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Mittwoch, 15. August 2018 27° 6

Engagement

Ehrenamt macht die Gesellschaft reicher

Vor allem im sozialen Bereich sind Ehrenamtliche unverzichtbar. Städte und Landkreise unterstützen Freiwillige nach Kräften.
Von Renate Ahrens

Viele Institutionen könnten ohne den unermüdlichen Einsatz von Ehrenamtlichen gar nicht existieren. Foto: obs/Deutscher Verband der Ergotherapeuten e.V./DVE
Viele Institutionen könnten ohne den unermüdlichen Einsatz von Ehrenamtlichen gar nicht existieren. Foto: obs/Deutscher Verband der Ergotherapeuten e.V./DVE

Ohne das große Engagement vieler Einzelner wäre unsere Gesellschaft ärmer. Viele Vereine und soziale Einrichtungen müssten schließen, wenn es nicht immer wieder Menschen gäbe, die ihre Freizeit, ihre Energie und ihr Wissen unentgeltlich für andere einsetzen. Fast jeder Zweite ist in Bayern ehrenamtlich tätig, meist in einem oder mehreren Vereinen.

Um das Engagement der Vereine im Landkreis zu unterstützen, hat die Freiwilligenagentur Regensburg auf Initiative von Landrätin Tanja Schweiger 2015 eine Fortbildungsreihe für Vereine ins Leben gerufen, eine „Vereinsschule“. „Vereine und Verbände im Landkreis Regensburg leisten großartige Arbeit“, sagt die Landrätin. „Sie prägen die Kultur des Landkreises, bringen die Menschen zusammen und stärken den Gemeinschaftssinn.“

„Vereine und Verbände im Landkreis Regensburg leisten großartige Arbeit“

Tanja Schweiger, Landrätin

Von Oktober 2017 bis April 2018 ging die inzwischen dritte Schulungsreihe über die Bühne. Sie umfasste fünf Abende zu Themen, die vielen Vorständen und aktiven Vereinsmitgliedern unter den Nägeln brennen und – auf einhelligen Wunsch der Teilnehmer der letzten Vereinsschule – auch einen Fachtag zum Thema „Öffentlichkeitsarbeit – so geht das!“ enthielt. „Alle Veranstaltungen werden sehr gut angenommen“, erklärt Dr. Gaby von Rhein, Leiterin der Freiwilligenagentur im Landkreis Regensburg. „Jedes Mal kamen etwa 100 Interessierte, ob von großen Vereinsverbänden oder vom kleinen Verein.“ Laut von Rhein geht es in der Vereinsschule aber nicht nur um die Fortbildung der Ehrenamtlichen, sondern auch um „Anerkennung und Würdigung von Engagement“. Im Herbst wird erneut eine Vortragsreihe starten. Ideen dafür werden bereits gesammelt. „Selbst scheinbar trockene und schwere Inhalte wie Steuern oder rechtliche Rahmenbedingungen in der Vereinsarbeit werden sehr gut besucht“, so von Rhein.

Ehrenamtskarte als Zeichen der Anerkennung und des Dankes

Der Landkreis Regensburg hat am 1. April 2016 gemeinsam mit der Stadt Regensburg die „Bayerische Ehrenamtskarte“ eingeführt – ein sichtbares Zeichen des Dankes und der Anerkennung für Bürgerinnen und Bürger, die sich in besonderer Weise ehrenamtlich für das Gemeinwohl engagieren. Mit der Ehrenamtskarte sind zahlreiche Vergünstigungen verbunden, zum Beispiel beim Eintritt in Museen, Theater, Schwimmbäder oder Schlösser.

Ein wichtiges Thema für alle ehrenamtlich Tätigen ist auch der Versicherungsschutz. Mit der Bayerischen Ehrenamtsversicherung stellt der Freistaat Bayern seit 2007 sicher, dass Ehrenamtliche bei ihrem Engagement keine Nachteile erleiden, wenn sie selbst keinen entsprechenden Versicherungsschutz haben sollten. Die Bayerische Ehrenamtsversicherung besteht aus einer Haftpflicht- und einer Unfallversicherung. Sie ist eine sogenannte Auffangversicherung und damit nachrangig, das heißt, eine anderweitig bestehende Haftpflicht- oder Unfallversicherung (gesetzlich wie privat) geht im Schadensfall vor. Die Ehrenamtsversicherung ist antrags- und beitragsfrei, die Kosten trägt allein der Freistaat Bayern. Versichert sind alle Ehrenamtler, die in Bayern aktiv sind oder „deren Engagement von Bayern ausgeht“, wie zum Beispiel bei Exkursionen, die die Landesgrenze überschreiten.

Im Ehrenamtsnachweis werden die Aufgaben genau dokumentiert

Und noch eine Anerkennung gibt es für kontinuierlich engagierte Idealisten: den Ehrenamtsnachweis. Das ist eine Urkunde, in der die Wertschätzung ehrenamtlicher Arbeit zum Ausdruck gebracht werden soll. Auf einem Beiblatt werden auch die eingesetzte Zeit, Tätigkeitsbereiche sowie die damit verbundenen Kompetenzen und Fähigkeiten des ehrenamtlich Tätigen dokumentiert.

Zudem bescheinigt der Nachweis etwaige Aus- und Fortbildungen, die im Zusammenhang mit dem Ehrenamt absolviert wurden. Künftige Arbeitgeber können somit aus dem Nachweis ersehen, welche Fähigkeiten und Talente ihres zukünftigen Mitarbeiters bereits über Jahre im Ehrenamt eingebracht und entwickelt wurden. Gemäß Beschluss des „Trägerkreises Ehrenamtsnachweis Bayern“ können „alle dem Gemeinwohl dienenden Tätigkeiten im Ehrenamtsnachweis gewürdigt werden“. Er kann übrigens auch dann vergeben werden, wenn die Tätigkeit bereits anderweitig dokumentiert wurde, zum Beispiel durch Ehrenamtsbescheinigungen von Kommune, Verein oder Verband. Der Ehrenamtsnachweis Bayern wurde 2009 auf Initiative der Freien Wohlfahrtspflege Bayern gemeinsam mit dem Katholischen Deutschen Frauenbund, Landesverband Bayern, ins Leben gerufen. Er wird vom Bayerischen Staatsministerium für Arbeit und Soziales, Familie und Integration unterstützt sowie von der vbw (Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V.) anerkannt.

Der eingeführte Ehrenamtsnachweis kann beispielsweise Bewerbungen beigefügt werden. Dort werden die ehrenamtlichen Tätigkeiten genau dokumentiert. Foto: Fotolia
Der eingeführte Ehrenamtsnachweis kann beispielsweise Bewerbungen beigefügt werden. Dort werden die ehrenamtlichen Tätigkeiten genau dokumentiert. Foto: Fotolia

Zunächst für den sozialen Bereich eingerichtet, kann er mittlerweile auch für andere Tätigkeitsfelder ausgestellt werden. 2011 kamen zum Beispiel die großen Engagementbereiche Musik und Sport hinzu. Über den ideellen Wert hinaus hat der Ehrenamtsnachweis also auch einen beruflichen Nutzen, vor allem für Menschen, die einen Ausbildungsplatz suchen, die nach der Familienphase wieder in den Beruf einsteigen oder sich beruflich verändern wollen. Sie alle können den Nachweis der Bewerbung beilegen. „Soziale Einrichtungen und Wohlfahrtsverbände, Organisationen, Vereine, Kirchengemeinden und Kommunen sind aufgerufen, die Initiative zu ergreifen und den Ehrenamtsnachweis anzubieten“, informiert Gaby von Rhein. Schließlich darf ehrenamtliches Engagement auch den Helfern helfen.

Der Text ist eine Leseprobe aus der Sonntagszeitung, die die Mittelbayerische exklusiv für ePaper-Kunden auf den Markt gebracht hat. Ein Angebot für ein Testabo der Sonntagszeitung finden Sie in unserem Aboshop.

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