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Panorama
Sonntag, 24. Juni 2018 18° 4

Verkehr

Dieselfahrverbot: Hamburg macht ernst

In der Hansestadt tritt bundesweit das erste Fahrverbot in Kraft. Es gilt für Fahrzeuge, die nicht Euro-Norm 6 entsprechen.

Die Fahrverbote gelten vorerst nur auf kurzen Streckenabschnitten. Foto: Daniel Bockwoldt
Die Fahrverbote gelten vorerst nur auf kurzen Streckenabschnitten. Foto: Daniel Bockwoldt

Hamburg.Als erste Stadt Deutschlands hat Hamburg Fahrverbote für ältere Dieselfahrzeuge in Kraft gesetzt, um die Belastung der Bürger durch gesundheitsschädliche Stickoxide zu reduzieren. Fahrzeuge, die nicht der Euro-Norm 6 entsprechen, dürfen seit Donnerstag auf Abschnitten zweier besonders belasteter Straßen im Bezirk Altona nicht mehr fahren. Anwohner und Anlieger sowie Linienbusse haben weiterhin freie Fahrt.

Eine Abnahme des Verkehrs auf den betroffenen Strecken war zunächst nicht zu erkennen. Die Polizei errichtete auch keine Kontrollstellen. Zunächst wolle man nur stichprobenartig die Schadstoffnorm der Fahrzeuge überprüfen, sagte der stellvertretende Leiter der Verkehrsdirektion, Karsten Wegge. Auch würden erst einmal keine Verwarn- oder Bußgelder verhängt. Später werden 25 Euro für Pkw und 75 Euro für Lkw fällig.

Schwierige Kontrollen

Wegge kündigte Großkontrollen an, die noch in Planung seien und sich aufwendig gestalten dürften. „Man muss in den Fahrzeugschein schauen.“

Vor allem älteren Menschen und solchen mit Atemwegserkrankungen können die Abgase gefährlich werden. Foto: Ina Fassbender/Archiv
Vor allem älteren Menschen und solchen mit Atemwegserkrankungen können die Abgase gefährlich werden. Foto: Ina Fassbender/Archiv

Betroffen sind Hunderttausende Diesel-Fahrzeuge von Hamburgern, Pendlern, Berufskraftfahrern und Reisenden. Ende vergangenen Jahres erfüllten laut Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) allein von den in Hamburg angemeldeten 264 406 Diesel-Pkw nur 96 356 die sauberste Euro-6-Norm. Bei den Anwohnern reichten die Reaktionen an Tag eins des Fahrverbots von Desinteresse bis blanke Wut. Fahrzeuge, die von den Verboten betroffen sind, werden über eine weitere Strecke umgeleitet und blasen mithin mehr Stickoxid in die Luft.

Schwer zu vermitteln

Dass dies den Bürgern schwer zu vermitteln ist, räumte auch Umweltsenator Jens Kerstan ein. Der entscheidende Punkt sei der Grenzwert, ab dem das giftige Gas für Menschen – vor allem für ältere und solche mit Atemwegserkrankungen – gefährlich werde. „Deshalb ist nicht der Schadstoffausstoß insgesamt zu sehen, sondern die Konzentration dort, wo sie Menschen schädigt.“ An Kritik mangelt es nicht. Während Umweltschützern die Fahrverbote nicht weit genug gehen, werfen CDU- und FDP-Opposition in der Hamburgischen Bürgerschaft dem Senat eine ideologisch geprägte und gegen den Autoverkehr ausgerichtete Politik vor. Der Steuerzahlerbund nennt es einen „Schildbürgerstreich“.

München ist am meisten belastet

In Deutschland sind im vergangenen Jahr in 65 Städten Schadstoff-Grenzwerte überschritten worden. Die Stadt mit den höchsten Belastungen vor allem durch Diesel-Abgase ist nach wie vor München, es folgen Stuttgart und Köln. Das gab das Umweltbundesamt am Donnerstag nach der finalen Auswertung der Messdaten bekannt.

Dichter Verkehr schiebt sich im abendlichen Berufsverkehr über den Mittleren Ring in München. Foto: Sven Hoppe/dpa
Dichter Verkehr schiebt sich im abendlichen Berufsverkehr über den Mittleren Ring in München. Foto: Sven Hoppe/dpa

Eine vorläufigen Auswertung im Februar hatte ergeben, dass die Grenzwerte in 66 Städten überschritten werden. Herausgefallen aus der Liste ist Remscheid – dort werden die Grenzwerte mittlerweile eingehalten. 2016 hatt es noch in 90 Städten bundesweit eine höhere Luftverschmutzung gegeben als gesetzlich erlaubt.

Der Grenzwert bei der Belastung durch gesundheitsschädliche Stickstoffdioxide (NO2) liegt bei 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. In München wurden 2017 im Jahresmittel 78 Mikrogramm NO2 pro Kubikmeter, in Stuttgart 73 und in Köln 62 Mikrogramm gemessen. Es folgen Reutlingen mit 60 Mikrogramm sowie Düren, Hamburg und Limburg mit jeweils 58 Mikrogramm NO2.

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