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Donnerstag, 19. Juli 2018 29° 1

Angeschaut

Doku über Russland überrascht Zuschauer

Gastgeber der Fußball-WM: Das ZDF hat seine Reporter nach Russland geschickt. Sie finden Unerwartetes, gar Widersprüchliches.
Von Friedmann Kohler, dpa

Matthias Fornoff steht vor dem Kreml und der Basilius-Kathedrale in der ZDF-Reportage „Russlands Geheimnisse - Überraschendes aus dem WM-Gastgeberland mit Matthias Fornoff“. Foto: Florian Bentele/Gruppe 5 Filmproduktion/ZDF/dpa
Matthias Fornoff steht vor dem Kreml und der Basilius-Kathedrale in der ZDF-Reportage „Russlands Geheimnisse - Überraschendes aus dem WM-Gastgeberland mit Matthias Fornoff“. Foto: Florian Bentele/Gruppe 5 Filmproduktion/ZDF/dpa

Berlin.Hat Russland Geheimnisse? Bestimmt, aber in einer neuen ZDF-Dokumentation an diesem Sonntag (22.30 Uhr) geht es weder um die Standorte von Atomraketen noch um schwarze Kassen des Kremls. ZDF-Politikchef Matthias Fornoff will in seinem Film „Russlands Geheimnisse“ auf etwas anderes hinaus: Auf das Unerwartete, Überraschende und Widersprüchliche im größten Land der Erde, das dieses Jahr Gastgeber der Fußball-Weltmeisterschaft ist.

Die Doku läuft nach dem ersten deutschen WM-Spiel gegen Mexiko und schließt beim Zweiten eine kleine Reihe von Russland-Filmen zum Auftakt des Turniers ab. So ist die Moskauer ZDF-Korrespondentin Phoebe Gaa die Wolga entlang gereist, Talker Markus Lanz hat den deutsch-russischen Beziehungen nachgespürt.

Modernität, die überrascht

Wenig überraschend ist, dass Reporter Fornoff auf glühende Anhänger wie Gegner von Präsident Wladimir Putin stößt. Unerwarteter ist, mit welchen modernen, auf das Millionenpublikum im Internet abzielenden Methoden sie einander bekämpfen. Zwei junge Frauen stehen dabei auf verschiedenen Seiten der Barrikade: die Pro-Putin-Aktivistin Maria Katassonowa und Maria Aljochina vom Punk-Kunst-Kollektiv Pussy Riot. Neu für den deutschen Fernsehzuschauer mag sein, wie modern Moskau, St. Petersburg und andere Städte Russlands in den letzten Jahren geworden sind. Das ist auch das, was die WM-Besucher zu sehen bekommen werden. Bärtige Hipster gibt es in Moskau genauso wie in Berlin oder New York; und der Trend des Roofings, des waghalsigen Kletterns auf Hochhäusern und Kränen, ist in Russland angekommen.

Es gibt viele Widersprüche

Die schiere Größe Russlands hat schon immer ein Denken in großen, ehrgeizigen Maßstäben erfordert. So gerät der Reporter auf eine Rinderfarm des größten russischen Fleischproduzenten Miratorg, dem allein 500 000 Angus-Rinder gehören. (Zum Vergleich: 2017 wurden in Deutschland 12,3 Millionen Rinder gezählt). Im Westen Russlands an der Grenze zu Weißrussland existiert eine Art Wild-West-Romantik mit russischen Cowboys, Pferden und Kühen.

Groß geworden ist Miratorg mit Hilfe staatlicher Kredite und einer gewissen Nähe zum Kreml. „Solche Projekte wie unsere Rinderzucht können nur russische Patrioten auf die Beine stellen“, sagt Viktor Linnik, einer der zwei Firmenchefs, vor der Kamera.

Angeblich, so die Doku, hat Russland mehr Frauen in Spitzenpositionen in der Wirtschaft als Deutschland. Allerdings hätte Fornoff für diese These mehr Belege gebraucht als nur Olga Sluzker, Gründerin einer Kette elitärer Fitnessstudios. Einen Widerspruch liefert der Film gleich mit: das erschreckende Ausmaß an häuslicher Gewalt gegen Frauen im patriarchalisch geprägten Russland.

Die Doku läuft am Sonntag, 17.06.2018, um 22.30 Uhr im ZDF..

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