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Dienstag, 25. September 2018 15° 2

Kriminalität

Handy führt Polizei zu Doppelmörder

Ein 21-jähriger Nürnberger hat zugegeben, zwei Prostituierte innerhalb von zwei Wochen getötet zu haben.
Von Nikolas Pelke, MZ

Michael Dietsch, Leiter der Sonderkommission, freut sich über den schnellen Ermittlungserfolg der Polizei. Foto: Nikolas Pelke
Michael Dietsch, Leiter der Sonderkommission, freut sich über den schnellen Ermittlungserfolg der Polizei. Foto: Nikolas Pelke

Nürnberg.Michael Dietsch ist erleichtert, den „Prostituierten-Doppelmörder“ von Nürnberg schnell gefasst zu haben. „Ich bin froh, dass wir ihn schnell gefunden haben“, sagte der Leiter der Sonderkommission gestern bei einer Pressekonferenz in Nürnberg. Niemand könne ausschließen, dass der 21-jährige Arbeitslose aus Nürnberg nicht noch weitere Frauen aus dem Rotlichtmilieu habe umbringen wollen.

Dass es sich um einen Serientäter und Doppelmörder handelt, das sei Michael Dietsch bei der Besichtigung des zweiten Tatorts vor genau einer Woche sofort klar gewesen. Der „Modus Operandi“ sei beinahe deckungsgleich gewesen. Beide Opfer seien vom Täter vor der Tat an den Händen gefesselt worden. Die erste Frau fesselte der Täter mit einer Mullbinde. Die zweite Frau wurde mit ihrer Unterwäsche an den Händen gefesselt. Beide Opfer seien am Hals erdrosselt worden. In beiden Fällen habe der mutmaßliche Mörder seine Taten durch ein Feuer in der jeweiligen Modellwohnung der Opfer aus dem horizontalen Gewerbe vertuschen wollen.

Begonnen hatte die Verbrechensserie mit einer 22-jährigen Prostituierten aus Tschechien, deren Leiche am 24. Mai um kurz vor Mitternacht in einem ausgebrannten Appartement in Nürnberg gefunden wurde. Die Spurensicherung sei aufgrund des gelegten Feuers besonders schwierig gewesen, betonte Michael Dietsch. Allerdings sei es dennoch gelungen, DNA-Spuren am Tatort zu sichern.

Von der zweiten Tat überrascht

Ebenfalls in seiner Arbeitswohnung in einem Mehrfamilienhaus ermordet wurde das zweite Opfer, eine 44-jährige Chinesin, am Pfingstmontag um die Mittagszeit knapp zwei Wochen später. Dieser zweite Fall habe die Ermittler „überrascht und sehr getroffen“, räumte Michael Dietsch auf der Pressekonferenz ein. Auch hier setzte der junge Mann die Modellwohnung nach der Tat in Brand. Allerdings loderten die Flammen hier nicht so stark. Die Beamten fanden darin das funktionstüchtige Handy der asiatischen Prostituierten, die sich wie ihre jüngere Kollegin aus Tschechien erst seit kurzem in Nürnberg aufgehalten hatte.

Nachdem die Beamten von einem Serientäter ausgehen mussten, seien zwischenzeitlich auch Spezialisten aus München dem vermeintlichen Triebtäter auf der Spur gewesen. Die Polizei verteilte Flyer in fünf verschiedenen Sprachen im Rotlichtmilieu und setzte eine Belohnung in Höhe von 5000 Euro aus. Aus der Ermittlungskommission „Himmel“ machte die Polizei eine Sonderkommission „Himmel“ und erhöhte die Truppe der Ermittler um zehn Beamte auf eine 30-köpfige Mannschaft.

Mehr über die Ermittlungen lesen Sie hier:

Flyer in fünf Sprachen verteilt

  • Die Mordfälle:

    Am 24. Mai wird eine 22-jährige Prostituierte aus Tschechien tot in ihrer ausgebrannten Modellwohnung in einem Mehrfamilienhaus im Nürnberger Süden aufgefunden. Die Polizei bildet die 20-köpfige Ermittlungskommission „Himmel“. Am 5. Juni wird eine 44-jährige Prostituierte aus China in ihrer Modellwohnung im Norden der Frankenmetropole entdeckt. Aus der 20-köpfigen Ermittlungs- macht die Polizei eine 30-köpfige Sonderkommission.

  • Ermittlungserfolg:

    Die Polizei verteilt Flyer in fünf Sprachen (deutsch, englisch, rumänisch, bulgarisch und ungarisch) im Rotlichtmilieu und setzt eine Belohnung in Höhe von 5000 Euro aus. Am Freitag kann eine Spezialeinheit einen 21-jährigen Arbeitslosen aus Nürnberg im Stadtgebiet verhaften. Bei den Vernehmungen gesteht der Tatverdächtige die Morde. Als Motiv gibt er laut Polizei an, mit den Frauen über die Höhe der Bezahlung gestritten zu haben.

Erste Spur war Sackgasse

Zunächst hatten Michael Dietsch und seine Kollegen von der „Soko“ einen anderen Mann verdächtigt, für die beiden Taten verantwortlich zu sein. Diese Spur habe sich aber als Sackgasse entpuppt. Auch die Analyse der Videoüberwachung in verschiedenen Bereichen, auf die man sich in der Woche nach der ersten Tat zunächst konzentriert hatte, brachte keinen handfesten Durchbruch.

Der Präsident der Polizei Mittelfranken, Johann Rast, spricht während der Pressekonferenz zur Festnahme des mutmaßlichen zweifachen Prostituiertenmörders. Foto: Daniel Karmann/dpa
Der Präsident der Polizei Mittelfranken, Johann Rast, spricht während der Pressekonferenz zur Festnahme des mutmaßlichen zweifachen Prostituiertenmörders. Foto: Daniel Karmann/dpa

Die Auswertung der Telefondaten aus beiden Fällen habe die Sonderkommission „Himmel“ schließlich auf die richtige Fährte geführt. Den Durchbruch hätten schließlich die DNA-Spuren des 21-Jährigen erbracht, die an beiden Tatorten von den Ermittlern sichergestellt werden konnten.

Aufgrund der erdrückenden Beweislast habe der junge Mann aus Nürnberg die beiden Taten zugegeben. Als Motiv vermutet die Polizei, dass sich der Mann nach dem Sex um die Höhe der Bezahlung mit den Prostituierten gestritten habe. Das Motiv muss laut Oberstaatsanwalt Alfred Huber in den weiteren Ermittlungen „kritisch überprüft“ werden. Zunächst hatte der Verdächtige in seiner Vernehmung noch behauptet, nur zufällig in den beiden Mordwohnungen gewesen zu sein.

Gelebt habe der Arbeitslose in einer Gemeinschaftsunterkunft in der Frankenmetropole. Der 21-Jährige habe als Jugendlicher eine zweiwöchige Arreststrafe aufgrund von häuslicher Gewalt verbüßen müssen. Er sitzt mittlerweile in Untersuchungshaft.

Michael Dietsch lobte auf der Pressekonferenz insbesondere den unermüdlichen Einsatz der 30-köpfigen „Soko Himmel“ in den vergangenen 16 Tagen. Ohne das Engagement des gesamten Teams wäre es nicht möglich gewesen, beide Fälle „in kürzester Zeit“ aufzuklären, betonte ein sichtlich erleichterter Soko-Chef gestern in Nürnberg.

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