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Valentinstag

Die Chancen und Risiken der Liebe

„Emotionen und Kommerz sollte man nicht verbinden“ – dieser Meinung ist der Psychologe Aldenhoff beim Thema Liebe.
Von Paula Konersmann, KNA

Rote Rosen gehören für viele Paare zum 14. Februar einfach dazu.
Rote Rosen gehören für viele Paare zum 14. Februar einfach dazu. Foto: dpa

Kiel.Altrocker Klaus Meine kommt zu Wort, ebenso der französische Filmstar Fanny Ardant und der Dramatiker Bertolt Brecht. Sie alle äußern sich in einem neuen Ratgeber über die Liebe. Der Psychologe Josef Aldenhoff befasst sich darin mit der Frage: „Ich und du – Warum? Was Beziehungen schwierig macht und wie sie gelingen können“. Im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) spricht der Kieler Autor über das Streben nach Sicherheit, moderne Partnersuche und den Valentinstag.

Herr Professor Aldenhoff, in Sachen Beziehungen ist laut Ihrem Buch „jeder ein Insider“. Kann also jeder den passenden Partner finden?

Natürlich, wenn man sich auf sich selbst und die eigenen Gefühle verlässt. Man darf sich nicht selber austricksen.

Warum tun sich viele Menschen dann so schwer mit der Liebe?

Sie lassen sich von äußeren Kriterien leiten. Sie fragen sich, was cool oder schick ist – auch wenn das vielleicht gar nicht ihnen selbst entspricht. Oft gehen wir mit äußerlichen Kriterien an Menschen heran, die wir kennenlernen: Ist er zu alt oder zu jung? Ist sie ein bisschen zu dick? Damit machen wir uns unsere eigene Wahrnehmung kaputt.

Hängt dieses Streben nach Perfektion damit zusammen, dass wir unser Leben am liebsten bis zur Rente durchplanen wollen?

Das spielt eine große Rolle. Aber es ist ein Irrtum. Es gibt im Leben ja keine dauerhafte Sicherheit. Und so etwas emotionales wie die Liebe für die nächsten 60 Jahre durchzuplanen – das ist keine gute Idee.

In diesem Video stellt Josef Aldenhoff sein Vorgängerbuch „Bin ich psycho ... oder geht das von alleine weg?“ vor.

Durch die Emanzipation und mehr Freiräume in der Erziehung hat sich viel verändert. Liegt darin eine Chance für die Liebe?

Ja und nein. Einerseits ist es eine gute Entwicklung, dass die Menschen freier sind. Das bedeutet aber auch, dass sie sich ihren Weg selber suchen müssen. Starke Moralvorstellungen nehmen uns einiges ab, auch wenn wir uns dadurch manchmal gegängelt fühlen. Wer gern alles selbst erfindet, für den ist die moderne Zeit sehr spannend, aber er erlebt auch Phasen des Suchens und Scheiterns.

Also liegt auch eine Gefahr darin, wenn klare Rollenbilder fehlen und die Menschen alles zugleich wollen: Abenteuer und Sicherheit?

Alles gleichzeitig zu wollen, ist sowieso schwierig. Die abenteuerliche, romantische Beziehung ist nicht gleichzeitig eine sichere Beziehung – obwohl das eine aus dem anderen entstehen kann. Andererseits kann man auch fragen, wie sicher die früheren Rollenbilder waren. In der Generation meiner Eltern war Scheidung ka noch sehr erschwert. Glücklicher waren die Beziehungen deswegen aber keineswegs.

Wenn alte Rituale verloren gehen, können neue vielleicht helfen - etwa der Valentinstag?

Auch in diesem Bereich muss jeder herausfinden, was zu der eigenen Persönlichkeit und der eigenen Beziehung passt. Der kommerzielle Teil des Valentinstags geht mir auf die Nerven. Emotionen und Kommerz sollte man nicht verbinden. Es ist aber immer gut, den Partner zu überraschen und ihm Zuneigung zu zeigen. Überraschend kommen Blumen oder Karten am geplanten Valentinstag vielleicht nicht, aber das Signal „ich mag dich“ ist sicher beziehungserhaltend.

Singles verbringen den Valentinstag vielleicht online. Immer mehr Menschen suchen in Partnerbörsen nach dem perfekten Partner ...

Online-Partnerbörsen sind nichts Schlechtes. Sie vergrößern die Auswahl und erleichtern es, Menschen kennenzulernen, die ebenfalls auf der Suche sind. Allerdings bekommt auch dort niemand den perfekten Partner auf dem Silbertablett serviert. Sie müssen sich treffen, mit einander reden, sich in die Augen schauen und ausprobieren, ob es funktioniert. Grundsätzlich kann einem das Streben nach Perfektion den Blick verstellen auf das, was eigentlich toll an Menschen ist.

Immer mehr Paare lernen sich über Online-Partnerbörsen kennen.
Immer mehr Paare lernen sich über Online-Partnerbörsen kennen. Foto: dpa

Zu religiösen Normen äußern Sie sich eher distanziert, aber an einer Stelle zitieren Sie die Bibel: das Buch Kohelet, nach dem alles seine Zeit hat. Wie wichtig ist sie für Beziehungen?

Ich habe gar nichts gegen Religionen, aber wenn wir uns zu ihnen bekennen, sollten wir sie auch ernst nehmen – Religion light überzeugt mich nicht. Ja, und die Zeit: Sie ist nicht das einzig Entscheidende, aber enorm wichtig. Wenn Sie keine Zeit für Ihre Beziehung haben, dann können Sie es gleich lassen.

Das ist in der heutigen Zeit ein Problem: Der berufliche Druck wird höher, die Zeit knapper. Die persönliche Zweierbeziehung steht oft hintenan, aber sie braucht Zeit. Es gibt Ausdrücke wie „Quality Time“ – Qualitätszeit, in der man seinen sonst vielleicht vernachlässigten Nächsten besondere Aufmerksamkeit widmet. Das ist Quatsch. Man braucht die Zeit dann, wenn man sie braucht. Das gilt insbesondere, wenn man Kinder hat, aber auch für jedes Paar.

Ihr Buch trägt den Untertitel „Gebrauchsanleitung für die Liebe“. Daher die abschließende Frage: Was ist denn nun das Geheimnis der Liebe?

Ein Geheimnis ist, die Liebe nicht selbstverständlich hinzunehmen. Liebe ist ein kostbares Geschenk, ein Glück, das einem zuteil werden kann, aber nicht zuteil werden muss. Entsprechend sollte man sie behandeln.

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