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Panorama
Freitag, 23. Februar 2018 2

Kirche

Der Zweck heiligt das Bier

Pater Jérémie predigt in einer verfallenden Kirche vor einer schrumpfenden Gemeinde. Bis ihm die Idee kommt: Er lässt brauen.
Von Oliver Beckhoff, dpa

Pfarrer Jeremie Schaub mit einer Flasche „Ste Kat“ Craft Bier Foto: dpa

Brüssel.Adam Nowek versteht etwas von Bier. Der Blogger will rund um die Erde schon fast 3200 Sorten aus 96 Ländern getestet haben – darunter Produkte aus Malawi, Uganda oder der Mongolei. Doch was Nowek nun vor einer Kirche im belgischen Brüssel erlebt hat, war selbst für ihn Neuland: „Ich habe das umzingelt von Priestern probiert, während im Hintergrund Achtziger-Sounds liefen“, schreibt er über das Kirchen-Bier, das Pfarrer Jérémie Schaub nun vorstellte.

50000 Flaschen Bier hat Pater Jérémie (34) produzieren lassen. Mit dem Inhalt ließe sich ein kleiner Swimmingpool füllen. Doch der Pfarrer der Gemeinde Sankt Katharinen im Zentrum von Belgiens Hauptstadt hat natürlich ganz andere Pläne: Vom Erlös aus dem Verkauf soll die Kirche renoviert werden. Von deren Wänden bröckelt stellenweise der Putz.

Auch Kirchenferne erreichen

Doch das Renovieren ist nicht alles. „Ich will etwas für unser Viertel machen. Ich will mehr Dynamik in der Kirche und eine Beziehung zu den Menschen hier“, sagt der Geistliche, der mit Hilfe des Bieres auch die Menschen erreichen will, die nicht in seinen Gottesdienst kommen.

50000 Flaschen Bier hat Pater Jérémie (34) produzieren lassen. Foto: dpa

Denn auf weniges können sich Wallonen, Flamen und die deutschsprachige Minderheit so gut einigen wie auf das Nationalgetränk. In dem Land mit drei Amtssprachen, das einmal 541 Tage ohne Regierung war, weil die Koalitionsbildung scheiterte, ist der Gegensatz sonst sprichwörtlich: ein „belgischer Kompromiss“ meint eine Einigung, mit der niemand glücklich ist. Bier hilft. Die UN-Kulturorganisation Unesco hat die belgische Biertradition im vergangenen Jahr sogar als immaterielles Kulturerbe anerkannt.

Alte Tradition, neuer Geschmack

„Ste Kat“, so der Name des Bieres in Anlehnung an den Gemeindenamen, soll an alte Trappisten- und Klosterbiere erinnern und trotzdem modern schmecken, sagt Schaub. Der Pfarrer wird vor der Kirche per Handschlag von Männern begrüßt, die auf Fixie-Bikes radeln und modischen Vollbart tragen.

Wieviel Bier braucht es, damit die Kirche auf dem Flaschenetikett wieder zum Wahrzeichen wird und die Fassaden ausgebessert werden können? „Es gibt kein Limit“, sagt Schaub. „Um die Kirche zu renovieren, bräuchten wir Millionen.“

„Biertradition und Kirche, von den Klöstern her gehört das jedenfalls zusammen.“

Dirk Bingener, Bundespräses

Ist das ein Modell für Deutschland? Bei der Jugendorganisation der katholischen Kirche (BDKJ), ist man jedenfalls angetan. „Biertradition und Kirche, von den Klöstern her gehört das jedenfalls zusammen“, sagt Bundespräses Dirk Bingener. Mit der Postkarten-Aktion „Triff den Papst in der Kneipe“ versuche die Organisation gerade, in die Schankräume zu kommen.

50 000 Postkarten mit dem Konterfei des Papstes werden dafür bis Ende November in Kneipen ausgelegt. Aufgedruckt ist ein Link zu einer Online-Befragung: Der Papst interessiere sich für die Anliegen junger Menschen. Für BDKJ-Mann Bingener sind es zwei Seiten derselben Medaille. „Jedes Bier, das da gebraut wird, ist eine Möglichkeit, ins Gespräch zu kommen, ebenso jede Postkarte“, sagt er. Wenn eine Aktion wie die von Pater Jérémie auch noch Geld für die Verschönerung einer Kirche einbringe: umso besser.

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