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Falsche Behauptungen in Kettenbrief

Ein Kettenbrief zum Coronavirus geistert seit Wochen durch die sozialen Netzwerke. Er enthält falsche Behauptungen.

Die App des Messengerdienstes WhatsApp ist auf einem Smartphone zu sehen. Im Zusammenhang mit der Corona-Krise kursieren Kettenbriefe im Netz. Foto: Daniel Reinhardt/dpa
Die App des Messengerdienstes WhatsApp ist auf einem Smartphone zu sehen. Im Zusammenhang mit der Corona-Krise kursieren Kettenbriefe im Netz. Foto: Daniel Reinhardt/dpa Foto: picture alliance / dpa

Berlin.Seit Wochen verbreitet sich ein Kettenbrief mit eklatanten Falschbehautungen zum neuartigen Coronavirus in den sozialen Netzwerken. Mal heißt es darin, die Ratschläge kämen von „Experten aus Taiwan“ oder einem „italienischen Arzt“ aus der chinesischen Stadt Shenzhen; mal sind es ein „Krankenhaus-Chefarzt & Stationsleitung“, die Stadt Wien oder die UN-Kinderhilfsorganisation Unicef. Der Kettenbrief wird in mehreren Versionen in verschiedenen Sprachen geteilt. Kern des Textes ist oft die Behauptung, der Erreger Sars-CoV-2 sterbe bei 26 bis 27 Grad Celsius ab.

Die Behauptungen des Corona-Kettenbriefs

Bewertung: Der Text enthält eklatante Falschbehauptungen. Weder stirbt das Virus bei 27 Grad ab, noch ist Luftanhalten ein Schnelltest für eine mögliche Infektion. Häufiges Trinken verhindert auch nicht, infiziert zu werden. Außerdem zählt Schnupfen ebenfalls zu den möglichen – wenn auch weniger häufigen – Symptomen von Covid-19. Der Kettenbrief ist somit keine ernstzunehmende Quelle für seriöse Informationen zum Coronavirus, zumal seine Herkunft völlig unklar ist. Der Text stammt ausdrücklich nicht vom „Magistrat Wien“ und auch nicht von Unicef.

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Das sind die Fakten:

Erstens: Coronaviren halten deutlich höhere Temperaturen als 27 Grad Celsius aus. Die Körperkerntemperatur liegt bei fast allen Menschen bei mehr als 35 Grad Celsius. Würde Sars-CoV-2 tatsächlich bei weniger als 30 Grad Celsius sterben, wäre der Erreger im menschlichen Körper gar nicht lebensfähig.

Zweitens: Das Coronavirus kann sich nach derzeitigem Wissensstand auch in warmen Ländern mit hoher Luftfeuchtigkeit ausbreiten. Das stellt die Weltgesundheitsorganisation WHO auf ihrer Webseite klar. Selbst aus Ländern mit derzeit höheren Temperaturen als 27 Grad – etwa Malaysia – wurden viele Neuinfektionen gemeldet. Forscher untersuchen zurzeit, wie sehr höhere Außentemperaturen die Verbreitung des Coronavirus zumindest eindämmen könnten.

Drittens: Es gibt nach Angaben der WHO bisher keine Hinweise darauf, dass Sonnenlicht das Coronavirus Sars-CoV-2 zerstört.

Viertens: Ausreichend Flüssigkeit zu trinken dient tatsächlich der Gesundheit. Laut der WHO verhindert häufiges Trinken von Wasser jedoch nicht, mit dem Coronavirus infiziert zu werden. Die Temperatur des Wassers spielt dabei keine Rolle.

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Fünftens: Auch eine verstopfte Nase kann ein Symptom für Covid-19 sein. In China klagten einer Untersuchung zufolge etwa fünf Prozent der Erkrankten auch über Schnupfen-Symptome. Daten aus Deutschland zeigen ein etwas anderes Bild: Hier gaben 28 Prozent der Untersuchten an, Symptome wie bei einem Schnupfen zu haben. Infografiken zu diesem Thema finden sich auf der Webseite des Robert Koch-Instituts (RKI).

Sechstens: Ob ein Mensch zehn Sekunden lang die Luft anhalten kann oder nicht, kann verschiedene Gründe haben. Neben einer akuten Erkrankung der Atemwege können auch Vorerkrankungen wie Asthma das Luftanhalten erschweren. Zu Beginn einer Ansteckung mit Sars-CoV-2 vermehrt sich das Virus allerdings meist im Rachen und noch nicht in der Lunge, wie der Coronavirus-Experte Christian Drosten von der Berliner Charité erklärt. Wer infiziert ist, muss außerdem nicht zwangsläufig Symptome entwickeln. Luftanhalten kann deshalb kein Schnelltest auf eine Infektion mit Sars-CoV-2 sein.

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Siebtens: Die in manchen Kettenbrief-Versionen genannte Fibrose ist die krankhafte Vermehrung von Bindegewebe in einem Organ, etwa der Lunge. Weder das RKI noch die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung oder die Weltgesundheitsorganisation nennen Fibrose als Symptom einer Ansteckung mit Sars-CoV-2.

Achtens: Sowohl Unicef als auch die Stadt Wien haben auf Facebook und Twitter klargestellt, dass die vermeintlich offiziellen Ratschläge im verbreiteten Kettenbrief nicht von ihnen stammen, wie mitunter behauptet wird. Ein Sprecher der Stadt Wien bestätigte auf Nachfrage der Deutschen Presse-Agentur, dass es sich nicht um Informationen des Magistrats handele.

Glaubwürdige Informationen zum Umgang mit dem neuartigen Virus und zu Symptomen von Covid-19 erhält man unter anderem auf den Webseiten des Bundesgesundheitsministeriums, der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, des RKI und der WHO.

(dpa-Faktencheck-Team)

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