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Darum ist der Erste Mai ein Feiertag

Seit 1933 ist der Tag der Arbeit in Deutschland ein gesetzlicher Feiertag. Aber was genau wird am 1. Mai überhaupt gefeiert?
von Dominic Hochholzer

Am 1. Mai finden deutschlandweit zahlreiche Kundgebungen und Demonstrationen statt. Foto: Ina Fassbender/dpa
Am 1. Mai finden deutschlandweit zahlreiche Kundgebungen und Demonstrationen statt. Foto: Ina Fassbender/dpa

Es klingt zunächst etwas paradox, dass ausgerechnet der Tag der Arbeit in Deutschland und vielen anderen Ländern als gesetzlicher Feiertag gilt. Tatsächlich liegt das daran, dass es Arbeiterbewegungen waren, die diesen Tag erkämpften und dadurch im Laufe der Jahre als Feiertag etablierten. Denn im Gegensatz zu den meisten anderen Feiertagen handelt es sich beim Tag der Arbeit nicht um einen religiösen, sondern vielmehr um einen politischen Feiertag. Aus diesem Grund finden auch in Deutschland jedes Jahr Demonstrationen und Kundgebungen statt.

Eine blutige Geschichte

Die Geschichte dieses Tages reicht bis zum 19. Jahrhundert zurück, genauer gesagt in das Jahr 1856. Damals fanden am 1. Mai erstmals Demonstrationen für einen Achtstundentag in Australien statt. 30 Jahre später kam es dann auch in den USA zu einem mehrtägigen Generalstreik, dessen Brennpunkt vor allem die Arbeiterproteste in Chicago waren. Dabei kam es zu heftigen Ausschreitungen, in deren Verlauf mehrere Polizisten und über 20 Arbeiter starben. Diese Auseinandersetzungen gingen als „Haymarket Affair“ in die Geschichte ein. Zum Gedenken an diese Ereignisse wurde der 1. Mai drei Jahre später als „Kampftag der Arbeiterbewegung“ ausgerufen. 1890 demonstrierten bereits hunderttausende Menschen weltweit für die Rechte der Arbeiter und etablierten den 1. Mai dadurch als Feiertag.

Der Erste Mai in Deutschland

In Deutschland wurde erstmals 1919 aufgrund einer Initiative der SPD über diesen Tag diskutiert. Damals scheiterte der Vorstoß am Widerstand des bürgerlichen Lagers. Als die Nationalsozialisten 1933 die Gewerkschaften zerschlugen, erklärten sie gleichzeitig den 1. Mai zum „Nationalen Feiertag des deutschen Volkes“. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Tag dann als Tag der Arbeit zum gesetzlichen Feiertag ernannt. Vor allem in der DDR spielte der Tag damals eine große Rolle.

Mit der Tradition des Maibaums hat der Tag der Arbeit nichts zu tun. Foto: Stephan Jansen/dpa
Mit der Tradition des Maibaums hat der Tag der Arbeit nichts zu tun. Foto: Stephan Jansen/dpa

Im Laufe der Jahre hat der Tag der Arbeit seinen Charakter als politischer Feiertag jedoch etwas eingebüßt. Es finden zwar noch immer Demonstrationen und Kundgebungen statt, jedoch nimmt die Zahl der Teilnehmer jährlich ab. Auch an Brennpunkten wie Berlin-Kreuzberg oder dem Hamburger Schanzenviertel hat sich die Intensität der Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und der Polizei reduziert. Nichtsdestotrotz sind auch in diesem Jahr erneut zahlreiche Kundgebungen geplant. In Bayern verbinden viele den 1. Mai mit einer anderen Tradition. An diesem Tag wird auf vielen Dorf- und Stadtplätzen der Maibaum aufgestellt. Zum Tag der Arbeit hat diese bis ins Mittelalter zurückreichende Tradition jedoch keine Verbindung.

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