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Ein etwas anderes Semesterprojekt

Studenten der Uni Regensburg haben sich das Ziel gesetzt, ihre eigenen Videospiele zu entwickeln – in nur einem Semester.
Von Maximilian Stoib, MZ

Alexander Frummet (links) und Tobias Nickolai entwickeln ein Videospiel, das der Spieler über die VR-Brille „HTC Vive“ erlebt.
Alexander Frummet (links) und Tobias Nickolai entwickeln ein Videospiel, das der Spieler über die VR-Brille „HTC Vive“ erlebt. Foto: Stoib

Regensburg.Viel Zeit bleibt den Studenten des Masterstudiengangs Medieninformatik nicht mehr: Am 30. März wollen sie bei einer Videospiel-Vernissage ihre Arbeit der letzten Wochen und Monate der Öffentlichkeit präsentieren. „Digitale Spiele und neue Interaktionsformen“ heißt die Kurskooperation zwischen der Uni Regensburg und der österreichischen FH Hagenberg, im Rahmen derer die Studenten, auf deutscher wie auf österreichischer Seite, seit Beginn des Wintersemesters in kleine Projektgruppen an jeweils einem Spiel arbeiten.

Vor drei Jahren bot der Lehrstuhl für Medieninformatik der Uni Regensburg zum ersten Mal ein Seminar zum Thema Videospiele an. Das Feedback der Studierenden sei so gut gewesen, dass dieser Teilbereich der Informatik dauerhaft ins Lehrprogramm aufgenommen wurde, erzählt Martin Dechant, wissenschaftlicher Mitarbeiter und Leiter des Seminars der Regensburger Studenten.

Hart, aber fair soll es sein

„Scarlet“ ist eines der Spiele, das im Rahmen des Seminars gerade entsteht. Es wird ein Action-Spiel, aber kein allzu einfaches: Man wird es ruhig und konzentriert spielen müssen. Die Gegner werden nur zu besiegen sein, wenn der Spieler sie genau analysiert. „Mein Ziel ist es, eine Spieler-fahrung zu schaffen, die zwar hart und schwierig ist, aber immer fair bleibt“, sagt Jürgen Hahn, einer der vier Studenten, die an „Scarlet“ arbeiten. Jürgen will nicht nur ein forderndes Spiel entwickeln, sondern auch eines, das die Spieler verbindet: Die Handlung von „Scarlet“ wird lediglich einen Rahmen liefern und viel Raum für Interpretationen lassen, der Großteil der Geschichte soll im Kopf der Spieler passieren. Sie sollen nicht allein in ihren stillen Kämmerlein sitzen, sondern sich über ihre unterschiedlichen Erfahrungen mit „Scarlet“ austauschen.

Etwa 30 Stunden die Woche arbeitet Jürgen an seinem Spiel und investiert damit deutlich mehr Zeit als in den meisten Seminaren an der Uni üblich ist. „Wenn ich schon ein Spiel mache, will ich das richtig machen“, sagt Jürgen. „Scarlet“ ist schon das dritte Videospiel, das er entwickelt.

Der virtuelle Besen-Ritt

„Bei diesem Kurs habe ich schon den Eindruck, dass die Leute das nicht nur aus Pflichtbewusstsein machen, sondern weil es sie wirklich interessiert“, meint Andreas Schmid. Das Spiel seiner Gruppe heißt schlicht „The Broom“ – „Der Besen“. Der Spieler reitet darin auf einem ebensolchen durch die Luft. „The Broom“ ist kein klassisches Videospiel, bei dem man mit Maus und Tastatur vor dem Bild-schirm sitzt, sondern eines, das eine virtuelle Realität schafft. „The Broom“ wird mit einer sogenannten Virtual-Reality-Brille auf dem Kopf gespielt, die ein dreidimensionales Bild erzeugt und dabei die Umgebung ausblendet, so dass der Spieler sich mitten im Spielgeschehen wähnt. Gesteuert wird der virtuelle Besen mit einem realen, der in einer beweglichen Halterung auf einem Gestell montiert ist. An der Spitze des Besens ist ein Sensor befestigt, der seine Bewegungen ins Spiel überträgt. „Ich war schon immer auch handwerklich interessiert“, sagt Andreas über seine eigenwillige Konstruktion.

Andreas Schmid auf seinem selbst gebauten Besen-Controller, der „Broomsday Machine“ getauft wurde.
Andreas Schmid auf seinem selbst gebauten Besen-Controller, der „Broomsday Machine“ getauft wurde. Foto: Stoib

Von außen mag es kurios bis albern aussehen, wenn jemand mit einer klobigen schwarzen Brille vor dem Gesicht wild an einem Besen herumreißt, den er sich zwischen die Beine geklemmt hat. Der Spieler aber hat schon nach einer kurzen Eingewöhnungszeit einen Heidenspaß mit „The Broom“.

Das gelte aber nicht für jeden, erklärt Andreas, denn „Virtual Reality“, kurz VR, hat ein Problem: Vielen Leuten wird beim Spielen schwindlig, weil das Gehirn zwar über die Augen eine vermeintlich reale Bewegung wahrnimmt, der Gleichgewichtssinn davon aber nichts mitbekommt. Trotz des Mittendrin-Gefühls fliegt man schließlich nicht wirklich durch die Luft, sondern steht immer noch fest auf dem Boden.

So sieht es aus, wenn der Spieler auf dem Besen sitzt:

Und das sieht der Spieler dabei:

Die Zeit ist knapp

Dennoch: „VR ist auf jeden Fall im Kommen“, ist sich Alexander Frummet sicher. Er und sein Projektpartner Tobias Nickolai arbeiten ebenfalls an einem VR-Spiel. Auch sie wollen mit Hilfe von Virtual Reality dem Spieler das Gefühl geben, dass er sich mitten in der Spielwelt befindet. In ihrem Fall ist das ein dunkles, von Monstern heimgesuchtes Haus. Der Spieler hat nur eine virtuelle Lampe zur Hand, mit der er die lichtscheuen Gegner vertreiben muss.

Auch wenn das Spiel schon recht rund läuft, an einigen Stellen hapert es noch. Werden sie denn rechtzeitig zur Vernissage fertig? Da sind die beiden zuversichtlich, auch wenn noch viel Arbeit vor ihnen liegt. „Ich würde lügen, wenn ich sage, dass es nicht stressig ist“, sagt Alexander, Spaß mache es aber immer noch.

Über eine Vermarktung ihrer Spiele denken die Studenten zum jetzigen Zeitpunkt indes alle nicht nach, trotz der vielen Stunden, die sie hineingesteckt haben und trotz des Ehrgeizes, mit dem sie sich der Sache widmen. Die Entwicklung der Spiele ist für sie, so macht es den Eindruck, in erster Linie ein leidenschaftlich betriebenes Hobby, wenn auch ein sehr stressiges.

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