrete Empfehlungen an Staaten verbunden, um die Ausbreitung über Grenzen hinweg möglichst einzudämmen. Zu solchen Empfehlungen kann beispielsweise gehören, dass Reisende auf Krankheitssymptome geprüft werden, und dass medizinisches Personal besser geschützt wird.

Mit der Reisewelle zum chinesischen Neujahrsfest am kommenden Samstag wächst die Gefahr einer Ausbreitung der Viruskrankheit. Bei der größten jährlichen Reisewelle des Landes sind einige Hundert Millionen Chinesen unterwegs. In Peking wurde aus Angst vor dem Virus alle größeren Veranstaltungen und Tempelfeste anlässlich des Neujahrsfestes gestrichen.

Experten: Virus ist kaum ansteckend

Allerdings ist das Coronavirus nach Einschätzung von Experten weiter ein kaum ansteckender Erreger. Die meisten Fälle beträfen nach wie vor Wuhan, das Virus habe sich nicht sehr stark ausgebreitet, sagte der Hamburger Virologe Schmidt-Chanasit. Zudem habe sich kaum Krankenhauspersonal angesteckt, und auch bei den Fällen in anderen Ländern habe es bisher keine Übertragung auf weitere Menschen gegeben. „Vielfach geht das Virus höchstens auf einen weiteren Menschen über, dann läuft sich die Infektion tot“, erklärte er.

Auch nach WHO-Informationen haben sich Menschen bislang nur bei engem Kontakt mit Infizierten angesteckt, in der Familie oder in Praxen und Gesundheitszentren. Das Virus sei zudem bislang stabil und es seien keine Mutationen beobachtet worden, sagte Michael Ryan, Direktor der WHO-Notfallprogramms. Coronaviren gelten als sehr anpassungsfähig und wandelbar – Veränderungen im Erbgut könnten das neue Virus gefährlicher und ansteckender machen.

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