mz_logo

Panorama
Donnerstag, 20. September 2018 27° 1

Bilanz

Eine satte Fastenbilanz

Sechs Wochen lang haben vier MZ-Kollegen versucht, zu verzichten. Einige waren am Ende schlankweg überrascht.
Von Isolde Stöcker-Gietl, Nina Rottach, Bernhard Fleischmann, Teresa Hartl

In der Fastenzeit kann man auf die verschiedensten Dinge verzichten. Foto: Uwe Zucchi/dpa
In der Fastenzeit kann man auf die verschiedensten Dinge verzichten. Foto: Uwe Zucchi/dpa

Es ist frustrierend: Der Einkauf im Supermarkt geht ohne Plastikmüll einfach nicht. Kleiner Trost: Immer mehr Menschen stören sich am Verpackungswahnsinn.

Von Bernhard Fleischmann

Fasten bedeutet nicht völligen Verzicht, sondern einsparen, auf ein minimales Maß reduzieren. Gut, dass ich meine Plastik-Fastenwochen schon in diesem Sinne vordefiniert habe. Andernfalls wäre ich nicht mehr durchs Leben gekommen. Denn Plastik umgibt unser Leben wie Luft und Wasser – ohne das ölbasierte Material ist unser Way of Life schlicht nicht praktikabel. Ein Stromkabel ohne Isolierung wäre nun mal bedenklich unsicher. Aber es geht um all den alltäglichen Wahnsinn in der Plastikwelt. Das sind die gekochten, geschälten und in durchsichtiges Plastik verpackten Eier. Ich habe im Supermarkt ein größeres Kühlregal beim Obst entdeckt, dort gab es kein einziges Lebensmittel, das nicht in Plastik gepackt gewesen wäre: Smoothies, Himbeeren, Blaubeeren, geschälte Ananas, Bio-Kiwi, Birnen - leckere, gesunde Lebensmittel. Aber wegen der Verpackung eigentlich ungenießbar.

Unsere Versorgung mit Lebensmitteln in Supermärkten scheint vielfach nur mit Plastik zu funktionieren. Wohl auch deshalb, weil die Folgekosten nicht vollständig eingepreist sind. Das ist so ähnlich wie mit der Luftverschmutzung. Wir verbannen Plastiktragetaschen und glauben, dass wir damit schon beinahe die Welt gerettet haben. Aber was ist das schon, wenn die 20-fache Menge Plastik im ökologisch korrekten Einkaufskorb landet, weil die Waren so eingepackt sind? Ich wünsche mir eine Theke mit Bedienung, die Obst und Gemüse auswählt, abwiegt und in meinen Korb legt. Ich habe an der Theke Wurst und Käse gekauft. Das spart ein bisschen. Die vielen nicht sichtbaren Beschichtungen machen deren Wiederverwertung unmöglich. Man kann das Zeug nur noch verbrennen. Einkaufen auf dem Bauernmarkt ist eine wirklich gute Alternative. Der findet an meinem Wohnort freitagnachmittags statt. Viele Menschen haben da bereits Wochenende. Ich gehöre nicht dazu. Resümee: Da ich vorher schon versucht hatte, plastikarm zu leben, waren Möglichkeiten zur Einsparung überschaubar. Mut macht, dass einige Bekannte sich spontan der Platikfasterei angeschlossen haben. Und dass die Empörung über den Plastikirrsinn um sich greift.

Mein Mecker-Fasten fiel mir leicht – meistens. Ich weiß jetzt, dass alles seine Zeit hat: die gute Laune ebenso wie das ordentliche Dampfablassen.

Von Nina Rottach

Ich liebe Süßigkeiten! Nichtsdestotrotz wäre es eindeutig leichter gewesen, statt auf die Meckereien auf den Süßkram zu verzichten. Den hätte ich in einen Schrank gesperrt und fertig. Das wäre im Nachhinein vielleicht auch die einfachste Lösung fürs Mecker-Fasten gewesen: Um lästigen Situationen zu entgehen, einfach mich selbst sechs Wochen lang in einen Schrank einschließen. Mit Sicherheit keine schlechte Idee, nur leider schwer umsetzbar. Also war ich die gesamte Fastenzeit weiterhin mit den Tücken des Alltags konfrontiert, durfte mich aber nicht mehr darüber aufregen oder mir davon die Stimmung trüben lassen.

Zu meiner Überraschung stellte ich schnell fest, dass ich morgens tatsächlich entspannter in der Arbeit ankam. An ungewöhnlich reibungslosem Verkehr konnte es allerdings nicht liegen, denn im Stau stand ich wie immer. War ich bisher also nur gestresst, weil ich mich in die Dinge zu sehr reingesteigert habe? Scheint so! Trotz besserer Stimmung muss ich aber auch ehrlich zugeben: Manchmal hat mir etwas gefehlt. Meckern, Nörgeln, Schimpfen – das muss ab und an auch mal sein. Immer gute Laune zu haben, ist ja auch ein bisschen seltsam, oder? Darum werde ich das Mecker-Fasten nicht weiter strikt durchziehen. Aber ich freue mich, gelernt zu haben, dass beides wichtig ist: auf manche Dinge zu pfeifen und über andere Sachen Dampf abzulassen.

Sechs Wochen mit Schneewittchen: Nicht die Schönste im ganzen Land, dafür aber inzwischen die Ausgeschlafenste

Von Isolde Stöcker-Gietl

Was, sechs Wochen Fastenzeit sind schon wieder vorbei? Ich hätte das Osterfrühstück diesmal ja fast verschlafen! Schneewittchen-Diät hieß mein Projekt. Das Prinzip: Wer schläft, kann nicht sündigen. Ich habe mich daran gehalten. Nach dem Abendessen die Zähne geputzt und weder Chips noch Schokolade angerührt. Natürlich habe ich dementsprechend auch keine Süßigkeiten eingekauft. Das hatte gleich noch einen weiteren tollen Effekt: Alle alten Nikoläuse und die an Halloween gesammelten Schätze sind nun aufgebraucht. Die haben mein Mann und die Kinder mangels Alternativen vernichtet.

So ist Platz geschaffen für die sicher wieder üppig ausfallenden Osternester. Eierlikör-Eier, Krokant und Kinderschoko-Hasen. Komisch, ich habe noch gar kein Verlangen danach. Wie hat Schneewittchen das bloß geschafft? Ich würde sagen, es sind die wenigen Regeln, die das Projekt einfach und gleichzeitig so erträglich gemacht haben. Tagsüber war alles erlaubt. Auch mal ein Stück Kuchen. Abends fehlten auf dem Teller die Kohlenhydrate und Fernseh-Snacks waren tabu. Auf der Waage sind es knapp zwei Kilo weniger. Das passt! Denn Schneewittchen bleibt ja meine Begleiterin – auch, weil sie mich in den vergangenen Wochen ganz besonders gut hat schlafen lassen. Dafür verzichte ich weiter gerne auf den Teller Nudeln und eine Handvoll Chips am Abend.

Kann man, muss man aber nicht: Die SOS-Diät ist ein guter Ernährungsimpuls und zwingt dazu, die eigenen Gewohnheiten zu überdenken.

Von Teresa Hartl

Obwohl es mir in der Tat ziemlich schwer fällt, strikte Verbote einzuhalten, hatte auch ich mir dieses Jahr einen Vorsatz für die Fastenzeit genommen. Dieser lautete: kein raffinierter Zucker (Sugar), keine ungesunden Fette (Oil) und kein Salz (Salt) – die sogenannte SOS-Diät.

Ernährt habe ich mich also weitestgehend von natürlichen und möglichst unverarbeiteten Lebensmitteln wie Gemüse, Vollkorngetreide, ungewürztem Fleisch und Fisch sowie fettarmen Milchprodukten. Täglich gab es auch ein bis zwei Portionen Obst, jedoch nur ganze Früchte, nicht püriert oder gepresst, um auch den Fruchtzuckerverzehr im Rahmen zu halten.

Weil ich aber auch in der Fastenzeit berufstätig war und meinen Hobbys nachgegangen bin, habe ich es nicht immer geschafft, mein Essen selbst vorzubereiten. Bei verarbeiteten Lebensmitteln, also z.B. Wurst und Käse, habe ich dann auf salz- und fettarme Alternativen zurückgegriffen. Süßigkeiten und Gebäck habe ich aber tatsächlich vollständig vermieden. Und das honoriert glücklicherweise meine Waage, die jetzt gute zwei Kilo weniger anzeigt. Der Aufwand hat sich also gelohnt!

Mein Fazit: ganz ohne Salz, Fett und Zucker geht es nicht und das muss es auch nicht. Den Verbrauch kann man aber stark reduzieren und somit seiner Gesundheit etwas Gutes tun – wenn man bereit ist, seine Gewohnheiten zu ändern.

Das sind die Autoren:

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht