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Panorama
Freitag, 23. Februar 2018 2

Angeschaut

Ein Callgirl-Drama mit Rätseln

In „Jung und schön“ prostituiert sich eine 17-Jährige. Die Frage nach dem Warum bleibt unbeantwortet.
Von Sabine Glaubitz und Gregor Tholl, dpa

Marine Vacth als Isabelle und Johan Leysen als Georges in einer Szene des Films „Jung und Schön“. Foto: Weltkino

Berlin.Mancher sprach angesichts dieser Handlung von einer modernen Fassung des Klassikers „Belle de Jour - Schöne des Tages“. Der inzwischen 50 Jahre alte Film von Luis Buñuel mit Catherine Deneuve als gelangweilter Ehefrau aus der Pariser Bourgeoisie, die freiwillig im Bordell arbeitet, brach damals einige Tabus. Vor inzwischen fünf Jahren donnerte der Regisseur François Ozon („8 Frauen“) diese Idee dann nochmal auf. Wie wäre es mit einer Teenagerin, die sich gerne prostituiert? Das ZDF zeigt den Callgirl- Film „Jung und schön“ am späten Montagabend (12.2., 22.30 Uhr).

Scheu und experimentierfreudig

Während der Sommerferien entdeckt die 17-jährige Isabelle die Liebe und lässt sich von einem jungen Deutschen verführen. Wieder zurück in Paris fängt die eher schüchterne Studentin an, sich freiwillig zu prostituieren.

Victor (Fantin Ravat) ist irritiert, weil sich seine ältere Schwester Isabelle (Marine Vacth) urplötzlich ganz anders verhält als zuvor. Foto: Jean-Claude Moireau/ZDF/dpa

In „Jung und schön“ zeichnet François Ozon die Geschichte eines jungen Mädchens aus gutem Haus nach, das nachmittags in Pariser Hotelzimmern Männerfantasien befriedigt. Die Hauptrolle spielt Marine Vacth. Das französische Starmannequin war 2013 die große Entdeckung auf dem Festival in Cannes, wo das Erotik-Drama seine Premiere hatte.

Das Erstaunliche und für manchen vielleicht auch Schockierende an dem Film: Ozons Isabelle verkauft ihren Körper ohne erkennbaren Grund an ältere Männer. 300 Euro pro Treffen. Just for fun – beziehungsweise besser: juste pour s’amuser.

Isabelle braucht das Geld nicht, denn sie bekommt alles, was sie will. So stapeln sich die 100-Euro-Scheine im Schrank, bis ihre heimlichen Treffen nach dem Tod eines Kunden auffliegen. Ihre Mutter ist entsetzt und verzweifelt. Die Frage, warum sie sich prostituiert, fällt ins Leere. Isabelle sperrt sich und schweigt.

Gründe für das Verhalten bleiben unbekannt

Der Zuschauer darf also kein Sozialdrama, keine Abgründe, keinen Film über psychische Schäden erwarten. Vielmehr schildert der Film ganz in Ruhe ein Jahr im Leben von Isabelle – ausgehend von den Sommerferien.

Ozon bleibt eine Antwort auf das Verhalten der jungen Frau schuldig. Prostituiert sie sich aus Lust am Reiz der Gefahr? Weil sie an dem außerehelichen Verhältnis der Mutter leidet? Oder weil sie wissen will, wo ihre Grenzen liegen? Das bleibt offen und hat deshalb vielleicht umso mehr Wucht. Ozon geht in seinem Film auch nicht auf die düsteren Seiten von Prostitution ein. Er beschreibt distanziert die sexuellen Experimente der jungen Erwachsenen, deren Erfahrungen als Freizeitprostituierte sie recht unbeeindruckt lassen.

Manchen stören bei dem Erotik-Drama weniger die offenen Fragen als vielmehr der voyeuristisch wirkende Blick der Kamera. Dass der Film sehenswert ist, verdankt er vor allem Hauptdarstellerin Vacth – und Charlotte Rampling, die am Schluss des Filmes auftaucht.

Im Kino hatte der Film 2013 in Deutschland lediglich etwa 50 000 Zuschauer; Ozons Film im Jahr davor – „In ihrem Haus“ – kam immerhin noch auf 70 000. Verglichen mit dem Erfolgsfilm „8 Frauen“, der 2002 auf etwa anderthalb Millionen Kinozuschauer kam, hat Ozon zumindest in Deutschland einen ziemlichen Bedeutungsverlust hinnehmen müssen.

Sein Film „Eine neue Freundin“ im Frühjahr 2015 kam dann sogar nur auf etwa 20 000 Kinozuschauer, das Erste-Weltkriegs-Melodram „Frantz“ mit der deutschen Schauspielerin Paula Beer dann aber 2016 immerhin wieder auf etwa 165 000 verkaufte Kinotickets.

Apropos „Belle de Jour“: Ozons Film „Das Schmuckstück“ mit Catherine Deneuve hatte im Jahr 2011 immerhin mehr als 400 000 Kinozuschauer.

Hier sehen Sie den Trailer zum Film im Video

Das ZDF zeigt den Film „Jung und Schön“ am Montag, den 12. Februar, um 22.30 Uhr.

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