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Verbraucher

Essen per Lieferservice gefragt wie nie

Immer mehr Menschen lassen sich Essen nach Hause bringen, auch in der Oberpfalz. Für Lokale ist das eine Herausforderung.
Von Dagmar Unrecht, MZ

Die Fahrradkuriere von Foodora tragen knallpink. Foto: Sebastian Gollnow/dpa
Die Fahrradkuriere von Foodora tragen knallpink. Foto: Sebastian Gollnow/dpa

Regensburg.Scrollen, klicken oder telefonieren – und dann essen.Wer Appetit auf eine warme Mahlzeit hat, aber nicht selbst kochen möchte, kann sich Essen nach Hause bringen lassen. Mit Pizza fing alles an, inzwischen haben sich Lieferserviceangebote besonders in größeren Städten ausgeweitet. Wenn es sein muss, kann man sich auch Schweinebraten mit Knödeln an die Haustür bringen lassen.

Andrey Cenkov aus Regensburg verbindet Restaurant und Lieferservice schon länger mit Erfolg: „Beides läuft gut.“ Seit zehn Jahren betreibt er das Lokal „Da Luigi“ in der Regensburger Altstadt und seit drei Jahren einen Bringdienst in der Landshuter Straße. In Spitzenzeiten liefert er bis zu hundert Essen aus, drei bis vier Fahrer sind dann unterwegs. „Viele Leute wollen sich Essen nach Hause bringen lassen, das boomt.“ Die Wertschöpfung beim Lieferservice sei höher als im Restaurant, die Kosten geringer. Der Bring-Service könne sich auch noch erfolgreich weiterentwickeln, ist Cenkov überzeugt. Auch in Beratzhausen hat er das Konzept Lokal plus Bringservice umgesetzt, dort liegt der Schwerpunkt allerdings beim Restaurant.

Bei Yerlikaya Eray, Mitinhaber des „Pizzahäuschen“ in Amberg, ist das Ausliefern von Pizza und Pasta das Hauptgeschäft – neben dem kleinen Imbiss. Seit mehr als zwanzig Jahren bietet er seine Lieferdienste an: „Das wird immer mehr“, bestätigt auch er. Täglich seien bis zu drei Fahrer in einem Umkreis von rund16 Kilometern unterwegs – je länger der Weg, desto höher ist der Mindestbestellwert. Beim „Pizzahäuschen“ kann man auch online bestellen, rund ein Drittel der Kunden nutzen das. „Die meisten rufen aber lieber an.“

„Essens-Lieferungen in die eigenen vier Wände haben in den letzten Jahren kontinuierlich zugenommen“, sagt Frank-Ulrich John, Sprecher des Deutscher Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) in Bayern im Gespräch mit unserem Medienhaus. Angebote gebe es aber hauptsächlich in Städten: „Der Service rechnet sich erst bei kurzen Wegen und vielen Aufträgen.“

Restaurant geht vor

Für Hans-Jürgen Nägerl vom Hotel Weißes Roß in Illschwang im Landkreis Amberg-Sulzbach kommt ein Bring-Service für Speisen aus seinem Restaurant nicht in Frage: „Frische Produkte sind sehr empfindlich. Nudeln wären zum Beispiel nicht mehr al dente bis sie bei den Leuten daheim sind.“ Auch betriebswirtschaftlich würde sich ein solches Angebot inclusive Fuhrpark und Fahrer laut Nägerl – zugleich Dehoga-Bezirksvorsitzender für die Oberpfalz – nicht rechnen. Ihm sei es vielmehr wichtig, seinen Gästen ein schönes Ambiente, sehr gute Qualität und besten Service zu bieten – das „Erlebnis Wirtshaus“, wie Nägerl sagt. Er stelle auch fest, dass die Menschen wieder mehr die Geselligkeit und Kommunikation suchten. „Meine Gäste freuen sich, wenn ich an ihren Tisch komme und wir miteinander reden.“

Lieferdienste sprechen in Nägerls Augen eine andere Zielgruppe an, als Konkurrenz sieht er sie trotzdem. Aber er bleibt dabei: „Unser Fokus liegt auf Hotel und Restaurant.“ Was Nägerl dagegen schon anbietet ist ein Catering-Service. „Da war ich einer der ersten in der Region.“ Das sei aber etwas ganz anderes als ein Bring-Service. Bei Catering gebe es einen geplanten Auflauf, Küchen würden aufgebaut und vor Ort gekocht oder das Essen in beheizten Thermoboxen geliefert, das Geschirr gewärmt.

Die Fahrradkuriere des Lieferdienstes Deliveroo bringen bestelltes Essen bis an die Haustür. Foto: Gregor Fischer/dpa
Die Fahrradkuriere des Lieferdienstes Deliveroo bringen bestelltes Essen bis an die Haustür. Foto: Gregor Fischer/dpa

In vielen Großstädten gehören die Kuriere der Essenslieferdienste – wie zum Beispiel Foodora, Deliveroo oder Lieferando – aber zum Stadtbild. Das Geschäftsmodell: Die gesamte Bestell-Logistik für Restaurants wird übernommen. Das geht von der digitalen Speisekarte über den Auftragseingang per App bis zur Auslieferung innerhalb von 30 Minuten, so lauten zumindest die Versprechen. Dafür berechnen die Dienste pro ausgeliefertem Gericht eine Provision. Nach Angaben verschiedener Restaurants können diese bei bis zu 30 Prozent liegen.

Kommentar

Hauptsache, es schmeckt

Die Idee hat Charme: Hungrige können sich ihr Leibgericht direkt an die Haustür liefern lassen und Restaurants erschließen sich mit Lieferdiensten nebenbei...

Bislang scheint das Konzept aufzugehen: Foodora verdoppelte nach Recherchen der Nachrichtenagentur dpa das Auftragsvolumen zwischen April 2015 und April 2016 alle zwei Monate. Der Service startete vor gut zwei Jahren und hat rund 2200 Restaurants in 19 deutschen Städten im Portfolio. Der in Großbritannien gegründete Konkurrent Deliveroo ging im April 2015 an den Start und arbeitet in Deutschland mit mehr als 2000 Restaurants in sechs Städten – darunter auch München – zusammen. Nach Unternehmensangaben steigt die Zahl der Bestellungen um rund 20 Prozent pro Monat. Davon profitiert auch mancher Gastronomen, glaubt man Felix Chrobog, Deliveroo-Geschäftsführer in Deutschland: „Viele Restaurants erhöhen ihren Umsatz durch uns um 20 bis 30 Prozent.“

Was tun, wenn der Bestellservice den eigenen Wohnort nicht beliefert? In unserer Bildergalerie finden Sie nützliche Tipps.

Alternativen zum Lieferservice

Matschige Burger

Nach Auskunft von Dehoga-Sprecher John sind für Restaurants verschiedene Geschäftsmodelle denkbar: Während die einen mit externen Lieferdiensten zusammenarbeiteten, lieferten andere selbst aus, meist aber nur in einem sehr begrenzten Radius. „Das Liefern ist mit Aufwand verbunden, das fängt schon bei der Verpackung an“, so John. Wieder andere nutzen bestimmte Events wie zum Beispiel die Fußball-Weltmeisterschaft und lieferten nur dann ihre Gerichte aus – also zu Zeiten, in denen viele Menschen ohnehin nicht ins Lokal kämen. John schätzt, dass höchstens fünf Prozent der Gastronome in Bayern in Richtung Lieferservice experimentieren. „Es ist eher die Ausnahme.“ Schließlich eigene sich auch nicht jedes Gericht dafür: „Ein Burger darf zum Beispiel nicht zu lange unterwegs sein, sonst wird er matschig.“

Ein Ende des Bestellbooms ist bisher aber nicht in Sicht. Mit Uber Eat drängt derzeit noch ein weiterer Konkurrent auf den umkämpften Markt. Restaurantbesucher, so die Hoffnung der Dehoga, wird es aber auch weiterhin geben.

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