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Psychologie

Hilfe bei Smartphone-Sucht

Viele Menschen springen sofort ans Handy, wenn es wieder Pling macht. Gegen den Tunnelblick aufs Telefon gibt es Strategien.
Von Maximilian Konrad

Jetzt glotzt der schon wieder aufs Handy: Smartphone-Sucht raubt Lebenszeit – und kann die Beziehung ganz schön beanspruchen. Foto: Christin Klose/dpa
Jetzt glotzt der schon wieder aufs Handy: Smartphone-Sucht raubt Lebenszeit – und kann die Beziehung ganz schön beanspruchen. Foto: Christin Klose/dpa

Gütersloh.Meist dauert es nur wenige Minuten. Aufwachen, auf die Beine kommen, Kaffeemaschine an. Spätestens dann irgendwann fällt der Blick bei den meisten auf das Smartphone. Was ist los bei SMS, Instagram, Facebook, Twitter, Whatsapp und Co.? Und was sind die neuesten Schlagzeilen? Aber woran liegt das eigentlich, dass Menschen sofort nach dem Aufstehen den Drang nach einem Smartphone verspüren? „Der Impuls, morgens so ziemlich als Erstes auf das Smartphone zu schauen, basiert auf der Neugierde und Kommunikationslust des Menschen“, beschreibt Andreas Weck vom Digitalmagazin „t3n“. Also wissen, was bei den anderen los ist. Oder ist da noch eine Erklärung?

„Wir Menschen neigen dazu, den Drang zu verspüren, Phasen im Alltag, in denen wir nichts zu tun haben, auszufüllen“, erklärt Christian Groß vom Fachverband Medienabhängigkeit. „Dazu bietet sich das Smartphone in hohem Maße an.“ Also reine Langeweile? Leerlauf?

Die Angst, etwas zu verpassen

Florian Beutenmüller vom Jugendmedienportal „handysektor.de“ hat eine dritte Erklärung. „Am einfachsten lässt sich dieses Phänomen mit FOMO – „Fear of missing out“ – erklären“, sagt er. „Das bezeichnet die Angst, etwas zu verpassen.“ Also nicht zu wissen, was gerade los ist und deswegen nicht mitreden zu können, nicht mehr dazuzugehören.

Und wer kennt das nicht? Das Telefon brummt, das Display leuchtet auf. Schon aus Reflex und Neugier schaut man hin. „Das Smartphone ist unser kleiner Taschencomputer, der zum Tor der Welt geworden ist“, sagt Andreas Weck. Und deshalb passiert einfach so viel über dieses Gerät.

„Das soziale Leben, Bankgeschäfte, Verabredungen, ja selbst die Liebe – alles kann auf dem smarten Helfer organisiert werden.“

Andreas Weck

Messenger-Dienste wie Whatsapp, iMessage und der Facebook-Messenger nehmen viel Bildschirmzeit in Anspruch. Vom Austausch mit Freunden über die Planung einer Geburtstagsfeier im nie still stehenden Gruppenchat: Für diverse Anlässe gibt es einzelne Unterhaltungen, und diese sorgen – gerade wegen der Vielzahl – immer wieder dafür, dass der Blick auf das Smartphone geht.

„Die in Whatsapp geförderten Gruppen haben die Kommunikation schneller, kostengünstiger, aber auch komplexer gemacht“, sagt Florian Beutenmüller. So fürchten Kinder und Jugendliche, dass schon nach kurzer Abwesenheit wichtige Details an ihnen vorbeigehen. „Sicherlich ist das auch der Grund, weshalb Kinder und Jugendliche ihr Smartphone immer seltener aus der Hand legen“, schätzt er. Seine Strategie gegen das Festkleben am Bildschirm: Stummschalten des Handys während der Arbeit, der Hausaufgaben oder des Treffens und sich gut überlegen, ob man wirklich jeder Gruppe beitreten möchte.

Andreas Weck arbeitet für das Digitalmagazin „t3n“. Foto: Johannes Schuba/t3n/dpa
Andreas Weck arbeitet für das Digitalmagazin „t3n“. Foto: Johannes Schuba/t3n/dpa

Bei persönlichen Treffen kann das Smartphone schnell zum Störfaktor werden. Anstatt sich auf den Gesprächspartner zu fokussieren, wandert der Blick ständig zum Telefon. Gerade Jugendliche neigen dazu, trotz einer Unterhaltung sich immer wieder dem Smartphone zu widmen. Allerdings dient das Mobiltelefon auch als schnelles und unkompliziertes Kommunikationsmittel, um ein Treffen zu vereinbaren. „Das Smartphone kann zwischenmenschliche Bindungen sowohl beflügeln als auch stören“, findet Andreas Weck. „Es liegt an den Anwendern selbst, wie sehr das Smartphone den Alltag bestimmt.“

„Das Smartphone kann zwischenmenschliche Bindungen sowohl beflügeln als auch stören.“

Andreas Weck

Was also tun, um nicht bei jedem Brummen und Blinken gleich ans Telefon zu springen? Christian Groß vom Fachverband Medienabhängigkeit setzt dabei viel Vertrauen in die Menschen: „Wir Menschen können nur selbst – aus eigenem Antrieb – dafür sorgen, dass wir uns weniger dem Smartphone und mehr unseren realen Kontakten widmen“, sagt er. „Dazu müssen wir jedoch erst mal selbst die Erfahrung machen, wie es sich mit und auch ohne Smartphone anfühlt.“ Zum Beispiel, indem man mal eine digitale Pause einlegt.

Gegen den Tunnelblick aufs Smartphone gibt es auch praktische Lösungen, die zum Beispiel in einigen US-Restaurants ausprobiert werden. Hier gibt es am Eingang Schließfächer zum Aufbewahren. Die Gäste werden für die Abgabe ihres Gerätes sogar belohnt und erhalten beispielsweise bei der Kaffeehauskette „Le Pain Quotidien“ ein Dessert dafür. „Wenn Gastronomen das Gefühl haben, dass sie dadurch ihren Gästen einen Dienst erweisen, sollen sie das gerne anbieten“, sagt Andreas Weck. Lieber wäre ihm, Menschen würden von selbst lernen, das Smartphone zu steuern, statt sich steuern zu lassen. Ähnlich kritisch sieht es Christian Groß: „Ich denke, hier geht es vor allem um das Interesse der Anbieter. Restaurants wollen eine ruhige Atmosphäre, und Menschen ohne laute Handys sind dabei ein positiver Nebeneffekt.“

Whatsapp stummschalten

Und dann sind da noch die rein technischen Lösungen. Sie stecken bereits in den Telefonen drin, aber nur die wenigsten kennen sie. Muss wirklich jede Whatsapp-Nachricht oder jede Facebook-Aktualisierung einen lauten Ton auslösen? Die Antwort liegt bei jedem Nutzer selbst. „Ich würde auch jedem Anwender dazu raten, diese Feinjustierung vorzunehmen“, rät Andreas Weck.

„Wer nicht priorisiert, wird zum Sklaven des Smartphones und läuft dem Summen der Geräte nur so hinterher.“

Andreas Weck

Sowohl iOS als auch Android bieten hier zahlreiche Einstellungen. iPhone-Nutzer etwa können Apps alle Benachrichtigungen verbieten, die Größe der Banner einstellen oder Töne ausschalten. Über den „Nicht stören“-Modus lassen sich tonlose Zeiten einstellen oder nur Anrufe und Nachrichten von wichtigen Kontakten anzeigen. Android-Nutzer schauen in die Einstellungen unter „Apps & Benachrichtigungen“ und stellen ein, was sie wann und wie groß angezeigt bekommen wollen. Nervige Whatsapp-Gruppen kann man auch einfach mal stummschalten.

Und wer sich einmal ganz entschleunigen will, dem empfiehlt Andreas Weck den Flugmodus. „Wenn ich mit jemanden zusammen bin und in der Zeit meine Ruhe will, schalte ich einfach den Empfang aus. Keiner kann mich erreichen. Das tut gut.“

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