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Menschen

Gerst: „Der Planet ist meine Heimat“

Bevor Astronaut Alexander Gerst in den Weltraum abhebt, traf ihn MZ-Redakteurin Angela Sonntag zu einem Interview.
Von Angela Sonntag

Bald geht es los ins All! Astronaut Alexander Gerst startet zur Raumstation ISS. Foto: Pavel Golovkin/AP/dpa
Bald geht es los ins All! Astronaut Alexander Gerst startet zur Raumstation ISS. Foto: Pavel Golovkin/AP/dpa

Oberpfaffenhofen.Herr Gerst, Sie kommen aus Künzelsau, arbeiten und trainieren auf der Erde in Houston bei der NASA, in Moskau bei Roskosmos, in Köln bei der ESA. Was ist für Sie Heimat und haben Sie Heimweh im All?

Heimweh im All fühlt sich tatsächlich anders an. Als ich nach der Schule das erste Mal groß auf Reisen war, ich war sieben Monate mit dem Rucksack unterwegs, da hatte ich Heimweh nach meinem Freunden zuhause. Auf den Ort, an dem ich mein bisheriges Leben lang war. Das Heimweh hat sich also auf einen einzigen Ort bezogen. Als ich dann durch meinen Beruf mehr auf Reisen war, vor allem durch meine Trainings für Missionen, habe ich festgestellt, dass ich mehrere Orte als meine Heimat sehe. Und das waren dann tatsächlich genau die Orte, die Sie genannt haben: Houston, Moskau, Köln und mein Zuhause in Süddeutschland. Wenn ich in dem einen Ort war, habe ich die anderen vermisst. Als ich im Weltraum war, hat sich das Heimatgefühl noch mal verstärkt. Aber, wenn man im All ist und auf die Erde schaut – manche haben das als kitschig bezeichnet, aber für mich trifft es zu – dann ist der ganze Planet meine Heimat. Da unten wohnen Menschen, da gehöre ich hin. Und jeder Astronaut, den ich kenne und der im All war, wollte auch wieder zurück. Wir sind also keine Major Toms und wollen ewig da draußen rumschweben, sondern wir wollen alle wieder auf die Erde (lacht).

Können Sie sich noch erinnern, wann in Ihnen der Wunsch aufkam, Astronaut zu werden?

Als Kind wächst man auf und definiert den Raum seiner Möglichkeiten. Ich kann mich noch erinnern, als ich im Fernsehen gesehen habe, wie Astronauten in einem Space Shuttle sitzen und losgeflogen sind. Da habe ich mir nicht gedacht: Oh, das sind bestimmt Superhelden. Sondern ich habe mir gedacht: Naja, wenn die das können, dann kann ich das vielleicht auch. Das war mein Ansatz und deshalb finde ich es auch so wichtig, das weiterzugeben an die zukünftige Generation. Ich möchte Kindern sagen: Wenn du Astronaut werden willst, dann kannst du Astronaut werden. Das ist im Raum ihrer Möglichkeiten, für Mädels wie für Jungs. Deshalb machen wir auch viele Projekte mit dem WDR und „Der Sendung mit der Maus“. Ich würde mir wünschen, dass Kinder, wenn sie mich sehen, nicht denken: Das, was der macht, ist unerreichbar, sondern, das kann ich auch schaffen.

Bei Ihrer letzten Mission haben Sie uns auf der Erde über Social-Media-Kanäle mit Nachrichten und wunderbaren Bildern auf dem Laufenden gehalten. Werden Sie diesmal dafür wieder Zeit haben?

Ich habe ein großes Team, das mit mir arbeitet, da werde ich versuchen, Sie so gut wie möglich auf dem Laufenden zu halten. Wir werden Videos von Experimenten machen, dann will ich selbst versuchen, so viele Bilder wie möglich zu schießen, von der Erde, von den Experimenten außen, aber auch innen bei uns. Wir haben circa eine Stunde am Tag, außerhalb der Arbeitszeit, wo wir private Dinge machen können, E-Mails schreiben oder mit der Familie telefonieren. Aber da werde ich bestimmt auch Zeit finden für Social Media. Das ist eine Sache, die mir auch selbst sehr am Herzen liegt. Ich habe das Privileg, zur Raumstation zu fliegen, dann will ich das nicht nur für mich behalten, sondern auch teilen.

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