MyMz

CD-Tipp

Devendras Kosealbum für Mutter Musik

Indie-Folk-Sänger Devendra Banhart widmet sein zartes neues Album „Ma“ dem Raum zwischen den Zeilen.
Von Angelika Sauerer

Devendra Banhart hatte früher ganz lange Haare. Seit ein paar Jahren trägt er Frisur und Bart gestutzt. Foto: Jean-Christophe Bott/epa/picture-alliance/dpa
Devendra Banhart hatte früher ganz lange Haare. Seit ein paar Jahren trägt er Frisur und Bart gestutzt. Foto: Jean-Christophe Bott/epa/picture-alliance/dpa

New York.Wie er sich einschmeichelt, sanft im Ohr kitzelt und den Nacken krault, die Seele schunkelt und in den Armen wiegt: Devendra Banhart, der schönstmögliche Indie-Barde wo gibt, hat ein neues Album aufgenommen, zarter als alle bisher.

Banhart leistet sich im „Love Song“ dabei immerhin den Groove eines Bläsersatzes und in „My Boyfriend’s In The Band“ den Schluss mit einem mäandernd verklingenden Saxophon. Richtig spooky wird’s in „The Lost Coast“, wo hinter einem wehenden Klangvorhang einsame Melodielinien ihre Kreise ziehen. „Ma“ ist federleicht arrangiert mit Bass, Schlagzeug und Gitarre plus ein bisschen Gefiedel, ein bisschen Gebläse, dazu die Samtstimme Banharts, der mal auf Englisch, mal auf Spanisch – seiner Muttersprache – singt.

„Ma“ heißt das neue Album von Devendra Banhart. Es ist für ca. 19 Euro bei Nonesuch/Warner als CD und ca. 30 Euro auf Vinyl erschienen.
„Ma“ heißt das neue Album von Devendra Banhart. Es ist für ca. 19 Euro bei Nonesuch/Warner als CD und ca. 30 Euro auf Vinyl erschienen.

Ma ist der Kosename für Mutter und das japanische Wort für den Zwischenraum. Und „Ma“ das Kosealbum für Mutter Musik und alles, was zwischen den Zeilen steht. Und ein bisschen Politik ist es schon auch, wenn der 38-Jährige seine hispanischen Wurzeln betont, während die USA eines Donald Trump in Richtung Mexiko die Schotten dicht machen.

„Ma“, erschienen bei Nonesuch/Warner, ist ein Klangraum voller Poesie und Emotion, poppig ohne Kitsch, intellektuell ohne Arroganz. Nein, man muss nicht alles verstehen, um es zu fühlen. Und, ach ja, alles wird gut.

Inspiriert von Carol King

In einem Song auf dem Album nimmt Devendra Banhart direkt Bezug auf die Songwriter-Ikone Carole King. „Taking a Page“ greift eine Zeile und eine Melodielinie aus „So Far Away“ auf. Dazu Banhart: „Ich erinnere mich an die Nacht, in der Trump gewann – an den Schock und die Angst. Ich griff instinktiv zu einem Carole-King-Album. Ich wusste, es würde helfen. Ich wusste, es würde sich als nützlich erweisen ... und das tat es. Tut es immer noch.“ Banhart spielte Carole King seinen Song vor. „Es ist tatsächlich ein Stück über mein ganzes Leben. Anders kann ich es nicht erklären.“ Carole Kings Antwort lautete: „I like it.“

Und so klingt „Taking a Page“:

Im Januar 2020 kommt Devendra Banhart im Rahmen seiner Europa-Tour auch nach Deutschland. Konzerte gibt er am 24.01. im Berliner Tempodrom, am 26.01. im Leipziger Felsenkeller und am 29.01. im Kölner Carlswerk.

Lust auf mehr Kultur? Hier geht’s lang!

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht