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Prozesse

Formularsprache darf männlich bleiben

Eine Sparkassen-Kundin fühlte sich als „Kunde“ nicht angesprochen. Die Rentnerin klagte vor dem BGH – und unterlag.

Der BGH hat entschieden: Mit der verallgemeinernden Ansprache in männlicher Form werden Frauen nicht wegen ihres Geschlechts benachteiligt. Foto: Uli Deck/dpa
Der BGH hat entschieden: Mit der verallgemeinernden Ansprache in männlicher Form werden Frauen nicht wegen ihres Geschlechts benachteiligt. Foto: Uli Deck/dpa

Karlsruhe.Frauen haben kein Recht auf eine weibliche Ansprache in Formularen. Dies hat der Bundesgerichtshof (BGH) am Dienstag in Karlsruhe entschieden. Das oberste deutsche Zivilgericht wies die Revision einer Sparkassen-Kundin aus dem Saarland zurück.

Ein Verstoß gegen das Grundgesetz?

Marlies Krämer klagte vor dem BGH, dass Sparkassen auf ihren Formularen auch die weibliche Form von Kontoinhaber, also Kontoinhaberin, nennen müssen. Foto: Uli Deck/dpa
Marlies Krämer klagte vor dem BGH, dass Sparkassen auf ihren Formularen auch die weibliche Form von Kontoinhaber, also Kontoinhaberin, nennen müssen. Foto: Uli Deck/dpa

Klägerin Marlies Krämer (80) fühlt sich mit männlichen Formulierungen wie „Kunde“ oder „Kontoinhaber“ nicht angesprochen und pochte auf die Ansprache als „Kundin“ oder „Kontoinhaberin“. Sie rügte einen Verstoß gegen den im Grundgesetz garantierten Gleichheitsgrundsatz. „Es ist mein verfassungsmäßig legitimes Recht, dass ich als Frau in Sprache und Schrift erkennbar bin“, argumentierte sie.

„Es ist mein verfassungsmäßig legitimes Recht, dass ich als Frau in Sprache und Schrift erkennbar bin“

Marlies Krämer, Klägerin

Das sieht der VI. BGH-Zivilsenat mit seinen drei Richtern und zwei Richterinnen nicht so: Mit der verallgemeinernden Ansprache in männlicher Form werde sie nicht wegen ihres Geschlechts benachteiligt. Die Anrede „Kunde“ für Frauen sei weder ein Eingriff in das Persönlichkeitsrecht noch ein Verstoß gegen den Gleichheitsgrundsatz.

Die Klage der engagierten Kämpferin für Frauenrechte aus dem Saarland war schon in den Vorinstanzen erfolglos geblieben: Schwierige Texte würden durch die Nennung beider Geschlechter nur noch komplizierter, argumentierte das Landgericht Saarbrücken.

Formulare dürfen männlich bleiben

Notfalls vor den Europäischen Gerichtshof

Trotz ihrer Niederlage denkt die kampferprobte Seniorin nicht ans Aufgeben: „Ich ziehe auf jeden Fall vor das Bundesverfassungsgericht“, kündigte sie bereits vorab an. Notfalls will sie die weibliche Formular-Sprache vor dem Europäischen Gerichtshof durchsetzen.

„Ich ziehe auf jeden Fall vor das Bundesverfassungsgericht“

Marlies Krämer, Klägerin

Marlies Krämer hat im Laufe ihres Lebens schon andere juristische Schlachten für sich entschieden: So verzichtete sie in den 90er Jahren so lange auf einen Pass, bis sie als „Inhaberin“ unterschreiben konnte. Später sammelte sie erfolgreich Unterschriften für weibliche Wetter-Hochs, davor wurden Frauennamen nur für Tiefs verwendet.

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