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Verkehr

Eine Autobahn für Radfahrer

Der Radschnellweg soll die größten Städte des Ruhrgebiets verbinden. Am Freitag wurde der zweite Abschnitt freigegeben.
Von Luisa Houben, dpa

Der Regionalverband Ruhr (RVR) erwartet von dem Radschnellweg Verbesserungen beim Klimaschutz und weniger Staus im Ruhrgebiet. Foto: dpa
Der Regionalverband Ruhr (RVR) erwartet von dem Radschnellweg Verbesserungen beim Klimaschutz und weniger Staus im Ruhrgebiet. Foto: dpa

Mülheim.Sechs Meter breit, glatter Asphalt, kaum Kreuzungen: Wie eine kleine Autobahn zieht sich der neue Radschnellweg RS1 von Essen nach Mülheim. Bislang ist er erst fünf Kilometer lang, aber 2020 soll der Weg auf gut 100 Kilometern quer durchs Ruhrgebiet führen – weit weg vom Stau auf den Autobahnen und der Enge in den Zügen. Eine solche Strecke wäre einmalig in Deutschland.

Das Teilstück, das Nordrhein-Westfalens Verkehrsminister Michael Groschek am Freitag eröffnet hat, ist erst ein Anfang. Der Regionalverband Ruhr (RVR) plant eine Radautobahn, die von Duisburg aus durch Mülheim, Essen, Gelsenkirchen, Bochum, Dortmund, Unna, Kamen und Bergkamen bis nach Hamm führen soll. Daniel Wegerich vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) spricht deshalb von einem „Meilenstein in der Radverkehrförderung“.

Vor allem für Pendler gedacht

Anders als bei den meisten Radwegen geht es beim RS1 nicht darum, Radtouristen anzulocken. Vor allem Pendler sollen den Schnellweg nutzen und dafür ihr Auto stehenlassen. Die Planung sieht vor, dass der RS1 gut an öffentliche Verkehrsmittel angebunden ist. Außerdem soll die Strecke beleuchtet und im Winter geräumt werden.

Tom Eilinger nutzt das Angebot schon jetzt. Obwohl der Mülheimer in der Nähe des Hauptbahnhofs wohnt, spart ihm der neue Weg im Vergleich zur Fahrt mit dem Zug Zeit. „Jetzt brauche ich nur wenige Minuten zur Arbeit“, sagt er.

In einer Machbarkeitsstudie im Auftrag des RVR werden die Gesamtkosten für den Radschnellweg auf 183,7 Millionen Euro geschätzt. Ein Großteil des Geldes soll in den Bau von Brücken und Unterführungen fließen. Nur gut 20 Prozent der Summe müssen in den Wegebau investiert werden. Über weite Strecken sollen alte Bahntrassen genutzt werden.

Auch Berlin denkt darüber nach

Radschnellwege werden auch in anderen Städten diskutiert, etwa in Berlin. Eine Trasse könnte über zehn Kilometer entlang der S-Bahn-Strecke vom Potsdamer Platz in Richtung Wannsee zum Stadtrand führen. Der Senat lässt jedoch noch prüfen, ob die Fläche nicht anders besser genutzt werden könnte. Zuletzt erregte auch ein Vorschlag für einen bis zu neun Kilometer langen Schnellweg vom Bahnhof Zoo nach Friedrichshain Aufsehen, der teils unter einem U-Bahn-Viadukt verlaufen könnte – als erster überdachter Radweg Deutschlands. Der Senat ist jedoch skeptisch.

Auch in Nordrhein-Westfalen ist noch viel zu tun, bis Pendler tatsächlich von Duisburg nach Hamm quer durchs Ruhrgebiet radeln können. Unter anderem ist noch zu klären, wer die Kosten für den Ausbau der weiteren Kilometer übernimmt.

Radschnellwege

  • Häufigkeit:

  • Lange Geraden, große Kurven und flott unterwegs – Radschnellwege, auch Fahrrad-Autobahnen genannt, breiten sich wie jetzt im Ruhrgebiet zunehmend in Europa aus. Die Wege sind vom übrigen Verkehr getrennt, Radfahrer haben Vorfahrt. Hinzu kommen geringe Steigungen, gute Oberflächen, ausreichende Breite und gute Beleuchtung. Durch die relativ konstante Geschwindigkeit lässt es sich leichter in die Pedale treten.

  • Erfinder:

  • Vorreiter waren die fahrradbegeisterten Niederländer. Schon in den 1980er Jahren wurden erste Radschnellwege erprobt, um stauanfällige Straßennetze zu entlasten. Heute gibt es dort mehr als zwei Dutzend „Snelfietsroutes“. Das Netz soll in den kommenden Jahren auf 675 Kilometer ausgebaut werden. Das Konzept ermöglicht es vor allem Pendlern, Entfernungen bis 15 Kilometer schnell und sicher mit dem Zweirad zurückzulegen.

  • Netzwerk:

  • Für ihre Fahrradkultur berühmt sind auch die Dänen. 390 Kilometer Radwege gibt es allein in der Hauptstadt Kopenhagen, die den Ausbau eines Radschnellwegenetzes für Pendler vorantreibt. 22 Kommunen in der Großregion beteiligen sich an dem geplanten Netzwerk aus 26 Fahrrad-Autobahnen, die die Vororte mit der Hauptstadt verbinden sollen.

  • Pläne:

  • Auch in London gibt es Pläne für neue „Cycle Superhighways“. Bis 2016 will die britische Hauptstadt 160 Millionen Pfund (227 Millionen Euro) investieren, um das Radeln dort attraktiver zu machen. (dpa)

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