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Familie

Gutes Essen ohne Kochen

Mahlzeiten direkt nach Hause: „Essen auf Rädern“ ist eine bequeme Sache. Wer Menüs bestellt, sollte aber einiges beachten.
Von Sabine Meuter, dpa

Lieferdienste bringen ganze Mahlzeiten und Menüs fertig gekocht zum Kunden. Ältere Menschen kann das entlasten. Foto: Hendrik Schmidt/dpa

Düsseldorf.Es klingelt an der Tür – und geliefert wird ein fertiges Menü. Das ist praktisch. Vor allem für ältere Menschen, die nicht mehr selbst am Herd stehen wollen. Aber auch für andere, die aufgrund einer Krankheit oder nach einem Unfall vorübergehend auf Hilfe angewiesen sind. Oder für Alleinlebende, für die sich das Kochen nicht lohnt.

Doch Menüdienst ist nicht gleich Menüdienst. Zig Anbieter tummeln sich auf dem Markt. „Interessierte sollten sich beizeiten – und nicht erst in akuter Notlage – gut über Angebote informieren“, rät Angela Clausen von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

Sehr unterschiedliche Angebote

Wohlfahrtsverbände, aber auch Metzgereien oder Gasthöfe bieten an, Essen nach Hause zu liefern. Das Angebot ist vielfältig: Manchmal ist es Hausmannskost, es gibt moderne Menüs, aber auch Schonkost, pürierte Speisen oder lactosefreie Gerichte werden offeriert. Das alles wird je nach Vorliebe entweder tiefgekühlt, aufwärmbar oder servierfertig geliefert.

„Die Qualität des Essens kann allerdings je nach Anbieter sehr unterschiedlich ausfallen“, erklärt Ursula Lenz von der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen (BAGSO). Auch bei den Preisen und beim Service rund um die Anlieferung des Essens sind unter den Anbietern die Unterschiede groß. Informationen über Menüdienste und ihren jeweiligen Service gibt es zum Beispiel in städtischen Einrichtungen wie Seniorenbüros, bei Wohlfahrtsverbänden, bei Kirchengemeinden oder auch bei der Verbraucherzentrale. Liegt das Info-Material vor, dann ist Vergleichen angesagt.

Eine Checkliste der Verbraucherzentralen kann helfen, den individuell richtigen Dienstleister zu finden. „Oft offerieren Anbieter ein mitunter kostenloses Probemenü an“, erklärt Clausen. Damit können Interessierte testen, ob das Angebot ihren Vorstellungen entspricht.

„Die Qualität des Essens kann allerdings je nach Anbieter sehr unterschiedlich ausfallen.“

Ursula Lenz von der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) hat einen Qualitätsstandard für „Essen auf Rädern“ entwickelt. „Darin sind Anforderungen an die Speisen etwa in Bezug auf Auswahl, Zubereitung und Warmhaltezeiten festgeschrieben“, erläutert DGE-Sprecherin Antje Gahl.

Jedes Menü sollte Gemüse enthalten und möglichst fettarm zubereitet sein. Frittierte oder panierte Produkte dürfen nach den Standards drei Mal in sieben Tagen angeboten werden. Die Warmhaltezeit von zubereiteten Speisen beträgt maximal drei Stunden – ansonsten gehen Vitamine verloren und Geschmack und Konsistenz leiden. Damit die Speisen einigermaßen frisch zu Hause ankommen, sollte der Anbieter sich möglichst in der Nähe befinden.

Wichtiges Kriterium: Abwechslungsreiche Menüs

Bei der Auswahl des Dienstleisters empfiehlt es sich außerdem darauf zu achten, ob er abwechslungsreiche Menüs anbietet. „Am besten, man lässt sich die Speisepläne der vergangenen Wochen zeigen“, sagt Clausen. Pro Tag sollten zwei Menüs zur Auswahl stehen, eins davon fleischlos. Für eine vitaminreiche Ernährung sollten Interessierte darauf achten, dass sie mindestens drei Mal die Woche Obst mitgeliefert bekommen und ebenfalls drei Mal pro Woche Salat oder Rohkost bestellen können.

„Am besten, man lässt sich die Speisepläne der vergangenen Wochen zeigen.“

Angela Clausen, Verbraucherschützerin

Die Fleischsorte, allergene Zutaten und Zusatzstoffe sollten genau gekennzeichnet sein. Hilfreich sind zudem Hinweise zu Kalorien, Fett-, Salz- und Zuckergehalt. Auch auf die Verpackung sollte man achten. Wird das Essen in unbeschichteten Aluminium-Menüschalen geliefert, kann Aluminium in die Speisen gelangen. Die wöchentlich tolerierbare Aufnahmemenge liegt bei einem Milligramm Aluminium je Kilogramm Körpergewicht. Wird mehr davon konsumiert, dann drohen nach Angaben des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) negative Auswirkungen unter anderem auf Knochen und Nervensystem.

So bequem es sein mag – geliefertes Essen hat seinen Preis: „Ein Menü kostet in der Regel zwischen 4,50 und sieben Euro“, sagt Clausen. Beim Vergleich zwischen mehreren Anbietern sollte man im Blick behalten, ob Anlieferungskosten und Wochenendzuschläge bereits eingerechnet sind oder nicht.

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Kurzfristige Kündigung möglich

Einen Vertrag muss man mit dem Anbieter in der Regel nicht abschließen. Das Menü kann oft ohne viel Bürokratie für den folgenden Tag geordert oder abbestellt werden. Wenn es einem gar nicht mehr schmeckt, dann ist auch kurzfristig eine Kündigung möglich. „Allerdings: Je nachdem, ob wöchentlich oder monatlich gezahlt wird, kann die gesetzliche Kündigungsfrist bis zu vier Wochen betragen“, erklärt Clausen.

Das Angebot „Essen auf Rädern“ ist aus Sicht der BAGSO generell eine gute Sache. „Das Problem ist aber, dass es gerade alleinstehende Senioren nicht aus ihrer Vereinsamung holt“, erklärt Lenz. Daher gibt es unter dem Dach von IN FORM, einer Initiative für gesunde Ernährung und mehr Bewegung, die Aktion „Mit Rädern zum Essen“: Vereine und Einrichtungen bieten Mittagstische für Ältere an.

„Neben einer ausgewogenen Zusammensetzung der Mahlzeit steht das Gemeinschaftsgefühl beim Essen im Vordergrund“, sagt Lenz. So kann „Mit Rädern zum Essen“ zumindest dann und wann eine Abwechslung zu „Essen auf Rädern“ sein.

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