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Interview

„Heimat ist da, wo i grad bin“

Liedermacher Wolfgang Ambros spricht über seine besondere Beziehung zur Oberpfalz und eine Schublade voller Entwürfe.
Von Michael Scheiner

Musiker Wolfgang Ambros singt in der Tribute-Show „Otto - Geboren um zu blödeln“ im ZDF in Offenburg auf der Bühne. Foto: Patrick Seeger/dpa
Musiker Wolfgang Ambros singt in der Tribute-Show „Otto - Geboren um zu blödeln“ im ZDF in Offenburg auf der Bühne. Foto: Patrick Seeger/dpa

Regensburg.Zu seinen bekanntesten Hymnen zählen bis heute „Zwick’s mi“, „Es lebe der Zentralfriedhof“ und natürlich die fröhliche Gaudinummer „Schifoan“. Songs von Wolfgang Ambros, die Jahrzehnte überdauert haben. Das Publikum singt diese Dauerbrenner regelmäßig Zeile für Zeile begeistert mit. Egal ob beim
Open-Air auf der Donauinsel in Wien, in St. Pölten oder beim Zeltfestival in Lappersdorf. Nach einem höchst erfolgreichen Auftritt 2016 macht der Rockbarde heuer erneut dort Station. Zuvor nuschelte er unserem Mitarbeiter einige Antworten fürs Sonntagsfrühstück ins Aufnahmegerät.

Seit dem Auftritt beim legendären WAA-Festival sind Sie häufig in der Region aufgetreten, zuletzt in Lappersdorf. Gibt es einen besonderen Draht zur Oberpfalz?

Gerade in der Oberpfalz, da kenn’ ich jedes Kaff, weil ich praktisch überall schon g’spuit hab’ (lacht herzlich).

In einem Porträt konnte man lesen, dass Sie die schönen Seiten des Lebens mögen. Was gehört für Sie zum guten Leben?

Zum guten Leben? Woartn’s (…) na ja, amol guat essen und trinken (lacht), dann schlafen und … a schönes Wetter!

Hat sich bei der Gewichtung der guten Dinge im Laufe der Jahrzehnte etwas verändert?

Naaa! Ich meine natürlich, die Musik, die ist auch wichtig, sehr wichtig sogar. Also, die war immer wichtig und sie ist es nach wie vor. Ansonsten hat sich nichts verändert. Bei mir verändert sich überhaupt sehr selten etwas.

Ihre Erfolge wachsen mit jedem neuen Album. Wissen Sie, wie viele Chart-Erfolge Sie seit Ihrem Durchbruch mit dem „Da Hofa“ bis heute hatten?

Ganz ehrlich, das kann ich Ihnen nicht sagen! Es gibt mittlerweile eine derartige Unzahl von Compilations und Bootlegs und was es alles sonst noch gibt. Deswegen kann ich das auch nicht sagen. Wenn ich aber jetzt die offiziellen Studioalben nehme, dann samma bei zwanzig – ungefähr.

Hat sich Ihr Verhältnis zu Songs wie dem „Zentralfriedhof“ oder „Schifoan“ verändert? Und singen Sie diese heute noch?

Klar, sing’ ich sie noch genauso gern. Nur, verändert haben sie sich scho’ a bisserl. Weil man natürlich im Laufe der Jahre drauf kommt, dass man des oder jenes auch ein wenig anders machen kann. Zudem spielen wir jetzt hauptsächlich in der Dreierformation. Nur zu dritt, unplugged also. Dann klingt das alles a bisserl anders. Es ist eine andere Besetzung, aber die Leute ham’ das sehr gern. Und wir auch! Auf diese Weise haben wir mehr Freiheiten und können uns Arrangements auch ganz spontan überlegen. Dann drehen wir die Strophen um oder machen das eine so oder anders. Das geht, überhaupt kein Problem. Mit der Band haben wir solche Möglichkeiten in der Regel nicht. Da müssen wir uns hinsetzen und proben, damit jeder weiß, was er zu machen hat. Zu dritt ist das viel einfacher.

Wenn Sie die Möglichkeit hätten: Würden Sie Ihre berühmten Lieder heute noch einmal genauso schreiben?

Ach, des is’ eine Frage, die kann ich nicht beantworten. Ich weiß nicht, ob mir so etwas noch einmal genauso einfallen würde. Das waren andere Zeiten und wir waren ganz anders drauf. Ich weiß ehrlich gestanden nicht, ob das, was wir damals lustig gefunden haben, ob das heute noch so stimmt. Aber das ist auch obsolet! Das Lied gibt’s jetzt einfach.

Von welchen Dingen lassen Sie sich heute anregen, was inspiriert für neue Ideen?

Ich habe sehr viele liebe Freunde und da ham’ wir’s auch häufig ziemlich lustig. Aber wenn ich’s dann verwerte, ist es manchmal schwierig. Das ist immer viel Arbeit und manchmal wird’s geklaut – das ist auch nicht Sinn der Sache.

In einem Interview stand vor einigen Jahren zu lesen, dass Sie beschlossen haben, jetzt keine Lieder mehr zu schreiben. Halten Sie sich daran?

Naa, ned wirklich! Ich hab’ zuhaus’ eine ganze Schublade voll mit Entwürfen. Und vielleicht – ich bin jetzt 66… Vielleicht mache ich es dem Udo Lindenberg nach und beginne in drei Jahren damit, ein letztes Album zu produzieren. Der hat ja auch mit 70 Jahren noch einmal angegriffen.

Sie haben auch mehrfach gesagt, immer wieder auf die Bühne zu wollen…

Auf jeden Fall, ja! Da kann mir niemand was klauen, versteh’n Sie? Da kommen die Leut’ und zahlen dafür und ich geb’ mein Bestes. Die kommen ja nicht hin, um sich zu mokieren. Die sind bereit, das anzunehmen und da liegt’s an mir, dass ich das ordentlich mache.

Von Promis wird oft gesagt, dass sie in gewisser Weise von der Anerkennung ihrer Anhänger abhängig sind. Sehen Sie bei sich etwas Ähnliches?

Na ja, es geht ein bisserl … abhängig bin ich eigentlich von garnix. Aber das, ich meine der Zuspruch, ist mir wichtig. Wenn einem etwas wirklich wichtig ist, wie der Beifall von meinem Publikum, den ich erfahre, das ist dann ein wesentlicher Faktor. Aber schaun’S, auch die Familie ist mir wichtig. Ich bin vor kurzem Opa geworden ...

Oh, na Herzlichen Glückwunsch!

Ja, Danke! Wenn ich mein Enkerl sehe, dann bin ich ganz hin und weg. Da kann ich es gar nicht richtig fassen, wie schön das Leben ist! (lacht)

Mit 66 Jahren sind Sie nicht mehr jung. Gibt es etwas, das mit dem Älterwerden besser gewroden ist?

Ja sicher! Es gibt jetzt Dinge, die einem leichter fallen, weil man vieles nicht mehr so ernst nimmt. Auch nicht mehr so, na sag’ ma einfach ... nicht mehr so abhängig ist davon, wie man es vielleicht früher war. Zum Beispiel wird die Eitelkeit weniger.

Sind Sie eitel?

Na ja, ich selber hab’ mich nicht so erlebt. Aber es ist mir natürlich schon so von guten Freuden überbracht worden, dass ich bei unbekannten Fans so einen Eindruck erweckt hätte. Aber des ist lang her!

Sind Sie sich gegenüber selbstkritisch?

Ich hoffe, dass ich das in ausreichendem Maße bin. Es ist natürlich schwer, das aus eigener Sicht zu beurteilen. Es ist viel einfacher, sich über jemand anderen ein Urteil zu bilden. Aber wie gesagt – ja!

Stehen Sie als einer der Väter des Austropops dieses Genre als eine besondere österreichische Liedtradition, die weiter zurückreicht?

Wie wir als 19-jährige Burschen angefangen haben, der Prokopetz und ich, da haben wir schon den Eindruck gehabt, dass wir etwas Neues erfunden haben. Der hat ja die Lieder geschrieben und ich hab’ sie komponiert und gesungen. Das gab’s halt noch nicht – die Art von Musik mit solchen Texten. Die Bronner-Sachen, der Qualtinger und die andern, das war musikalisch ganz etwas anders. Textlich war das durchaus zu vergleichen, aber das waren so jazzige Sachen. Wir haben Rock’n’Roll gemacht. Dieser unsägliche Begriff Austropop ist ja erst viel später erfunden worden, da hab’ ich meine Sachen schon viele Jahre gemacht und war erfolgreich damit.

Sie sind auch sozial engagiert und haben geholfen, in Kenia ein Krankenhaus zu bauen. Wie ist das zustande gekommen?

Das war eine private Initiative von der Fürstin Schwarzenberg und meiner Wenigkeit. Wir saßen im Flugzeug nebeneinander und sie hat mich gefragt, ob ich mir ein Krankenhaus in der Nähe ihres Hauses in Kenia anschauen würde. Ich war dabei und habe gesehen, dass es dort fast nichts gab, die konnten nicht operieren und vieles nicht wirklich versorgen. Also hab’ ich angefangen zu sammeln und Benefizkonzerte zu spielen. Als wir dann hunderttausend zusammen hatten, haben wir losgelegt. Einfach war das nicht, weil die staatlichen Stellen wollten sich nicht in die Suppe spucken lassen. Aber wir waren hartnäckig und wollten wissen, was am wichtigsten ist, das war ein OP. Das haben wir dann im Lauf von sieben, acht Jahren gebaut und eingerichtet. Wir waren stolz und glücklich darauf, keinen einzigen Schilling Schmiergeld ausgegeben zu haben. Jetzt müssen die Leut’ selbst schauen, wie es weitergeht. Wir haben es hingestellt, dass es hundertprozentig funktioniert.

Heute wird der Begriff Heimat auf fast alles und jedes angewandt. Wie gehen Sie als Künstler, der schon immer in seiner Mundart singt, damit um?

Der Rechtspopulist, der bei uns jetzt Vizekanzler ist, geht schon seit Jahren mit dem Thema hausieren, ziemlich ekelhaft. Ich hab’ auch ein paar Lieder über Heimat und Heimatgefühle gemacht. Aber, dass ich das vor mir hertrage wie irgendeine Monstranz, ganz sicher nicht. I waas, wo mei’ Heimat is’ – dort, wo i grad bin!

Der Text ist eine Leseprobe aus der Sonntagszeitung, die die Mittelbayerische exklusiv für ePaper-Kunden auf den Markt gebracht hat. Ein Angebot für ein Testabo der Sonntagszeitung finden Sie in unserem Aboshop.

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