mz_logo

Panorama
Sonntag, 24. Juni 2018 18° 4

Freizeit

EU-Bericht: Fast ungetrübter Badespaß

Die Wasserqualität in Deutschland ist nahezu überall sehr gut. Ein See in der Region bekam aber den Stempel „mangelhaft“.
Von Louisa Knobloch und Theresa Münch, dpa

Der Guggenberger See ist der beliebteste Badesee im Raum Regensburg. Die Wasserqualität ist laut aktuellem EU-Bericht „ausgezeichnet“. Archivfoto: Gruber
Der Guggenberger See ist der beliebteste Badesee im Raum Regensburg. Die Wasserqualität ist laut aktuellem EU-Bericht „ausgezeichnet“. Archivfoto: Gruber

Regensburg.Kinder planschen vergnügt im flachen Wasser, weiter draußen ziehen Schwimmer ihre Bahnen, wieder andere lassen sich gemütlich auf Luftmatratzen treiben: Für Badespaß müssen die Bayern in diesen Pfingstferien nicht ins Ausland reisen: Bei hochsommerlichen Temperaturen versprechen auch die heimischen Badeseen und Flussbäder Abkühlung.

Die gute Nachricht: Fast überall in Deutschland kann man bedenkenlos baden. Das geht aus dem gestern in Kopenhagen vorgestellten Bericht der Europäischen Umweltagentur EEA zur Qualität der europäischen Badegewässer hervor. Ob See, Fluss oder Meer: 98 Prozent der 2287 im Jahr 2017 untersuchten deutschen Badestellen erfüllen demnach die EU-Mindeststandards für Badewasser-Qualität. Die meisten von ihnen wurden sogar als „ausgezeichnet“ eingestuft.

„Dem Badevergnügen steht derzeit nichts entgegen!“

Friedrich Schuhbauer, Sprecher Landratsamt Cham

Acht Gewässer fielen allerdings bei den Testern durch – zum Teil welche, die eine Saison zuvor noch als gut eingestuft worden waren. In Bayern bekamen zwei Badestellen den Stempel „mangelhaft“, darunter der Satzdorfer See in Runding. Friedrich Schuhbauer von der Pressestelle des Landratsamts Cham gibt aber Entwarnung: Aktuelle Beprobungen des Sees durch das Gesundheitsamt am 23. April und zuletzt am 22. Mai hätten „bakteriologisch nicht zu beanstandende Befunde“ ergeben, so Schuhbauer. „Dem Badevergnügen steht also derzeit nichts entgegen!“

Wasservögel als Ursache?

Als möglichen Grund für die schlechte Bewertung nennt Schuhbauer die vielfältige Nutzung des Sees als Bade- und Angelgewässer sowie als Vogelbiotop. Dadurch könnte „eine kurzzeitige Überschreitung der mikrobiologischen Grenzwerte nicht ausgeschlossen werden“. Auch EEA-Experte Peter Kristensen bestätigt, dass gerade an kleinen Seen viele Vögel eine Ursache für schlechte Wasserqualität sein können. Ihr Kot könne das Wasser genauso verunreinigen, wie der von Hunden, die am Wasser laufen gelassen werden.

Mit dem Perlsee in Waldmünchen gibt es im Landkreis Cham einen See mit laut Bericht ausgezeichneter Wasserqualität. Schuhbauer verweist zudem auf weitere Seen in der Region mit „bester Wasserqualität“ wie den Silbersee, den Drachensee oder den Seepark Arrach. Diese seien aber nicht als EU-Badegewässer deklariert und kommen daher im aktuellen Bericht nicht vor. Auch für den Satzdorfer See wolle man wegen zurückgehender Besucherzahlen nun prüfen, ob er aus der Liste der EU-Badegewässer genommen wird.

Eine interaktive Karte zu den getesteten Badegewässern finden Sie hier.

Abgesehen davon wird die Wasserqualität bei allen untersuchten Seen in der Region als ausgezeichnet bewertet – etwa beim Guggenberger und Roither See im Landkreis Regensburg, beim Murner See und Steinberger See im Landkreis Schwandorf oder beim St. Agatha See und beim Maurer See im Landkreis Kelheim. Am Badeplatz Blechhammer des Hammersees in Bodenwöhr hat sich die Wasserqualität nach einem „Ausrutscher“ auf „gut“ im Jahr 2016 wieder auf „ausgezeichnet“ verbessert – am Badeplatz Seewinkel galt das ohnehin.

Ein Junge springt von einem hölzernen Sprungturm in den Ammersee: In den meisten Badeseen in Bayern kann man bedenkenlos schwimmen. Foto: Sven Hoppe/dpa
Ein Junge springt von einem hölzernen Sprungturm in den Ammersee: In den meisten Badeseen in Bayern kann man bedenkenlos schwimmen. Foto: Sven Hoppe/dpa

Insgesamt hat sich die Wasserqualität in Deutschland erneut leicht verbessert. Auch anderswo können die Europäer unbekümmerter schwimmen als noch vor einigen Jahren. Von den fast 22 000 untersuchten Badestellen in den EU-Ländern plus Albanien und der Schweiz schnitten nur 306 schlecht ab. Wen es im Urlaub ans Mittelmeer zieht, der sollte sich Malta oder Zypern anschauen: Hier sowie in Griechenland und Kroatien lässt sich besonders unbesorgt planschen. „Im Mittelmeer-Raum ist die Wasserqualität besser als in Nordeuropa“, sagt Kristensen. Das liege auch daran, dass es im Sommer weniger regne. Außerdem sei das Wasser tiefer und das starke Sonnenlicht töte Bakterien ab. Geprüft wurde das Bade-Wasser vor allem auf zwei Darmbakterien: E-coli und Darm-Enterokokken.

Wer besonders auf Nummer sicher gehen will, der sollte nach Luxemburg fahren. Hier bekamen alle zwölf untersuchten Badestellen Bestnoten. In Frankreich, Italien und Spanien sah es nicht ganz so gut aus – allerdings gebe es dort auch einfach besonders viele Strände, gibt Kristensen zu bedenken. Vorsichtig sollten Urlauber in Estland sein, wo 7,4 Prozent der Badestellen als mangelhaft bewertet wurden. Auch in Irland (4,9 Prozent) und in Großbritannien (3,3 Prozent) badet sich nicht ganz so sorglos.

Warmes Wetter begünstigt Algen

Das derzeitige warme Wetter könnte aber auch Einfluss auf die Wasserqualität haben: Heizen sich die Gewässer schon früh im Jahr auf, könnten auch die Algenblüte und potenzielle Massenvermehrung von Blaualgen früher als gewöhnlich auftreten, erläutert Hans Prechtl, Sprecher am Landratsamt Schwandorf. Am Hammersee ergreife die Gemeinde Bodenwöhr daher Maßnahmen: Mit Ultraschall und einer Begrenzung des übermäßigen Nährstoffeintrages solle eine Massenvermehrung der Algen verhindert werden.

Einen Artikel zum Saisonstart am Guggenberger See lesen Sie hier.

Elisabeth Sojer-Falter vom Verein für Naherholung, der den Guggenberger und Roither See betreibt, verweist auf viele weitere Faktoren, die neben der Temperatur eine große Rolle für die Wasserqualität spielen: Sauerstoffgehalt, Wind, Niederschläge, Beschattung oder Einträge ins Wasser. „Trotz der anhaltenden heißen Temperaturen und den vielen Badegästen wurde beispielsweise in der Badesaison 2017 die Gewässerqualität nicht eingeschränkt.“

Weitere Nachrichten aus aller Welt lesen Sie hier.

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht