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Die Zauberkunst ist seine Leidenschaft

Autorin Susanne Wolf sprach mit dem Magier Sebastian Nicolas über sein Steckenpferd: die Manipulation.
Von Susanne Wolf

Zauberer Sebastian Nicolas Foto: Zakary Belamy
Zauberer Sebastian Nicolas Foto: Zakary Belamy

Landshut.Sebastian Nicolas aus Landshut hat es mit seinem Kindheitstraum, der Zauberei, bis ganz nach oben geschafft: 2009 wurde er Vizeweltmeister der Zauberkunst und zählt zu den bekanntesten Magiern der Welt. Trotz seines Ruhms ist der 34-Jährige sehr sympathisch und bodenständig geblieben.

Wie sind Sie darauf gekommen, Magier zu werden?

Mein Opa hat gezaubert, als ich klein war. Er war kein professioneller Zauberkünstler, sondern hat es nur zum Spaß gemacht. Bei Familienfesten hat er kleine Kunststücke gezeigt. Davon war ich ganz begeistert! Er hat mir immer wieder einen Trick verraten, den ich dann geübt habe. Wenn ich ihn konnte, hat er mir einen neuen gezeigt. So kam es zu dieser Liebe, der Zauberei.

War dann schon während der Schulzeit klar, dass Sie das auch beruflich machen wollen?

Man weiß nicht, was kommt. Als Kind war es mein Traum, Zauberer zu werden und das beruflich zu machen. In dem Alter kann man es sich nicht vorstellen, dass das wirklich einmal klappt und man davon leben kann (lacht). Ich habe erst einmal meine Schule ordentlich abgeschlossen.

Gab es auch einen Plan B, falls es mit der Zauberei nichts geworden wäre?

Ich habe Koch gelernt. Das ist auch ein sehr schöner Beruf! Ich koche heute noch sehr gerne für Freunde und Familie. Trotzdem bin ich mit meinem jetzigen Beruf total glücklich!

Wie kam es zu Ihrem Durchbruch, also dass Sie heute zu den besten Magiern der Welt zählen und schon einige namhafte Auszeichnungen bekommen haben?

(überlegt) Ich würde sagen, dass es 2009 richtig losgegangen ist, als ich Vizeweltmeister der Zauberkunst wurde. Das ist eine sehr hohe Auszeichnung, da die Weltmeisterschaft nur alle drei Jahre stattfindet. Dafür kommen die besten Magier der Welt zusammen. Dabei gab es viele Zuschauer, die weltweit Shows produzieren. Wenn sie einen gut finden, hat man bei dem Wettbewerb natürlich die Möglichkeit, sich zu zeigen. Danach habe ich viel in Asien gemacht. Ich war zwei Jahre in Hongkong, Taiwan, Taipeh und Singapur.

Sie sind ja immer mal wieder für Zauber-Shows in den USA...

Ja, ich war erst kürzlich im Rahmen einer riesigen Showproduktion für zwei Monate in Reno. Das ist eine Varieté-Show mit verschiedenen Kunstformen und den besten Artisten aus der ganzen Welt. Das reicht von der Artistik über die Comedy bis hin zur Zauberei. Stattgefunden hat es im Theater eines großen Casinos mit rund 800 Sitzplätzen. Wir haben täglich ein bis zwei Vorstellungen gespielt. Silvester war die letzte Show.

In den USA wird die Zauberei mehr gehypt als bei uns. Merken Sie einen Unterschied zu uns Deutschen?

Reno ist wie Las Vegas eine Spielerstadt. Man hat ein „Party-Publikum“, bei dem man merkt, dass die Leute einfach eine gute Zeit haben wollen. Vor allem am Wochenende ist die Stimmung toll! Gerade an Weihnachten waren viele Touristen da. Auch wenn das Publikum anders ist, kann man es nicht richtig vergleichen. In Deutschland staunen die Leute ja genauso. Sie sind einfach ein bisschen zurückhaltender.

Haben Sie dann einen Mentor, der Ihnen diese außergewöhnlichen Fähigkeiten beigebracht hat?

Es ist wichtig, einen Mentor zu haben, also jemanden, der einem das lehrt. Und man braucht eine Portion Glück. Als ich als zwölfjähriger Junge zum Magischen Zirkel Deutschland gekommen bin, habe ich bei einem Kongresses meinen Mentor Cherry van Burgh kennengelernt. Uns verbindet bis heute eine enge Freundschaft. Ich bin ihm sehr dankbar, weil er mich von Anfang an unterstützt und begleitet hat. Er war ein guter und vor allem geduldiger Lehrer (lacht).

Was ist Ihr Lieblingstrick?

Mein Herzstück ist nach wie vor meine Manipulationsdarbietung, mit der ich viele Preise gewonnen habe und um die Welt geflogen bin. Die Nummer dauert acht Minuten, es stecken zehn Jahre Arbeit drin. Mit „Mystical Minutes“ bin ich schon in vielen Varieté-Theatern aufgetreten. Am liebsten mache ich aber mein Soloprogramm, weil ich dabei meinen Abend so gestalten kann, wie ich ihn mir vorstelle. Hier bin ich gleichzeitig Regisseur und Künstler. Im Varieté hingegen ist man nur Teil eines Ganzen mit seiner Nummer und kann sich nicht wirklich einbringen.

Was erwartet die Besucher von „Pure Magic“ am 8. April im Regensburger Turmtheater und am 14. April im Straubinger Paul-Theater?

Mein Soloabend ist ein purer Zauberabend. Es wird magisch. Ich kann nicht zu viel verraten, aber die Leute werden lachen, staunen und schöne Geschichten hören. Das ist bunt gemischt und magisch. Schön ist, dass die Leute im Gegensatz zu Amerika sehr nah dran sind. Dadurch können sie die Zauberkunst hautnah erleben.

Wie sieht die Vorbereitung für eine Show aus?

Mittlerweile ist alles richtig eingespielt. Man kennt die Abläufe. Wichtig ist mir, früh genug am Veranstaltungsort zu sein. Ich mache in Ruhe die Lichteinstellungen, damit alles schön aussieht, und bereite meine Kunststücke vor. Eineinhalb Stunden vor der Show brauche ich etwas Zeit für mich und gehe in mich.

Woher holen Sie sich immer wieder neue Ideen?

Das sind alltägliche Dinge. Manchmal fällt mir auch abends auf der Couch etwas Neues ein (lacht) oder ich fange an, etwas auszuprobieren. Viele Ideen kommen auch über Filme, über andere Kunstformen und Künstler. Manchmal ist es so, dass ich ein Musikstück höre, das mich dann so packt, dass ich aufgrund der Musik eine Idee habe, was man dazu machen könnte.

Wird dann auch gezaubert, wenn Sie mit Familie oder Freunden unterwegs sind?

Früher war das so, mittlerweile nicht mehr. Wenn man mit der Zauberei anfängt, braucht man natürlich ein Testpublikum (lacht). Früher hatte ich immer ein Päckchen Karten oder eine Münze mit und habe immer und überall gezaubert. Da wurden meine Eltern oder Freunde genervt. Die haben das brav mitgemacht, sind aber mittlerweile auch froh, dass die Zauberei nicht mehr das große Thema ist, wenn wir uns sehen.

Ist die Magie dann mittlerweile Routine für Sie geworden oder was empfinden Sie beim Zaubern?

Wenn man für ein paar Monate jeden Tag das Gleiche macht, kommt natürlich eine gewisse Routine rein. Das Schöne am Zaubern ist, dass es so ein kreativer Beruf ist. Ich habe immer neue Ideen und will gewisse Dinge verbessern und verändern. Toll ist, dass man nicht immer das Gleiche macht, sondern stetig daran arbeitet. Es macht unheimlich Spaß, kreativ zu sein und neue Kunststücke zu entwickeln. Von der ersten Idee bis zur bühnenfertigen Version eines Kunststücks dauert es jedoch ziemlich lange. Das ist ein schöner, spannender Prozess, der das Ganze am Leben hält. So wird es nie langweilig!

Sie gelten als Meister der Manipulation. Setzen Sie die Manipulation auch im Alltag ein?

(lacht) Beim Einkaufen zum Beispiel?

Ja, zum Beispiel (lacht)?

Nein, nein (lacht). Für den Zuschauer liegt das natürlich sehr nahe beieinander. Wahrscheinlich denkt man da an Falschspielerei und Taschendiebstahl, wenn man fingerfertig ist. Die beiden Sachen haben aber nichts miteinander zu tun. Die Manipulation ist für mich eine reine Unterhaltungsform. Mich hat es immer am meisten fasziniert, wenn ein Magier mit nichts auf der Bühne steht und dann magische Dinge passieren. Also: Da steht jemand auf einer leeren Bühne und dann erscheinen oder verschwinden oder verwandeln sich Dinge. Und das geschieht alles nur mit den Händen des Künstlers. Das war für mich schon immer die Essenz der Zauberkunst. Das ist die reinste Form der Magie! Darum liebe ich die Manipulation, die aber immer auf der Bühne bleibt. Im Alltag benutze ich sie nicht.

Gibt es Leute, die die Manipulation skeptisch sehen?

Einige Leute sind immer skeptisch gegenüber der Zauberei. Es gibt verschiedene Arten von Zuschauern: Die einen wollen einfach einen schönen Abend haben und nicht wissen, wie das funktioniert. Dann gibt es Leute, die es ganz wild macht, wenn sie nicht wissen, wie das funktioniert. Beide Arten haben ihre Berechtigung. Darum ist jeder Soloabend verschieden, weil man nicht weiß, wer vor einem sitzt. Am Ende lassen sich aber alle Leute verzaubern. Ich würde gerne mal Mäuschen spielen, wenn sich die Zuschauer zum Beispiel in der Pause unterhalten, wie die Tricks denn funktionieren könnten (lacht).

Kommt es auch vor, dass ein Trick nicht funktioniert?

Ja, das kommt auch mal vor. Zum Glück ist das nicht häufig der Fall. Am besten ist dann, wenn man kein großes Geheimnis daraus macht. Die Zuschauer verzeihen einen kleinen Fehler.

Gibt es einen Trick, den jeder nachmachen kann?

Es gibt viele Arten, ein Kunststück zu präsentieren. Die eigentliche Kunst ist, einen Klassiker zu seinem eigenen Trick zu machen, indem man ihn abwandelt und anders als gewohnt präsentiert. Man kann Dinge nachmachen, also sie kopieren, aber das wird nicht so gut wie das Original. Es gibt einfache und schwierige Kunststücke. Für die meisten muss man einige Jahre üben.

Wie viel Zeit nimmt die Magie bei Ihnen ein?

Die Zauberkunst ist immer dabei. Ich liebe die Zauberkunst, sie ist meine große Leidenschaft! Darum ist es bei mir auch nicht so, dass ich sage, dass ich jetzt acht Stunden „arbeiten“ muss und dann freue ich mich auf meinen Feierabend oder mein Wochenende. Ich bin unheimlich gerne auf der Bühne. Für mich ist das keine Arbeit. Ich bin immer mit Spaß und Freude dabei. Das heißt aber auch nicht, dass ich nicht abschalten kann.

Wie sehen Ihre Zukunftsplanungen aus? Wollen Sie die Menschen in 30 Jahren immer noch verzaubern?

Man weiß nie, wo die Reise hinführt. Ich habe immer noch großen Spaß. Solange ich Spaß an der Zauberei habe, bin ich dankbar und froh, wenn ich weitermachen kann. Wenn sich das irgendwann mal ändern sollte, dann kommt etwas anderes – vielleicht ein eigenes Restaurant mit einer kleinen Bühne. Da gibt es im Moment viele dieser Konzepte wie die ganzen Palazzos. Da wird gutes Essen mit Show kombiniert. Das wäre auf jeden Fall eine schöne Geschichte. Wer weiß... Wichtig ist, dass man sich in der Zauberkunst immer wieder verändert, damit nie die von Ihnen angesprochene Routine einkehrt.

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Der Magier

  • Sebastian Nicolas

    ist am 11. Februar 1984 in Landshut als Sebastian Nicolas Biberger geboren. Nach der Schule absolvierte er eine Ausbildung zum Koch. Die Zauberkunst spielt seit seiner Kindheit eine wichtige Rolle in seinem Leben. Mit zwölf Jahren wurde er Mitglied des Magischen Zirkels Deutschland, wo er in die Geheimnisse der Zauberei eingeführt wurde und seine Fertigkeiten lernte.

  • Seinen Durchbruch

    hatte er 2009, als er Vizeweltmeister der Zauberkunst wurde. Er ist vielfach ausgezeichnet und zählt zu den bekanntesten Magiern der Welt. Zurück aus den USA zeigt er gerade seine Show „Pure Magic“ mit dem Besten aus zehn Jahren Show sowie neuen Illusionen.

  • Sebastian Nicolas

    lebt noch in Landshut – auch wenn er viel unterwegs ist und weltweit Menschen mit der Zauberkunst in seinen Bann zieht. Er ist ledig und hat keine Kinder. In seiner Freizeit macht der Magier „unheimlich gerne Sport“. Er kocht gerne und geht „gerne gut essen“. Zudem sind ihm Musik und Film – „bunt gemischt“ – wichtig. Selbst spielt er Schlagzeug und Gitarre.

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