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Angeschaut

Der Bergdoktor im Selfie-Fieber

1200 Fans reisen zum Wilden Kaiser, um ihrem Fernsehliebling einmal ganz nah zu kommen. Der nimmt sich für jeden Zeit.
Von Isolde Stöcker-Gietl

Fotos mit den Stars aus der ZDF-Serie „Der Bergdoktor“ waren bei den Fans begehrt. Foto: Stöcker-Gietl
Fotos mit den Stars aus der ZDF-Serie „Der Bergdoktor“ waren bei den Fans begehrt. Foto: Stöcker-Gietl

Ellmau.Diesmal ist alles ein bisschen anders. Einer fehlt und wird nicht wiederkommen. Als Schauspieler Hans Sigl, alias Bergdoktor Martin Gruber, am Donnerstag den diesjährigen Fantag auf der Wochenbrunner Alm hoch über Ellmau eröffnet, erklingt noch einmal die Stimme von Siegfried Rauch. Er singt den Jazzstandard „When you’re Smiling“. „Wenn wir bei den Dreharbeiten auf der Bank vor der Praxis saßen, dann haben wir diesen Song oft zusammen gesungen“, erzählt Sigl. Vor wenigen Wochen ist Rauch überraschend gestorben. Als Dr. Roman Melchinger war er von Anfang an eine der prägenden Figuren der Serie. „Den Satz ‚Roman, kannst du übernehmen?‘ werden wir nun nicht mehr hören“, hatte Sigl bereits vor dem Fantag in einer Journalistenrunde bedauert. Man sah ihm dabei an, wie sehr ihn der Abschied berührt. „Es ist ein großer menschlicher Verlust. Wir haben einen Freund und Kollegen verloren.“ Wer künftig dem Bergdoktor in der Praxis zur Hilfe eilt, das lässt Sigl offen. Da können die Zuschauer noch so hartnäckig nachfragen.

Das limitierte Kartenkontingent für das Fantreffen war auch diesmal rasch ausgebucht. Manche der 1200 Besucher sind das zweite, dritte, vierte Mal dabei. Melanie Heisel aus dem Saarland machte sich ohne Karten mit ihrem Ehemann und dem zweijährigen Sohn Marlon auf den Weg – und hatte Glück. „Wir kamen an zwei Tickets, die zurückgegeben wurden.“ Vor allem der Bergdoktor und seine Frauengeschichten haben es Melanie Heisel angetan. „Da fiebert man einfach gerne mit.“

Bewerbungen für eine Rolle

Von nah und fern reisen die Fans an, um Fotos vor der Kulisse zu machen. Foto: Isolde Stöcker-Gietl
Von nah und fern reisen die Fans an, um Fotos vor der Kulisse zu machen. Foto: Isolde Stöcker-Gietl

Seit 2007 wird in der Region rund um den Wilden Kaiser gedreht. Dem Tourismus in Ellmau, Scheffau und Going brachte die Serie in den Sommermonaten einen deutlichen Zuwachs. Inzwischen wirbt Ellmau als „Bergdoktordorf“. So mancher Fan würde deshalb auch gerne seine Zelte hier aufschlagen. Weil in der Serie eine Arzthelferin gekündigt hat, wollen Zwillingsschwestern beim Fanfest ihre Bewerbung abgeben. „Wohin können wir uns wenden?“. Auch ein junger Mann aus der Rhön empfiehlt seine Mutter als Assistentin für den Bergdoktor. „Die hat 35 Jahre Erfahrung als Arzthelferin.“ Hans Sigl, der die Rolle des Bergdoktors seit elf Jahren spielt, weiß mit manch forscher Frage, die ihm das Publikum stellt, gut umzugehen. Was er nicht beantworten will, umschifft er mit viel Humor. Diese Nähe zu den Fans ist ihm wichtig. Ohne sie gäbe es im Juni den Drehbeginn für die 12. Staffel nicht. Fast sieben Millionen Zuschauer verfolgten die Ausstrahlung der letzten Staffel. Mit rund 70 Gästen begannen die ersten Fantreffen, nun gibt es bis zu drei Veranstaltungen mit den Fernsehstars im Jahr zu denen mehrere tausend Menschen anreisen. „Die große Herausforderung beim Fantag ist inzwischen, jedem irgendwie gerecht zu werden. Wir wollen zumindest für jeden einen Moment haben, um sich in die Augen zu schauen, kurz Hallo sagen und dann erst ein Selfie machen. Die Leute nehmen große Anstrengungen auf sich und dann sind wir ihnen das auch schuldig“, sagt Sigl im Interview mit unserer Zeitung.

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Bergdoktor Fantag 2019

Berührend ist die Geschichte von Desiree Hochstenbach, die aus den Niederlanden nach Tirol gereist ist, um einmal den Bergdoktor live zu sehen. „Wissen Sie, ich habe nicht mehr so viel Zeit“, sagt sie und stützt sich auf ihre Krücken. „Es wird für mich die erste und letzte Gelegenheit sein, Hans Sigl, dessen Karriere ich schon seit der Serie Soko Kitzbühel verfolge, zu sehen.“ Dann erzählt sie, dass sie an der tödlichen Krankheit ALS leidet und seit Jahren versucht, Karten für den Fantag zu bekommen. „Ich bin so glücklich, dass ich es noch geschafft habe.“ Unterdessen haben sich auf der Bühne Schauspieler der Serie versammelt. Monika Baumgartner, die die Mutter des Bergdoktors spielt, wärmt sich zur Freude des Publikums mit drei Schnäpsen für das bevorstehende stundenlange Fotoshooting mit den Fans auf. Heiko Ruprecht, der den Bruder spielt, erzählt von brüderlichen Gefühlen zwischen ihm und Hans Sigl, die sich durch die langjährige Zusammenarbeit auch ins echte Leben geschlichen haben.

Die Serie Und Ihre Drehorte

  • Seit 2007

    wird in der Region rund um den Wilden Kaiser gedreht. Dem Tourismus in Ellmau, Scheffau und Going brachte die Serie in den Sommermonaten einen deutlichen Zuwachs. Inzwischen wirbt Ellmau als „Bergdoktordorf“.

  • Es gibt Führungen

    an verschiedenen Drehorten wie der Bergdoktor-Praxis und dem Gruber-Hof. In Going ist der Marktplatz mit seiner barocken Kirche ein Schauplatz der Serie. Mehrmals im Jahr werden Fantreffen und auch Wanderungen mit den Schauspielern der Serie veranstaltet.

  • Filmtochter Lilli 

    gespielt von Ronja Forcher, veranstaltet in diesem Jahr in Ellmau zum zweiten Mal in den Sommerferien einen Schauspielkurs für Kinder und Jugendliche. Denn die Serie fesselt auch immer mehr junge Fans.

  • Inzwischen wurden

    elf Staffeln der Serie ausgestrahlt. Die zwölfte Staffel wird von Juni bis Mitte Dezember rund um den Wilden Kaiser gedreht. 

  • Mit bis zu sieben Millionen

    Zuschauern erreicht „Der Bergdoktor“ hohe Einschaltquoten in Deutschland. 

Wer verliebt sich neu?

Ronja Forcher, die Filmtochter, verspricht, dass sie noch sehr lange in der Serie mitspielen will, was für Entzücken beim Publikum sorgt. Und Natalie O’Hara weicht geschickt der Frage von Bianca aus Landshut aus, die wissen will, ob ihre Filmfigur Susanne Dreiseitl nicht doch wieder Sehnsucht nach dem Bergdoktor hat. „Für mich ist es egal, was die Autoren schreiben, ich freue mich, mit diesen Leuten arbeiten zu dürfen. Monika Baugartner wird da schon deutlicher: Sie wünscht sich neue Frauen für ihre Filmsöhne und auch mal eine Liebe für ihre Rolle. „Wer weiß, was da mit dem Onkel Ludwig noch kommt“, gibt sie sich geheimnisvoll. Onkel Ludwig, den seit der letzten Staffel Schauspieler Christian Kohlund mimt, sorgt bei den Bergdoktor-Fans für gemischte Gefühle. Darauf zielt die Figur auch ab, sagt Sigl. „Onkel Ludwig polarisierte vom ersten Moment an.“

Und so ist ein Ende der ZDF-Serie nicht in Sicht. „So mancher Arzt wird sich wohl wünsche, so arbeiten zu können, wie wir es in der Serie zeigen“, sagt der Hauptdarsteller. Dem kann Desiree Hochstenbach nur zustimmen. „Dr. Gruber ist ein Arzt, wie ihn sich jeder wünscht, wenn er krank ist.“

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