MyMz

Gedenken

Eschede: Zugunglück jährt sich

Der tragische Unfall kostete vor 20 Jahren 101 Menschen das Leben. Zum Jahrestag findet eine Gedenkfeier statt.

Ein ICE fährt an der mit 101 Kirschbäumen bepflanzten Gedenkstätte der ICE-Katastrophe vorbei. Foto: Holger Hollemann/dpa
Ein ICE fährt an der mit 101 Kirschbäumen bepflanzten Gedenkstätte der ICE-Katastrophe vorbei. Foto: Holger Hollemann/dpa

Eschede.Der ICE 884 „Wilhelm Conrad Röntgen“ entgleiste auf seiner Fahrt von München nach Hamburg am 3. Juni 1998 bei Tempo 200 an einer Weiche am südlichen Ortsrand von Eschede in Niedersachsen. Der Zug geriet ins Schlingern und prallte gegen eine Straßenbrücke. Die rund 200 Tonnen schwere Betonbrücke stürzte ein, dabei wurde der fünfte Waggon des Zuges halb zerquetscht. Die folgenden Waggons schoben sich dahinter wie ein Zollstock auf engem Raum zusammen. Bei dem schwersten Zugunglück in der bundesdeutschen Geschichte starben 101 Menschen, mehr als 100 wurden verletzt.

Gedenkfeier am Unfallort

Hinterbliebene, Überlebende, Helfer und Anwohner haben am Sonntag in Eschede an das Zugunglück in dem Heideort bei Celle erinnert. Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) sagte am 20. Jahrestag, das Inferno habe gezeigt, dass Technik keine absolute Sicherheit biete. Die Katastrophe sei „völlig unvermittelt und wie ein Blitz“ über Menschen hereingebrochen, die dem Zug voll und ganz vertraut hätten. Das zeige, dass die Einführung neuer Technik ständiger und äußerster Sorgfalt bedürfe.

„Die Erinnerung daran ist ständige Mahnung, dass Sicherheit Vorrang vor allem Anderen haben muss“, sagte Bahn-Vorstand Richard Lutz. Er bekräftigte die Entschuldigung der Bahn für das entstandene menschliche Leid. Alle Menschen, die damals in dem Unglückszug saßen, hätten sich der Bahn anvertraut. „Und wir müssen dazu stehen, dass wir dieser Verantwortung an diesem Tag nicht gerecht geworden sind.“

„Wenn ihr uns in eurem Gedächtnis und in eurem Herzen bewahrt, bleiben wir über den Tod hinaus verbunden.“

Heinrich Löwen

Heinrich Löwen, Sprecher der Hinterbliebenen, sagte vor den Gedenktafeln in einem Hain von 101 Kirschbäume an den Bahngleisen, die Toten von Eschede wollten den Lebenden etwas sagen: „Wenn ihr uns in eurem Gedächtnis und in eurem Herzen bewahrt, bleiben wir über den Tod hinaus verbunden.“

Kirschbäume erinnern an die Verstorbenen

Der ICE schob sich bei dem Unglück wie ein Zollstock zusammen. Foto: Ingo Wagner/dpa
Der ICE schob sich bei dem Unglück wie ein Zollstock zusammen. Foto: Ingo Wagner/dpa

Escheder Bürger waren die ersten Helfer an der Unglücksstelle. Um 12.30 Uhr löste der Landkreis Celle Katastrophenalarm aus. Rund 2000 Helfer verschiedener Rettungsorganisationen bargen Verletzte und Tote. Notfallseelsorger standen Angehörigen, Überlebenden und Helfern bei.

Am 21. Juni 1998 fand in der Stadtkirche Celle die Trauerfeier für die Opfer der Katastrophe mit mehr als 2000 Teilnehmern statt, unter ihnen der damalige Bundespräsident Roman Herzog, der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) und der damalige Ministerpräsident des Landes Niedersachsen, Gerhard Schröder (SPD). In Eschede erinnern heute Gedenktafeln und 101 Kirschbäume an den Bahngleisen an die Toten.

Zum 15. Jahrestag entschuldigte sich mit Rüdiger Grube erstmals ein Bahnvorstand bei den Hinterbliebenen. Foto: Holger Hollemann/dpa
Zum 15. Jahrestag entschuldigte sich mit Rüdiger Grube erstmals ein Bahnvorstand bei den Hinterbliebenen. Foto: Holger Hollemann/dpa

Ursache des Unglücks war ein durch Materialermüdung defekter gummigefederter Radreifen, der etwa sechs Kilometer vor Eschede brach. Der beschädigte Radsatz entgleiste kurz vor 11 Uhr an einer Weiche und stellte eine nachfolgende Weiche auf ein Nebengleis um. Die juristische Aufarbeitung des Unglücks dauerte lange. Im Frühling 2003 stellte das Lüneburger Landgericht das Verfahren gegen drei verantwortliche Ingenieure gegen Geldbußen ein, da sie aus Sicht der Richter keine schwere Schuld traf. Zum 15. Jahrestag des Unglücks entschuldigte sich mit Rüdiger Grube erstmals ein Bahnvorstand bei den Opfern und Hinterbliebenen. (epd)

Lesen Sie auch, wie Hinterbliebenen versuchen, mit diesem Schicksalsschlag zurechtzukommen.

Weitere Nachrichten lesen Sie hier.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht