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Die Bahn rüstet sich für kommende Stürme

Der nächste Herbst kommt bestimmt. Dann wird's wieder stürmisch, und die Züge fallen aus. Weil so viele Bäume auf der Strecke bleiben. Eben das aber soll nach dem Willen der Bahn künftig seltener vorkommen. Ein Fall für das „Team Naturgefahrenmanagement“.
Von Christoph Driessen, dpa

  • Wegen schlechten Wetters geschlossen: Der Hamburger Hauptbahnhof am 29. Oktober 2017. Foto: Bodo Marks
  • Letzte Übernachtungsmöglichkeit: Nachdem Sturmtief „Friederike“ im Januar den Bahnverkehr lahmgelegt hatte, stellte die Bahn „Hotelzüge“ in vielen Bahnhöfen bereit. Foto: Hauke-Christian Dittrich
  • Neben einem liegengebliebenen ICE arbeiten Techniker der Bahn an einer durch den Sturm beschädigten Oberleitung. Foto: Swen Pförtner
  • Wegen schlechten Wetters geschlossen: Der Hamburger Hauptbahnhof am 29. Oktober 2017. Foto: Bodo Marks

Köln.„F“ prangt in leuchtendem Orange auf der Baumrinde. Das verheißt nichts Gutes. „F“ steht für Fällung. Der Baum ist sichtlich angeschlagen: ein toter Ast, die Krone gelichtet. Pilzbefall.

Und dann steht er auch noch ein paar Meter neben einer wichtigen Zugstrecke. Da gibt es kein Erbarmen. „Im Wald tut mir jeder Baum leid, den man fällen muss“, sagt Felix Gerhardt vom „Team Naturgefahrenmanagement“ der Bahn. „Aber an der Strecke nicht.“

Die Bahn sieht sich zwar als grünes Unternehmen, aber Sicherheit ist ihr noch wichtiger. Und Pünktlichkeit. Und Fahrgastzufriedenheit. Der Fahrgast mag Bäume prinzipiell gut finden, aber wenn sie aufs Gleis fallen und sein Zug sich verspätet oder ausfällt, dann ist es um seine Sympathie schnell geschehen.

Im letzten Herbst und Winter musste der Fahrgast einiges durchstehen. Stichwort „Friederike“. Das Sturmtief ließ im Januar Bäume „wie Streichhölzer umknicken“, wie es so schön hieß. Nicht wenige kippten auf Gleise, andere rissen Oberleitungen mit. Erstmals seit 2007 stellte die Bahn den Fernverkehr bundesweit ein. Die Herbststürme „Xavier“ und „Herwart“ wiederum verhagelten der Bahn ihre Pünktlichkeitsbilanz für 2017. All das soll sich so nicht wiederholen.

Anfang dieses Jahres startete der „Aktionsplan Vegetation“. Bundesweit werden die 33 000 Streckenkilometer der Bahn von Forstexperten ins Visier genommen. Jeder Baum ist erstmal ein potenzieller Verdächtiger. Die Bahn guckt in die Büsche.

An diesem Freitag demonstriert sie das Vorgehen im Kölner Grüngürtel. Das ist ein Ring von Wiesen und Waldstücken rund um das Zentrum, vor 100 Jahren angelegt von Oberbürgermeister Konrad Adenauer. Die Kölner lieben ihren Grüngürtel - aber sie wollen auch pünktlich zur Arbeit kommen. Dummerweise wird das grüne Band mehrfach von Zugstrecken durchschnitten. So ist es vielerorts. „Ich liebe auch die Naur“, beteuert Bahnsprecher Dirk Pohlmann. „Aber wie bekannt hat die Natur auch ihre Auswirkungen auf den Bahnverkehr.“ Wer will da widersprechen?

„Wenn uns tote, kranke oder faule Bäume auffallen, dann werden die entnommen“, sagt Gerhardt. Zu große oder zu dicht an den Schienen stehende Bäume sollen künftig stärker zurückgeschnitten oder sogar gefällt werden. Wie viele Bäume die Bahn im Jahr kappt, weiß sie nicht. „Zehntausende“ ist die grobe Schätzung. Sie pflanzt aber auch nach.

Warum stehen überhaupt so viele Bäume an der Strecke? In anderen Ländern soll das nicht so sein. „Das hat sich in Deutschland einfach so entwickelt“, sagt Gerhardt. Die Bäume hätten viele Funktionen: „Ich nenn's immer gern psychologischer Lärmschutz. Wenn man die Bahn nicht sieht, dann hört man sie auch nicht.“ Zudem vernetzten Bäume Biotope, stabilisierten den Boden und schützten vor Schneeverwehungen.

Ist die Bahn ab Herbst sturmsicher? Wohl kaum. Und zwar schon deshalb, weil ab Oktober überhaupt erst mit dem Fällen begonnen werden darf. Und dann geht es natürlich auch nur darum, die Bahn sturmsicherer zu machen. Völlige Sicherheit gibt es nicht. Ein Orkan mit der Wucht von „Friederike“ mit mehr als 200 Stundenkilometern kann auch den stärksten Baum umhauen.

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