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Mittwoch, 18. Juli 2018 29° 6

Notfälle

Drama um in Höhle eingeschlossene Jungen in Thailand

Sie beten, trommeln und greifen zu Riten: Verzweifelt warten Angehörige vor einem Höhleneingang im Norden Thailands auf ein Lebenszeichen der dort seit Samstag vermissten zwölf Jugendlichen und ihres Fußballtrainers. Die Zeit drängt.
Von Hathai Techakitteranun und Angelika Engler, dpa

  • Rettungsteam am Eingang der Tropfsteinhöhle, in der eine thailändische Jugend-Fußballmannschaft seit dem Wochenende eingeschlossen ist. Foto: Uncredited/TPBS/AP
  • Rettungsteam am Eingang der Tropfsteinhöhle, in der eine thailändische Jugend-Fußballmannschaft seit dem Wochenende eingeschlossen ist. Foto: Uncredited/TPBS/AP

Bangkok.Nach dem Fußballtraining noch eine Höhle besuchen: Was verlockend klang, hat sich im Norden Thailands zu einem Drama entwickelt. Seit Samstagnachmittag sind zwölf Jungen im Alter von 13 bis 16 Jahren und ihr Trainer in der viertgrößten Höhle des Landes eingeschlossen.

Heftiger Regen, so vermuten die Behörden, hatte eine Sturzflut ausgelöst und der Gruppe den Weg zurück ins Freie versperrt. Die am Eingang der Höhle Tham Luang-Khun Nam Nang Non in der Provinz Chiang Rai zurückgelassenen Schuhe und Fahrräder sind stumme Zeugnisse des Besuchs.

Retter versuchten auch am Dienstag, die Vermissten im Wettlauf gegen die Zeit in der mehr als zehn Kilometer langen und weit verzweigten Höhle zu finden. Rettungstaucher der Marine drangen zu einem Höhlenraum vor, in dessen Nähe die Gruppe vermutet wird.

Offenbar hatten sich die Jugendlichen und der Trainer vor dem Wasser immer weiter ins Höhleninnere zurückgezogen, so wird vermutet. Auch Drohnen und ein ferngesteuertes Unterwasserfahrzeug kamen zum Einsatz. Bohrungen von außen schlossen Verantwortliche der Zeitung „Bangkok Post“ zufolge ebenfalls nicht aus, auch sollten Pumpen zum Einsatz kommen, um den Wasserpegel zu reduzieren. Steigende Wasserstände und starke Strömung erschwerten allerdings die Arbeiten, Teile der Höhle standen nach neuem Regenfall am Dienstagmorgen bis zu sieben Meter unter Wasser.

Vor dem Höhleneingang nahe dem Ort Mae Sai bangten Angehörige derweil um das Leben der Kinder und des Trainers. Einige hielten Angeln und Fischernetze hoch, um auf diese Weise die in der Höhle verlorenen Seelen symbolisch herauszufischen. Andere trommelten, um die Kinder aus der Höhle zu rufen.

Für einen Hoffnungsschimmer sorgte die Nachricht, Retter hätten Spuren von Hand- und Fußabdrücken entdeckt. „Das gibt mir Hoffnung, dass sie noch am Leben sind“, sagte die Mutter eines der vermissten Kinder, die an der Höhle die Nacht verbracht hat.

Auch andere Eltern harrten über Nacht in Zelten im strömenden Regen vor der Höhle aus. Sie habe nicht geschlafen, sagte Namhom Boonpiem einem örtlichen TV-Sender. Ihr 13-jähriger Sohn ist unter den Vermissten. „Mein Sohn ist ein starker Junge. Ich habe noch Hoffnung.“

In Thailand ist derzeit Regensaison. Gerade in Berggebieten kann es dabei zu plötzlichen Überschwemmungen kommen. Chiang Rai liegt etwa 1000 Kilometer nördlich von Bangkok an der Grenze zu den Nachbarländern Laos und Myanmar.

Das Schicksal der Jungen bewegt das ganze Land. König Maha Vajiralongkorn und Regierungschef Prayut Chan-o-cha hätten angewiesen, alles Menschenmögliche zu tun, um die Kinder zu retten, sagte Innenminister Anupong Paochinda.

Mediziner sehen durchaus reale Überlebenschancen für die Vermissten. „Menschen können so lange ohne Essen auskommen, und es gibt in der Höhle genügend Wasser, das sie trinken können“, sagte Tossathep Boonthong von der Gesundheitsbehörde in Chiang Rai dem örtlichen TV-Sender Thai PBS. Seine größte Sorge sei allerdings die Luft in der Höhle. „Die hohe Luftfeuchtigkeit kann das Risiko einer Lungenentzündung erhöhen.“

Schon vor eineinhalb Jahren hatte dieselbe Jungenmannschaft mit demselben Coach nach einem Training dieselbe Höhle besucht - und den Ausflug genossen. Es habe sich um eine „spezielle Trainingseinheit“ gehandelt, postete der Betreuer damals nach dem Abstecher augenzwinkernd auf Facebook. „Ich glaube noch an Wunder“, schrieb ein besorgter Nutzer jetzt in den sozialen Medien. „Gebt nicht auf, Jungs!“.

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